Jun 10 Trampen nach Melbourne, einer Brille hinterherlaufen, im Outback einen Job finden…

Am 25. Mai war die Brille immer noch nicht da und ich bin von Sydney fuer ein paar Tage mit dem Zug in die Blue Mountains aufgebrochen. Von der Stadt hatte ich mehr als genug. Ich hasse es zu warten, vor allem, wenn man nicht wirtklich etwas zu tun hat, es kann einen wahnsinnig machen. Die Blue Mountains liegen nur 150km landinwaerts von Sydney und wurden wegen ihrer Einmaligkeit von der Unesco zum Weltkulturerbe erklaert.

Um ein paar Dollar zu sparen ging ich campen anstatt in eine Herberge, was sich als doofe Entscheidung herrausstellen sollte. Es regnete in Stroemen, unter meinem Zelt hatte sich ein kleiner Wasserlauf durch das Grass seinen Weg gebannt, und das qualitativ hochwertige Jack Wolfskinzelt hatte ein Leak.

Ich wartete einen Tag im Regen, und nachdem Schlafsack und Klamotten klitschnass waren hatte ich keine andere wahl und zog in eine Herberge um. Der Campingplatzbetreiber rueckte das Geld fuer den naechsten bereits bezahlten Tag nicht wieder herraus, und ich uebte stillen Protest in dem ich meinen nassen Muell breitverstreuten im Aufenthaltsraum liegen liess.

Auch die naechsten Tage sollte das Wetter hier nicht besser werden, doch ich beschloss geduldig zu warten. Am dritten Tag klarte das Wetter einigermassen auf und ich entschied mich wandern zu gehen. Natuerlich traf ich wieder eine Menge interessante Leute und wanderte Teilstuecke mit ihnen. Mit einem anderen Deutschen zusammen schleppten wir schliesslich eine aeltere Englaenderin die ihre Kondition ordentlich ueberschaetzt hatte und bei dem schlechte Wetter gestuerzt war bis zum naechste Zugstation. Das vom erleichterten Ehemann angebotene Trinkgeld lehnten wir selbstverstaendlich ab.

In den Blue Mountains bekam ich von zwei deutschen Maedels einen Lift nach Melbourne angeboten, aber ich musste ja nochmal nach Sydney, die Brille abholen. Am 29.. Mai zurueck in Sydney war die Brille immer noch nicht da, und ich aergerte mich nun nicht mit den beiden mitgefahren zu sein. Ich investierte erneut zwei Tage in Sydney. Keine Brille kam, ich hatte die Nase voll und brach am 31. Mai blind auf.

Die zwei erneuten Wartetage nutzte ich im Uebrigen um in Sydney im Park jonglieren zu gehen. Ein kleines Maedchen kommt mit ihrem Vater an und drueckt mir 70 Cent in die Hand. “Sie meint du bist ziehmlich gut” sagt der Vater. Ermutigt von dem kleinen Maedel klappte das jonglieren diesen Nachmittag dann wesentlich besser. Ich traue mich immer noch nicht mich richtig mit einem Hut in die Strasse oder in den Park zu stellen, obwohl das Jonlgieren mittlerweile recht gut klappt, und ich von Passanten die mich im Botanischen Garten oder anderen Gruenanlagen beim Ueben beobachten immer ermutigende Worte zu hoehren bekomme, ich koenne damit bereits Geld verdienen. Mir fehlt der Mum. Ich envestierte die ersten verdienten 70 Cent fuer eine Diet Coke Flasche der Marke Homebrand.

Nun sollte es aber erstmal dauerhaft aus Sydney rausgehen: Ich entschied mich fuers Trampen, oder wie man es im Englishen nennt: Hitchhiking. Man hoert dann oft ein “Das ist Verboten in Australien” oder ein “Tu das nicht”, und bekommt all die boesen Storys erschossener und entfuerhter Backpacker im Outback aufgetischt. Wenn man sich aber ernsthaft mit dem Thema beschaeftigt und sich bei Leuten informiert die diese Art des Reisens in Australien bereits selbst erprobt haben, bekommt etwas anderes zu hoehren. Zwar beruhen einige wenige “Horrorstorys” auf wahren Begebenheiten, aber diese sind verschwindent gering. Wie ueberall auf der Welt werden solche Ereignisse wenn sie eintreten medial ausgeschlachtet, so das sich ein Fall jahrelang in den Koepfen der Menschen einbrennt. Letztenendes hat mich die positive Meinung anderer Tramper ueberzeugt mein Glueck zu versuchen.

Mein erster Tramper-Tag, 1 Juni, in Australien im Detail :-) :

Heute morgen gings aus Wollongong raus. Die Stadt ist garnicht mal so klein, also hiess es erstmal laufen um aus dem groebsten Verkehr herrauszukommen… Der Spot war schliesslich schlecht, die Autos zu schnell. Ich stand am Highway 1, vergleichbar mit einer Schnellstrasse in Deutschland. Ich stand vielleicht 30 Minuten. Als erstes stoppte eine Frau mittleren Alters, die zwar nicht weit fuhr, aber vorschlug, mich aus der Stadt bis zur richtigen Highwayeinfahrt zu fahren. 5km! Sie erzaehlte mir sie sei als junges Maedel selbst viel durchs Land getrampt, komme gebuertig aus England.

Der neue Spot war nicht viel besser, die Autos schnell, 30 Minuten warten, es stoppte schliesslich ein juengerer Mann, bei dessen Stimmlage und Augenaufschlag ich nicht sicher war, ob er ausschliesslich aufs weibliche Geschlecht fixiert war. Leider fuhr auch er nur 15 km weiter, aber ich entschied mich dennoch mitzufahren, jeder km zaehlt, und vielleicht wird der Spot ja besser.

Der dritte Spot war dann zwar direkt am Highway, in einer kleinen Township wo die Autos langsamer fuhren, aber als Tramper ging ich im dichten, mehrspuhrige Verkehr unter. Nach ueber 1 Stunde begann ich darueber nachzudenken ob das Trampen in Australien vielleicht doch nicht so einfach war wie gedacht. Schliesslich war ich in den letzten 2 Stunden erst 20km vorwaerts gekommen, da stoppte ein Hertz-Miet-LKW. Der Fahrer hatte mich “arme Wurst” schon vor einer ganzen Weile dort stehen sehen als er noch in die andere Richtung unterwegs war, und bot mir nun auf dem Rueckweg einen Lift an. Immerhin 60km kam ich nun vorwaerts und fuhr 1 Stunde im Fuehrerhaus des Brummis bis nach Nowra mit.

Dort war der Spot wieder supoptimal, und die Autos zu viele und zu schnell. Meine vierte Mitfahrgelegenheit fuer heute hielt, und eine aeltere Frau nahm mich zumindest von Nowra bis Nowra-Sued mit. Sie selbst hat eine Tochter die seit Jahren um die Welt reist, und so hat sie seit dem auch ein Fokus auf andere Reisende.

Nowra-Sued ist ein perfekter Spot, die Autos langsam, genug Platz zum stoppen, und der Verkehr ist nur noch einspuhrig. Nach erneuten 30 Minuten hielt ein silberner VW-Bus an. Auch dieser Fahrer fuhr nicht weit, nahm mich aber 20km, bis Jervis Bay mit. Er bot mir an, den Abend bei ihm zu verbringen, aber da es erst 13:30 war, wollte ich gerne noch weiter. Fuer den Fall der Falle bekomme ich Bills Handynummer und bedanke mich.

Der naechste Wagen haelt schnell. Ein Arbeiter aus der Gegend nimmt mich mit. Das Gesicht sieht verbraucht aus, aber auch er macht wie alle anderen Autofahrer einen netten Eindruck. Auch er faehrt wieder nur 20km weiter. Er laesst mich an einer kleinen Highwayauffahrt raus. Scheisse. Hier stehe ich total bescheiden. Auf dem Highway kann ich nicht stehen, denn hier ist er erneutmehrspuhrig und hat keine Standspuhr. Die Autos rasen, und ich muss vor der Auffahrt hinter der Leitplanke warten. Die Auffahrt ist wenig besucht, niemand faehrt von dieser kleinen Bucht am Meer auf den Highway….

Und so bereitete ich mich geistig bereits darauf vor mein Zelt hier aufschlagen zu muessen als ein kleiner weisser Wagen etwas unsicher vor mir stoppte. Eine Mutter mit zwei ihrer Toechter: 16 und 19 Jahre alt. Die drei hatten mich heute schon einmal an der Strasse stehen sehen, waren weiter gefahren, hatten sich jedoch spaeter darueber unterhalten was fuer ein nettes Laecheln ich doch gehabt haette. Als sie mich hier nun ein zweites Mal stehen sahen waren sie sich einig mich mitzunehmen zu wollen. Super. Die drei fuhren bis nach Batmans Bay, was ca. 180km von Wollongong, wo ich heute morgen startete wegliegt. So machte ich mit ihnen doch noch ordentlich Strecke und wurde direkt vorm Hostel abgeliefert. Unterwegs sahen wir einen toedlichen Verkehrsunfall bei dem ein Autofahrer schlichtweg ungebremst und geradeaus gegen einen Baum gefahren war.

Ich kam noch genau Richtig um mir den Strand bei Sonnenuntergang anzuschauen, und bei ALDI einkaufen zu gehen…Als ich an der Uferpromenade sass bekam ich dann eine Nachricht aus Sydney. Meine Brille ist da!!!! Sie wird jetzt von Sydney nach Melbourne geschickt wo ich in eingien Tagen ankommen moechte…

Trampen, Tag zwei, zweiter Juni. Nach 2 Stunden bin ich genau 7 km vorwaerts gekommen, doch dann gehts auch an diesem Tag wieder Rund. Insgesammt 5 Leute

lassen mich an diesem Tag mitfahren. Die letzten 60km fahre ich bei Steve mit, der mir am Ankunftsort Narooma, seiner Wahlheimat, gleich noch eine Stadtrundfahrt bot.

Steve ist eigentlich Teppichverleger aber verdient sein Geld seit einigen Jahren mit dem Aufstellen, Warten und Abbauen von “Zu verkaufen”-Schildern diverser Haus- und Grundstuecksmakler. Davon laesst es sich sehr gut leben, und er hat sich hier vor einigen Jahren mit seiner Deutschen Frau ein kleines Nest fuer sich uns seine Kinder gebaut.

Da Steve den naechsten Tag (3. Juni) weitere 120km Richtung Sueden zuruecklegen muss um auch dort die von einem Sturm umgeknickten Schilder zu richten, habe ich auch fuer den dritten Tag schon eine Mitfahrgelegenheit. Ich werde um 9 vom Campingplatz abgeholt. Was fuer ein bequemes Leben! Nachdem unzaehlige Schilder auf dem Weg repariert wurden, komme ich schon Mittags in Merimbula an, beschliesse aber hier zu bleiben, um morgen frueh von hier ordentlich Strecke machen zu koennen.

4 Juni. Ich mache mich bereits um 8 auf die Socken und werde aus Merimbula sofort von einer Lehrerin die auf dem Weg zu einem Meeting nach Eden ist mitgenommen. Um 9 stehe ich am Ortsausgang in Eden und warte… Es wird 11, es wird 13 Uhr, es wird 14:30… Fast 6 Stunden stehe ich nun schon bei sonnigem Wetter am von hier aus wenig besuchten Highway. Von Anwohnern die ab und zu aus dem Fenster schauen bekomme ich ermunternde Worte zu hoehren, und ein aelterer Mann bietet mir schon am Morgen an, sollte ich hier festhaengen, bei ihm gaebe es Kaffee und Kuchen. Und so stelle ich mich geistig schon darauf ein den Abend bei dem alten Mann zu verbringen, als dann doch noch ein 25 Jahre junger Holden V8 6.4 Liter Turbo Sport-Pickupfahrer vor meiner Nase haelt.

Er faehrt bis nach Melbourne und so habe ich das Glueck heute noch 590 km Strecke zu machen. Nach Eden ist die Strasse verlassen, es gibt kaum groessere Wohnsiedlungen oder Staedte zwischen dem Ende der Ostkueste und dem weit entfernten Melbourne. Vermutlich hatte deswegen keiner Lust mich so eine lange Strecke mitzunehmen oder mich aber mitten in der Pampa abzuladen. Der Typ der nun anhielt ist allerdings der erste relativ unfreundliche Autofahrer der gleich durchblicken liess er habe mich nur mitgenommen weil er Langeweile hatte und gerade gute Laune hat. Er moege eigentlich keine Anhalter, und sein Auto, der Holden V8 6.4 Liter Turbo Sport-Pickup, waere eigentlich viel zu gut fuer Backpacker wie mich. Ich wusste dann ausserdem nicht ob mich die Aussage “Weisst du ueberhaupt wo du hier drinsitzt? Du sitzt hier im schnellsten Auto Australiens!” bei den kurvigen Strassen beruhigen sollte. Arogant, eingebildet, selbstverliebt und zu schnell. Im Endeffekt bittet er mich noch darum 50 Dollar Spritgeld zuzusteuern, was ich letztendlich auch getan habe.

Im nachhinein habe ich mich geargert, aber eigentlich nur ueber mich selbst. Ich haette gleich im naechsten, wenn auch kleinen Ort, aussteigen und ihm eine schoene Fahrt wuenschen sollen, und ihm ausserdem erzaehlen sollen der Bus oder die Bahn waere billiger gewesen als sein Spritgeld, aber ich habs nicht gemacht. Vielleicht war ich an diesem Tage muede vom Warten und ich wollte nach Melbourne. Diese eine nicht so schoene Erfahrung sollte aber die Eindruecke vieler anderer Australier nicht schmaelern, die oft kleine Umwege gefahren sind, mit mir Extrarunden zu besonderen Stellen gedreht sind, und einfach nur nett und freundlich waren.

Man kann dann noch fragen, warum Autofahrer ueberhaupt anhalten, und ich muss sagen das es dafuer eine ganze Hand von Grunden gibt. Ich habe nie gefragt, aber oft muss man den Menschen nur zuhoeren und zwischen den Zeilen lesen: Manche Leute sind neugierig, manche Leute fuehlen sich verantwortlich, manche Leute wollen Gesellschaft, manche tun es der “guten alten Zeiten” wegen, manche halten aus Mitleid, manche Leute tun es vielleicht mehr sich selbst zum Gefallen, und viele sind einfach nur nett und herzensgut.

Nur warum der Holden V8 6.4 Liter Turbo Sport-Pickup gehalten hat habe ich noch nicht ganz raus. Ich vermute der Fahrer wollte mir einfach nur sein geiles Auto zeigen.

Ich komme erst um 10 Uhr Abends in einem Vorort, 5km vom CBD, in Melbourne an. Ich finde jedoch schnell ein Hostel, wenn auch etwas teuer und quartiere mich ein. Weil ich keine Lust habe schon am naechsten morgen auszuchecken und mit dem Rucksack quer durch die hektische Stadt zu ziehen verlaengere ich am nachsten morgen, 5 Juni, um zwei Tage und mache mich auf die Stadt zu erkunden, weitere Reiseplaene zu machen und nach Arbeit zu suchen.

Auch wenn der naechste Tag nicht wirklich gut anfaengt (Es regnet schon wieder in Stroemen, der Blick auf meinen Kontostand verdirbt mir die Laune, und ich entwickle eine Abneigung gegen zu grosse Staedte) endet er doch mit einem Happy End: Ein neuer Job ist gefunden, 600 km noerdlich von Melbourne: Wenn alles gut geht kann ich am Mittwoch als Mandelbaumstutzer anfangen. Der erneute Job wurde noetig weil Australien ein sehr teures Reiseland ist und das Geld selbst bei einer absoluten Low-Budgetreisementalitaet einfach zwischen den Fingern zerrinnt. 100 Dollar da, 200 Dollar hier. Die Eurokrise und der fallende Euro sind ausserdem ein Grund fuer die hohen Ausgaben. Der Umrechnungskurs ist schlecht, die Europaeische Waehrung wenig Wert.

Dafuer kann sich das Gehalt eines ungelernten Mandelbaumstutzers sehen lassen: 2560 Dollar, das sind derzeit ca. 1790 Euro verdient man nach Steuern im Monat.

Mein Job ist derzeit aber nur fuer 3 Wochen ausgeschrieben, aber das reicht mir auch um erstmal gennug Geld zu haben meine Australienreise – genauer gesagt meine Reise ins Outback- fortzusetzen, bevor ich mich danach ins billige Asien verziehen will…..

7 Juni 2010. Ich bin auf der Suche nach meiner Brille. Rueckblick: Nachdem die Brille in Neuseeland verloren gegangen war habe ich weil ich Geld sparen wollte und Brillen hier sehr teuer sind bei Fielmann von meiner Brillenversicherung gebrauch gemacht, die Fertigstellung der Ersatzbrille verzoegerte sich, da das Gestell nicht lieferbar war. Nach Fertigstellung einer Ersatzbrille mit anderem Gestell brauchte die Brille die durch einen Bekannten per Express nach Sydney geschickt wurde mehr als 3 Wochen statt der angekuendigten 3 Tage. Sie steckte im Zoll fest. Weil ich nach 3 Wochen genug vom Warten in Sydney hatte war ich blind nach Melbourne aufgebrochen, und die Nachricht der eingetroffenen Brille erreichte mich unterwegs per Handy. Ich bat das Hostel in Sydney die Brille nun per Express von Sydney nach Melbourne zu senden, und erkundigte mich bei der Post nach der Adresse des General Post Offices in Melbourne, sozusagen der Hauptfiliale, von wo ich das Paeckchen dann aufsammel wollte. Wie der dumme Zufall es will wurde mir eine falsche Adresse mitgeteilt und das Paeckchen strandete in einer anderen Filiale von wo aus ich jedoch angerufen wurde und mir die Adresse mitgeteilt wurde. Wie der weitere dumme Zufall es will erreichte mich dieser Anruf gerade waerend des Trampens, so das ich die Adresse auf einem kleinen Stueck Papier notierte und wieder in den Rucksack stopfte: Die Schrift verwischte und wurde unleserlich.

Groesstes Problem beim Suchen war das es neben dem wirklichen General Post Office ein Einkaufszentrum im ehemaligen historischen Gebaeude des General Post Offices gab das nun auch weiterhin General Post Office hiess, und die Postangestellte beim raussuchen der Sendeadresse dort wohl irgendwas vermixt hat. In Deutschland besteht jede Adresse aus einer Strasse, Hausnummer und Postleitzahl. Manchmal weiss man die Deutsche Ordnung wirklich zu schaetzen! Weiteres Problem war das beide “General Post Offices” (Das echte genauso wie das Einkaufszentrum gleichen Namens) an der Bourkestreet lagen, es dann aber noch die Little Bourkestreet gab. Die Tatsache dass es unzaehlige kleine Postshops an diesen beiden entlos langen Strassen gab machte die Sache nicht einfacher. Niemand hatte etwas von meiner Brille gehoert oder gesehen. Es war zum verzweifeln. Ich konnte schliesslich den Anruf ueber mein Handy zurueckverfolgen von wo aus ich den Anruf erhielt die Brille sei dort gestrandet, liess mir erneut die Adresse geben und fand eine Privatkundenschliessfachabteilung der Post die selbst die Stadtinformation die ich zuvor um Hilfe gebeten hatte nicht kannte. Dort angekommen hielt der Angestellte es fuer ausgeschlossen das hier eine Brille fuer mich angekommen sei, ich war allerdings zu allem bereit, bat darum Erkundungen anzustellen und beschloss die Schliessfachabteilung in Zweifelsfalle nicht vor Schliessung der Filiale zu verlassen.

Nach 5 Minuten bekam ich mein Paeckchen ueberreicht. Es ist vollbracht! Ich schlendere zurueck auf die Strasse, suche mir eine schoene Bank aus, oeffne den Umschlag des Hostels in Sydney, in dem der Umschlag meines Kumpels steckt der mir die Brille uhrspruenglich geschickt hatte, in dem das Etui von Fielmann steckt, in dem sich meine Brille befindet… Guten Mutes lege ich das Brillenetui vor mich auf die Bank, oeffne zur Feier des Tages eine Flasche Dietcoke der Marke “Coles-Hausmarke” und klappe das Brillenetui auf. Endlich! Ich setze die Brille auf und nur die Tatsache das ich schon sitzte verhindert das ich umfalle. Amateure! Bin ich nur von Dilettanten umgeben? Was war passiert?

Ich suchte den naechsten oertliches Brillengeschaeft auf um Klarheit zu bekommen. Alleine der Anblick der beiden Brillenglaeser sollte einem Optiker Kopfschmerzen bereiten. Hatten die Fielmaenner es doch tatsaechlich fertig gebracht ein Glas in Minus-Staerke fuer Weitsicht und eines in Plus-Staerke fuer Nahsicht in ein und denselben Rahmen einzusetzen ohne das das irgendjemandem aufgefallen war. Es ist zum heulen. Inzwischen waere es durch das viele Warten, die Unkosten fuer Fahrt, Telefon, Hostels usw. drei mal billiger gewesen eine Brille hier erstellen zu lassen aber die Tatsache das es jedes mal danach aussah als wuerde ein Happy End unmittelbar bevorstehen hatte ich keine Lust 300 Euro zu investiren. Nun wird mir aber garnichts anderes uebrich bleiben ca. 80 Euro in ein neues Glas zu investieren. Bei Fielmann zeigt man sich betroffen. Kann ja auch alles mal passieren. Die Frage ist, warum ausgerechnet bei mir? Das groesste Problem ist nun das ich, da die Ankunft der Brille sicher schien, fuer morgen einen Zug nach Milbura gebucht habe wo ich fuer Mittwoch einen neuen Job angenommen habe. Und nun bin ich immer noch blind. Hoffentlich geht das gut.

Kommentare zu diesem Artikel:

  • Uli

    schrieb am 13. Juni 2010 um 06:42 Uhr:

    Hi Tobi,
    netter erster Reisebericht aus Australien…zja, was soll man zu der Brillenstory sagen? wenn nicht dir, wem sollte so etwas dann passieren? Nimm es locker, auch das wirst du überstehen. minden lässt dich grüßen, u.a. Kerstin, Riker, Ingo, Dietmar H., Gerd S. und einige andere, mit denen ich in der letzten Woche gesprochen habe ;-)

  • Sabrina Scheffer

    schrieb am 14. Juni 2010 um 19:42 Uhr:

    Hi mein großer! :D

    Falls du zufällig in deinem Australienaufenthalt nach Geelong kommst, ich hab Verwandte dort, kannst sie ja mal nett von mir grüßen;)
    Bin schon ganz aufgeregt, wenn du erst mal in Asien ankommst, das wäre auch mein Traum…
    Alles gute weiterhin, lass dich von niemandem ärgern (schon gar net von Behörden, ämtern und ähnlichen Ballerburgen… ;) !

    liebste Grüße, Sabrina

  • Jan

    schrieb am 15. Juni 2010 um 07:50 Uhr:

    Hey Tobi!

    Das war ja mal wieder typisch, mit der Brille und dem Unterwasser-Zelt. ;o)
    Aber wem nix passiert, dem passiert auch nix. Gell.
    Drücke dir die Daumen für deinen Job, auch ohne Sehhilfe. Hätte auch nicht erwartet, dass es so teuer sein kann ”ohne Geld” zu reisen. :o (

    Wünsch’ dir jedefalls noch ne schöne Zeit in dem roten Land.
    Jan

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