Kategorie: 7 Thailand

Aug 5 Das 0 Euro Budget….

2 Tage Kuala Lumpur erkunden mit den Mädels. Dann wieder alleine weiter. Gefaelschte Breitling kaufen, in Little India und Chinatown auf Shoppingtour gehen. Von Kuala Lumpur zurueck nach Thailand. Krabi. Ko Phi Phi Islands. Von dort mit der Faehre nach Phuket. Seegang. Man hab ich gekotzt!

Wenn Thailand das Bordell Suedostasiens ist, dann ist Phuket die Zentrale. Eine schlechte Idee alleine als Mann dort unterwegs zu sein. Ueberall Frauen. Junge Frauen, wunderschoene Frauen. Ein paar Ladyboys. Eine verrückte Stadt. ……Ohne Worte.

Von Phuket geht am 27. Juli mein Flieger zurueck nach Deutschland. Angekommen in Muenchen ein Kulturschock. Keine TuckTuckfahrer die mich um die naechste Ecke fahren moeochten, keine Leute auf den Buergersteigen. Keine Ratten, kein Muell, kein Gehupe. Ein fast schon steriler Muenecher Vorort. Ein paar Nobelkarossen stehen links und rechts der Strasse. Die Hecken sind ordentlich gestutzt, hier und da ein paar Plattenbauten. In der Ferne hoert man einen Rasenmaeher…

Mit mir ist Victoria, die ich ueber Couchsurfing getroffen habe, und die mich fuer eien Nacht in Munechen aufnimmt. Sie holt mich von der S-Bahn ab. Ich bekomme eine Stadtfuehrung bei Nacht und am naechsten morgen ein traditionelles Weisswurstfruehstueck. Natuerlich oute ich mich als absoluter Laie: “Wie, man muss die Pelle da abmachen?”

Am naechsten Tag gehts weiter mit der Bahn nach Minden wo ich 3 Tage bei meinen Freunden unterkomme. Natuerlich wollten alle wissen wie es jetzt weitergeht. Jobtechnisch, Karrieremaessig, wo ich wohnen werde… Ich beschloss mich zuerst wichtigeren Dingen zu widmen, Kleinanzeigen in Zeitungen zu durchwuehlen, und nach einem neuen Fahrrad Ausschau zu halten. Ich wollte naehmlich nochmal los. Mein Reisebudget ist nun komplett aufgebraucht, so dass ich die nun folgende Reise “Das 0 Euro Budget” getauft habe…

Geld verdient wird mit jonglieren, ich habe ja nun ein Jahr lang Zeit gehabt meine bescheidenen Jonglierkuenste zu verbessern. Geschlafen wird nur noch Wild, in Vorgaerten netter Leute und bei Couchsurfern. Soweit der Plan. Nicht drueber nachdenken, einfach machen.

Als mein Kumpel und ich das gebrauchte Fahrrad abholen fuer das ich mich entschieden habe, und ich eine Probefahrt mache, wird Alex gefragt ob ich Student bin. Er ueberlegt kurz, antwortet dann: “Naja, der ist so ziehmlich alles”. Besser haett ichs auch nicht in einen Satz packen koennen. Das Fahrrad ist gekauft.

Weil ich ein aengstlicher Mensch bin stecke ich mir 50 Euro ein. Die werden schon reichen. Die erste Nacht gehts bis nach Bielefeld. Der Weg dorthin ist teilweise eine Katastrophe. Wenn es keine ausgebauten Fernradwege gibt ist man oft aufgeschmissen. So stehe ich z.B. in Enger, was nur 14km von Bielefeld weg ist und suche verzweifelt nach einer fuer Fahrraeder befahrbaren Strasse. Egal welchen Feldweg man einschlaegt, man landete auf der Schnellstrasse mit den Fahrradverbotsschildern. Wenn ich die Leute um Rat frage komme ich mir vor als wuerde ich fragen wos nach Nowosibirsk oder Pusemukel-Sued geht.

Nach Bieeeeeelefeld? Mitn Raaad? Neee. Sie stelln ja Fragen..

Nein Nein Nein. Ach Gotchen…

Was will er? Nach Bielefeld? Mitn Fahrrad?

Letztendlich komme ich an. Auch hier finde ich ueber CS schnell eine Unterkunft. Erika und ihr Freund nehmen mich auf und ich bekomme noch ein leckeres Abendessen und Fruehstueck. Ein netter Abend, zwei nette Menschen und am naechsten Tag gehts nach dem grossen Regenschauer schon wieder weiter…

10 Euro sind bereits fuer Essen und Trinken drauf gegangen. 40 Euro ueber. So langsam sollte ich anfangen zu jonglieren. Mein Kopf sucht nach Ausreden: “Ne, hier kennen dich zu viele Leute, Minden ist nicht weit, hier willst du nicht jonglieren.” Ich frage mich ob ich meine Idee wirklich in die Tat umsetzen kann. Ich fahre nach Guetersloh. Hier kennt mich niemand. Wider fallen mir Ausreden ein: “Du bist zu muede, es ist schon spaet und du hast noch keine Unterkunft.” Und so weiter… Ich weiss, wenn ich heute nicht jongliere, dann mache ich es garnicht. In der Trauemerei sieht es so einfach aus….

Mein Opa, der mich vor einem Jahr ab und zu beim Ueben beobachtet hat hat immer gesagt: “Das ist doch brotlose Kunst”. Na mal sehen obs fuern Broetchen vom Vortag reicht…

Also, Fahrrad aufgebockt, Baelle rausgeholt, und los gehts. Die Kinder kommen sofort, der Hut fuellt sich schnell, 20 Cent, 50 Cent, 2 Ein-Euro-Stuecke. Nicht nur Kinder, auch aeltere Frauen, Maenner, Jugendliche, ganz verschiedene Leute suchen das Gespraech, gucken zu, sind neugierig. Nach knapp einer Stunde sind 5 Euro im Hut. Nicht schlecht fuer die erste Stunde. Fuer eine nicht volle Fussgaengerzone um 18:00 Uhr. Nun muss ich aber wirklich los, ich habe noch keine Uebernachtungsmoeglichkeiten, ich freue mich ueber das verdiente Geld und breche aus der Stadt auf in die Feldmarkt. Am meisten freue ich mich das ich meine Idee tatsaechlich in die Tat umgesetzt habe. Jonglierend durchs Land ziehen und von dem was der Hut hergibt leben.

Irgendwann ein Bauernhaeuschen, 2 alte Kumpels sitzen davor und trinken ihre Bierchen. Ich frage nach einer freien Wiese oder einem Feld fuer ein Zelt und bekomme sofort den Garten angeboten. Der Abend mit den beiden ist lustig. 2 Freunde wie sie unterschiedlich nicht sein koennen. Einer war frueher ein Maler, ein Arbeiter, ein einfacher Mensch, der andere Kriminaloberkommisar. Der Kriminaloberkommisar hoert sich meine Geschichte an und ist skeptisch. Er haelt nicht viel davon. Kein Plan fuers Leben. Traeumerei. Unfug.

Der andere kontert: “Lass ihn doch, ich find das gut. Ich find das Klasse. Konnten wir doch frueher nicht. Lass doch die Jugend. Guck dich doch an. Was haste erreicht? Nix. 3 Frauen. Alle Weg. Unzufrieden biste. Du hattest doch nur deinen Job gehabt. Was nuetzt dir dein Geld? Nix haste.” “Halt doch den Mund” kontert der Oberkommisar. Ich versuche zu schlichten: “Wichtig ist doch, das man Gluecklich ist. Menschen koennen doch auf so unterschiedliche Weise gluecklich sein”.

Der Frieden waert nicht lange, die beiden sind in tiefen Grundsatzdiskussionen ueber Gott und die Welt vertieft. Nicht weil es einem der beiden wirklich ernst ist, sondern weil zwei angetrunkenen aelteren Herren gerne nur aus Prinzip diskutieren…

Am Ende des Abends geht der Oberkommisar der hier nur zu Besuch war nach Hause. Den ganzen Abend stand er meiner Reise sehr skeptisch gegenueber. Nun ist er es, der mir 5 Euro in die Tasche steckt. “Fuer die Reisekasse”. Bei all seiner Scharfsinnigkeit und Rationalitaet die er den ganzen Abend an den Tag gelegt hat, der Abschluss hatte keine Logik…

Ich gehe ins Zelt, der Hausbesitzer hat mich fuer den naechsten Morgen zum Fruehstueck eingeladen. Auch der Oberkommisar kommt wieder. Er bringt frische Broetchen mit…… Hat sich schon um 6 in die Kueche gestellt und mir Eier gekocht, hat am Jibbimarkt angehalten und Lachsschinken gekauft. Ich werde nicht gehen gelassen bevor ich mir noch ein Lunchpacket fuer den Tag geschmiert habe. Und dann gibts noch Tomaten…

Nun aber los. Auf nach Muenster. Der Weg ist weit, der Radweg weiter. Durch schlechte Beschilderung fahre ich Umwege. Auch heute mache ich 80km. Ich komme spaet an, es regnet. Ich finde kein Internetcafe. Letztendlich gelingt es mir ein paar Leute wegen einer Uebernachtunsgmoeglichkeit zu kontaktieren. Am Ende meldet sich Britta und holt mich vom Hauptbahnhof ab.

Ich lerne ihre WG kennen. Eigentlich ist sie seit 2 Stunden mit Freunden zum Essen verabredet, also werde ich einfach mitgenommen. Es ist Donnerstag. Irgendwo steht noch eine Studentenparty an – es sind ja Semesterferien. Ich werde mitgenommen, wieder ohne Voranmeldung. Auf Studentenpartys macht das nichts. Jeder der noch reinpasst kommt rein. Um 4 Uhr morgens liege ich nur noch in meinem Kuechenstuhl. Ich war den ganzen Tag auf dem Radl, war schon bei Ankunft in Muenster hundemuede. Die anderen wollen noch in die Disco. Mir wird der WG-Haustuerschlussel ueberreicht und ich falle gegen 4:30 ins Bett. Die anderen kommen nicht vor Sonnenaufgang. Was fuer ein Studentenleben!

Das Fruehstueck am naechsten morgen zieht sich hin, Britta hat andere Studentinnen und WG-Bewohner eingeladen…Um 13 Uhr breche ich auf. Heute moechte ich in Muenster jonglieren. Um 14 Uhr unternehme ich den ersten Versuch. Resultat: 7 Euro in einer Stunde. Das kann sich doch sehen lassen. Ich stoppe und schaue mir die Stadt an. Den Schlossgarten, das Schloss, den Botanischen Garten. Dann begebe ich mich erneut zum jonglieren. Der Spot ist schlecht. 2,50 Euro landen zwischen 17 und 18 Uhr in meiner Muetze, aber auch das ist Geld.

Muenster gefaellt mir gut. So unglaublich viele junge Menschen. Eine lebendige, froehliche, perfekte Studentenstadt. Ich ueberlege erneut hier zu uebernachten, breche dann aber doch schon auf. Grobe Richtung: Dortmund. Da ich erst nach 18 Uhr aufbreche habe ich nicht mehr viel Zeit zu radeln. Ich fahre am Dortmund-Ems-Kanal entlang und finde ein kleines Bauernhaeuschen bei dem ich nach einer Uebernachtungsmoeglichkeit frage. Auch hier klappt alles auf anhieb. Mein Zelt steht zwischen Holzstapeln und Traktoren.

Notgroschen: 50 Euro

Davon derzeit angebrochen (Stand 5 August) 3 Euro

Uebrig: 47 Euro

Jul 25 Fotos aus Thailand und Malaysia…