Aug 28 Freiheit vs. Regelwerk

In Heidelberg besuchte ich zuerst das Schloss. An der Touristeninformation wollte ich mein Rucksack fuer 2-3 Stunden unterstellen, aber dort hatte man keine “adaequaten Gepaeckabstellvorrichtungsanlagen”. Also mit dem Rucksack den Berg rauf. Die Sicht ist beeindruckend, das Schloss auch. In Heidelberg gibt es gefuehlt mehr Japaner und Asiaten wie Westeuropaer. Und die fotografieren alles was ihnen vor die Linse kommt. Eigentlich ein toller Ort um zu jonglieren…

Doch Heidelberg hat als einzige bisher bereiste Stadt nur feste Strassenkuenstlerplaetze, an denen man dann seine Kunst vortragen darf. Da leg ich doch gleich mal los! Es dauert nur ca. 10 Minuten bis das Ordnungsamt eintrifft. “Junger Mann, Sie stehen zwar an der richtigen Stelle, aber leider zur falschen Zeit”. In Heidelberg duerfen alle Kuenstlerplaetze nur zu ganz bestimmten Zeiten bespielt werden. Platz A von 15-16 Uhr, Platz B von 13-17 Uhr usw. Ich stehe an Platz A und es ist 14 Uhr. Ein schwerer Verstoss gegen Recht und Ordnung.

Ich bekomme ein Merkblaettchen mit auf den Weg und man notiert sich meine Personalien. Die gute Frau vom Ordnungsamt ist nett und ich bin es auch, aber ich moechte trotzdem noch wissen warum man hier in Heidelberg so stark reglmentiert. Und das ist so:  In der Heidelberger Innenstadt leben Menschen, und die fuehlen sich durch laermende Strassenmusker gestoert, was verstaendlich ist. Dafuer die Spielzeiten. “Aber ich mach doch garkein Larm!?” Ne, aber im Sinne der Gleichberechtigung und zum Schutze vor Diskriminierung einer Kuenstlergruppe koenne man einer Gruppe das spielen nicht verbieten und einer anderen erlauben. Klingt logisch, ist es aber nicht.

Ich bekomme ein Kuenstlerplatz zwischen Bushaltestellen, laermenden Strassenbahnen und Bussen zugewisen. Der Platz ist schlecht doch ich bin trotzig. Am Ende gibts auch hier etwas Geld….

Ich trampe nach Karlsruhe. Auf der A5 stehe ich keine 2 Minuten als zwei blaue Maennchen im Streifenwagen vor mir stoppen und eine Personen-, Waffen- und Drogenkontrolle durchfuehren moechten.

Auch die beiden sind nett, und ich bin es auch. Wo es hin geht, wo ich herkomme, kleines Geschwaetz mit dem Freund und Helfer. Am Ende erzaehlt mir mein Gegenueber, sollte ich hier laenger stehen werde ich von der naechsten Streife erneut kontrolliert. “Und warum?” “Ja weil Sie hier so stehen!” Na aber der Benz- und Polofahrer steht auch die ganze Zeit hier. Werden Tramper hier etwa diskriminiert? Wenn das die Gleichstellungsbeauftragte in Heidelberg wuesste!

Angekommen in Karlsruhe. Im Scheck-Inn Center kaufe ich mir als Feierabendritual eine Tafel Ritter-Sport-Schokolade. An der Kasse ein Hinweisschild das der Alkoholverkauf in Baden Wuerttemberg seit dem 1.3.10 nach 22 verboten ist. Das Schild fuehrt explizit auf, dass das auch fuer Ware gilt die vor 22 Uhr vom Regal in den Einkaufswagen gelegt oder vom Einkaufswagen aufs Band gelegt wurde, bei dem der Einkauf aber noch nicht die Kasse erreicht habe. Das ganze waere nur halb so witzig wenn der Laden nicht bereits um 22 Uhr schliessen wuerde.

Weiter in die Innenstadt. Auf einem Fussgaengerzonenschild klebt ein Aufkleber: “Bekleben Verboten, § 303 Strafgesetzbuch”. Herrlich.

“Die Menschen hier lieben es ebend wenn alles  ”Recht und Ordnung” hat meint Sarah die mir hier eine Uebernachtungsmoeglichkeit anbietet dazu.

Und Karlsruhe ist die Stadt des Rechtes: Bundesverfassungsgericht, Bundesgerichtshofes und Oberlandesgericht haben hier ihren Sitz und nehmen so eine raeumliche Distanz zur Legislative in Berlin ein.

Dann stolpere ich auf den Platz der Grundrechte direkt vorm Karlsruher Schloss.  Zitate von Vertretern des Rechts, des oeffentlichen Lebens,  aber auch Erfahrungen aus der Bevoelkerung  und von Menschen ueber die Recht gesprochen wurden ist haengen hier an 24 Tafeln.

Ein Schild faellt mir sofort ins Auge: “Wenn wir wirklich Freiheit wollen, muessen wir uns befreihen von vielem was uns einengt, was im laufe der Jahre zugewachsen ist. Freiheit muss immer wieder neu Gedacht werden. Ich glaube nicht das es einen stattlichen Begriff davon geben kann. Natuerlich ist sie dort zuende wo ich einen Nachbarn schaedige, doch sie schenkt immer wieder neue Freiraeume.”

Ich finde dieses Zitat sehr sehr schoen. Recht kann uns Sicherheit schenken. Aber wenn Recht nur des Rechts wegen angewendet wird wird es sinnlos und engt ein. Man sollte sich stets neue Freiraeume erkaempfen.

Nach 2 Naechten in Karlsruhe geht es weiter nach Freiburg in den Hochschwarzwald. Erst spaet komme ich an, aber auch hier finde ich schnell einen Schlafplatz. Der Tag war regnerisch, aber schliesslich bin ich dort angekommen wo ich am morgen hinwollte. Nur mein Handy habe ich beim Trampen in einem Auto vergessen….

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