Kategorie: 2 Eine Deutschlandreise

Sep 23 Neue Fotos von Görlitz bis Dresden

So, nach langem warten habe ich keine Kosten und Mühen gescheut (Vor allem Mühen – Internet gibts hier gratis) um Euch 43 neue Fotos zu präsentieren und Euch ein paar Zeilen zu schreiben:

Von Weißwasser, wo ich eine Nacht bei Robert (bei dem ich zuvor mein Fahrrad untergestellt hatte) im Garten übernachtete, ging es über Rothenburg nach Görlitz. Hier übernachtete ich in einer Jugendherberge. Es ging weiter nach Zittau, wo ich bei dem Couchsurfer Tim und seiner WG sehr nett aufgenommen wurde. Nach einer bequemen Nacht im Hochbett eines nicht anwesenden WG-Mitgliedes ging es weiter über das Drei-Länder-Eck Polen-Tschechien-Deutschland an der Neiße entlang nach Liberec(CZ). Ich folgte der Neiße weiter bis zur Quelle in Nova Ves Nad Nidsou tief im Isergebirge.

Spätestens da wurde mir klar: mein Radl ist Schrott, Schrott, Schrott! Und der Kinderanhänger im Gebirge eine ganz dämliche Idee.

Zurück nach Deutschland gings über den Olbendorfer See nach Zittau, und von dort durch die Oberlausitz nach Pirna. Bei Neukirch klingelte ich eines Abends beim 87 Jahre alten Johannes und seiner “Mutti”, um um Erlaubnis zu bitten, mein Zelt für eine Nacht im Garten aufzustellen.

Wie der Zufall es will – Johaness war gelernter Autoschlosser und ließ es sich nicht nehmen mir in wenigen Stunden aus ein paar DDR-Restbeständen ein perfektes neues Tretlager zu bauen. Denn: “Mit dem Ding kommste keine 10 Meter mehr”. Da hatte er wohl Recht. Auf die Aussage, ich hätte ja zufällig am richtigen Haus geklingelt meinte er nur: “Der Mensch denkt, der Herr Gott lenkt”.

Am nächsten Tag fuhr ich gestärkt, mit neuem Lager und Provianttütchen in den sonnigen Montagmorgen. Nach einer Nacht in Pirna radelte ich nach Dresden. Hier ruhe ich mich nun 3 Tage aus um mich aufs Wandern vorzubereiten….

Sep 10 Berlin->Brandenburg->Sachsen

Aus Berlin verabschiedete ich mich durchs Frankfurter Tor und fuhr die B1/B5 richtung Frankfurt Oder hinaus…

Da mir kein ausgeschilderter Fernradweg in der Richtung bekannt war, wollte ich so mein Glück versuchen. Das klappte bis zu der Ortschaft “Hoppegarten” sehr gut. Dann verwandelte sich die Bundesstraße zur mehrspuhrigen Rennpiste ohne Radweg, so das ich dann ins Grüne abbog und kreuz und quer über Land meinen Weg nach Frankfurt machte, und dabei gleich noch die Märkische Schweiz entdeckte :-)

In Waldsieversdorf hat mir dann ein Affe – es war eine Meerkatze mit affinität für glitzernde Objekte und gleichzeitig Haustier im Minizoo meines Zeltplatzes – meine Brille geklaut, Bügel und Gestell umjustiert und dann aufgesetzt. Klasse. Mit dieser Brille ist es wie verhext.

In Frankfurt Oder habe ich meine Digitalkamera runtergeschmissen so das die 6. Woche leider ohne Bilder auskommen muss. (Nächste Woche ist Kamera wieder ganz) Dafür schreib ich Euch aber auch ein bisschen :-)

Von Frankfurt oder fuhr ich nach Polen (Sublice) weil auf deutscher Seite dort ein Campingplatz ausgeschildert ist. Leider wurde er vor 15 Jahren zu einem Golfplatz umfunktioniert. Ein Pole dazu sichtlich amüsiert “Campen können Sie hier zwar nicht, aber wenn Sie vielleicht Golf spielen lernen möchten”?

Wieder zurück in Deutschland habe ich das erste Mal völlig Wild zwischen Wiese und Maisfeld gecampt. Darauf die Tage ging es an der Oder entlang zur Oder/Neiße-Mündung und von dort an an der Neiße die von dort an Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen ist entlang.

Beeindruckt hat mich Eisenhüttenstadt. Hier lief es mir wirklich eiskalt den Rücken hinunter. So etwas habe ich noch nicht gesehen, und so etwas hätte ich mir in Deutschland auch nicht mehr vorstellen können:
Als Planstadt in der DDR aus dem grünen Rasen gestampft, um wie der Name schon sagt, Eisen zu verhütten, liegen heute ein Großteil der Plattenbauten -und damit der Stadt- brach. Einige Bautten befinden sich im Abriss, bei einigen Häusern hängen noch in einer einzigen von 60 Wohnungen Gardienen und Blumen. Verfall, Glatzen, verbitterte Leute.

Weiträumige leere Straßen, alles grau in grau, Leerstehende Industriehallen. Nur die Wohnungsverwaltung geht mit gutem Vorbild vorran und restauriert eine schöne alte Villa für ihre Angestellten.

Kein Wunder das diese Stadt in den letzten 7 Jahren mehr als 20% ihrer Einwohner verloren hat. Nochmal 20% der Einwohner sind arbeitslos – und selbst diese Zahl ist noch “geschönt”. Von 25.000 Menschen im erwerbstätigen Alter sind 2004 nur ca. 11.400 Bewohner einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen. (Das sind 50%!!!!!) Der Rest geht 1-Eurojobs, ABMs und 400-Eurojobs etc. nach oder befindet sich in Zwangsdiensten oder Maßnahmen. Nur stolze 249 Kinder haben hier im letzten Jahr das Licht der Welt erblickt, die meisten Mütter waren dabei alleinlebend. (Quelle: Aktionskreis Montagsdemo Eisenhüttenstadt)

“Platzeck kommt” steht auf den vielen Wahlplakaten der SPD. Ohwei. Ich stelle mir grade vor wie ein wütender Mob mit Besen und Glasflaschen Richtung Tribüne zieht… ;-)

Denn die Leute aus “Hütte” lassen sich nicht verarschen. Seit 5 Jahren demonstrieren sie jeden Montag gegen Hartz 4 und ihre Lebensbedingungen. Seit 5 Jahren!!! Das sind hochgerechnet ca. 260 Demos!!!!

Nagut, ich war an einem grauen regnerischen Sonntag Nachmittag da, vielleicht habe ich die Stadt deswegen besonders trist wargenommen, aber ich glaube das Wetter passte ganz gut zur Stimmung in der Stadt.

Sehenswert war jedoch das Museum für DDR-Lebenskultur! (Untergebracht in einer ehemaligen und “liebevoll restaurierten” Kindertagesstätte) Hier wurde die DDR lebendig, und man kann nachvollziehen warum viele Menschen heute in eine Ostalgie verfallen. Das Museum zeigt die DDR nicht aus politischer, sondern aus menschlicher, alltäglicher Sicht.

Nur 7km entfernt und in absolut krassem Gegensatz zu “Hütte” stand das Klosterdorf Neuzelle. Ein Häuschen schicker als das andere, ein von der EU geförderte Sanierung des Klosters und der hübschen Barockgärten, idyllisch! Ich übernachtete beim Restaurant “Zickenzeller” neben dem Ziegengehäge auf einer Zeltwiese :-)

Weiter an der Grenze an dem Ort Grießen vorbei stieß ich auf ein Hinweisschild zum Tagebau Jänschwalde. Das musste ich mir genauer anschauen. Ich strampelte mich in der Hoffnung dort etwas hineinschauen zu können an der Bundesstraße entlang und tatsächlich: Vattenfall Europe hat eine Aussichtsplattform aus dem Boden gestampft und betreibt dort eine Aufklärungskampanie über den Abbau, die Rekultivierung, und die Verstromung von Braunkohle.

In Forst (Lausitz) wurde ich auf das Archiv der verschwundenen Orte aufmerksam, und beschloss es zu besuchen. Dort sind alle Orte dokumentiert die durch den Tagebau in der Region verschwunden sind.

Untergebracht ist das Archiv ironischerweise in Horno, welches wiederrum eines dieser verschwundenen Dörfer ist, das aber als eigensändiges Dorf innerhalb der Stadt Forst wiederaufgebaut wurde. Ein wirklich interessanter Besuch.

“Der Teufel hat die Kohle in die Erde gelegt als der liebe Gott die Lausitz erschaffen hat”, sagen die Leute hier. Irgendwie tragisch: So gibt die Kohle den Leuten gleichzeitig Brot und Geld und frisst doch nur ein paar Jahre weiter ihre eigenen Häuser auf.

In Forst habe ich noch den Ostdeutschen Rosengarten besucht, für 1,50 mogelte ich mich als “Student” in den Garten und war überwältigt von der Anzahl verschiedener Züchtungen. Sogar Heidi Klum hat eine eigene Rosensorte. Hätten Sies gewusst?

Von Forst gings dann nach Bad Muskau. Ich erreichte also sächsisches Gebiet und damit mein 7. Bundesland. Ich besuchte den Pücklerpark Bad Muskau, der nicht nur Weltkulturerbe der UNESCO ist, sondern sich auch über 2 Länder, nämlich DE und PL erstreckt.

Von dort radelte ich nach Weiswasser, ließ mein Fahrrad und Anhänger bei einem netten Hausbesitzer im Keller einschließen, und kaufte eine Bahnfahrkarte nach Hause. Ende? Nein Pause. Meine Schwester heiratet übermorgen, und danach gehts sofort zurück und weiter die Neiße entlang….