Aug 30 Schwarzwald, Bodensee, Polizei, zwei alte Frauen, Regen, und was das alles miteinander zu tun hat.

Freiburg ist schoen, bleibt aber weitgehend unspektakulaer. Ich besteige den Schlossberg und den Schlossbergturm. Das Jonglieren funktioniert zwar, ich habe aber das Gefuehl, das Geld im Hut wird von Stadt zu Stadt weniger, je weiter ich gen Sueden schreite. Natuerlich sind das immer nur Momentaufnahmen und nichts repraesentativ.

Es geht nach zwei Tagen Freiburg weiter zum Tittisee. Es ist Sonntag. Die Strandpromenade geflutet von Menschen: Sehr viele Inder, Asiaten, Italiener, Oestereicher, Franzosen, Amerikaner. Kuckucksuhren ticken um die Wette, Schwarzwaldtrachten und kitschige Souvenirs reihen sich Stand an Stand. Irgendwo spielt eine Indianerband und bespasst die Massen. Ein Kapitaen in vollem Anzug verkauft Fahrkarten fuer die 25Minuten-Seerundfahrt. Eine heile Welt voller Realsatire, Kitsch und Volksmusik.

Ich bekomme augenblicklich gute Laune, Schnappe mir eine der wenigen leeren Baenke an der Uferpromenade, baue meinen Kocher auf und koche zwei Packungen neuseelaendische Instantnudeln. Es ist faszinierend was fuer nette aber aber auch abgrundtief boese Blicke man ernten kann.

Hier moechte ich gerne jonglieren. Noch nichtmal angefangen, da landet schon der erste 10 Euroschein in meiner Tasche… Und es sollte gut weitergehen. Nach einer Stunde sind 25 Euro zusammenjongliert. Wahnsinn! Die Leute hier haben einfach gute Laune, Kaufkraft, und geben fuer ein bisschen Unterhaltung schnell auch etwas mehr Geld. Und das Geld kann ich dringend gebrauchen, habe ich mich die letzten Tage mit ein, zwei, oder 3 Euro ueber Wasser gehalten….

Noch am Nachmittag geht es weiter zum groesseren und weniger touristischen Schluchsee. Ich fahre bei einem Pfarrer mit, der die dumme Angewohnheit hat beim Ein- und Aussteigen mitten auf der Strasse zu halten. Am Schluchsee regnet es. Ich baue mein Zelt auf und verschwinde frueh im Schlafsack. Ueber Nacht stuermt und regnet es stark. Am morgen ist alles nass. Der See ist dazu noch angeschwollen, es haette nur 10 cm mehr gebraucht, das Zelt komplett zu fluten.

Am Montag wollte ich auf den Feldberg, den hoechsten Berg im Schwarzwald, aber auch heute nur Regen. Ich beschloss eine Kursaenderung auf den Bodensee. Am morgen nimmt mich ein Versicherungsmakler in alpinweissem Oberklasse-BMW mit Nappaleder mit durch den Schwarzwald. Motto: Wo 100 erlaubt ist wird auch 100 gefahren. An einer Bundesstrassenauffahrt erneut Bekanntschaft mit dem Freund und Helfer. Dieser haelt in guter Absicht und nimmt mich ein laengeres Stueck mit. Er ist privat unterwegs und schreibt gerade an seiner Diplomarbeit fuer den gehobenen Dienst. Spaeter auf der Autobahnraststaette treffe ich dann wieder seine blauen Kollegen: Die Rundumleuchten gehen an, ich mache mich zur naechsten Personen-, Drogen-, und Waffenkontrolle bereit. Aber die beiden wollen garnichts kontrollieren. Ihnen gefaellt mein Standort nicht. Ich streite nicht und wechsle meinen Spot.

Letztendlich werde ich von zwei Damen um die 70-80 mitgenommen, eine herrliche Autofahrt. Die beiden haetten wohl nie gestoppt, haette nicht ein Maedel, eine Handwerkergesellin die drei Jahre auf Wanderarbeit ist, sie fuer mich angesprochen. Eine der alten Frauen hatte so viel Spass an den Reisegeschichten, sie konnte sich garnicht mehr einkriegen. Dann erzaehlten die beiden mir auch ihre Geschichte: Sie haben in den 80 Jahren eine damals revolutionaere Idee gehabt: Ferienhaustausch. Funktionierte auch ohne Internet ueber Zeitungen. Daraus hat sich eine innige Freundschaft entwickelt, und die beiden waren gerade auf ihrer jaehrlichen “Weibertour” in ein Kloster unterwegs…

Die Handwerkergesellin hat mich uebrigeens auch beeindruckt. Sie ist in einer Tracht unterwegs die sie stehts tragen muss, reist mit nur 7 KG Gepaeck welches sie auf ein simples Holzgestell geschnuert hat, und nennt ihr hab und gut “viel zu viel”. 3 Jahre dauert ihre Wanderzeit in der sie von Baustelle zu Baustelle in ganz Europa wandert.

Mit den alten Damen komme ich schon frueh in Konstanz an. Es regnet. Ich besuche das Bodenseemueseum. Haette ich mir schenken koennen. Ich mache mich zu Fuss auf den Weg in die Schweiz, auf einen Aussichtsturm, dann wieder zurueck. Erst Abends finde ich eine Unterkunft. Campen konnte ich nicht, mein Schlafsack ist nass und muss trocknen.

Als weitere Verlustmeldung gibt es mein Internet-Wlan-Stick und mein Fotokameraladegeraet zu vermelden. Sehr aergerlich.  Nun ist meine Kommunikation sehr eingeschraenkt und die Kamera wird irgendwann den Geist aufgeben….

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