Kategorie: 3 South Africa

Okt 14 Neue Kreditkarte, neue Kamera!

Meine Kreditkarte ist da, ich habe wieder Geld. Morgen gehts deshalb in die Soweto-Townshio, aber mit einem lokalen Guide. Freitag gehts mit dem Bus in die Drakensberge, das hoechste Gebirge Suedafrikas… Dann hoffentlich auch mit ein paar Fotos fuer Euch…

Okt 12 The real “welcome to africa” experience

Ich habe Euch im letzten Eintrag gar nicht geschrieben wie ich nach Johannesburg gekommen bin und wollte das kurz nachholen:

In der Sächsischen Schweiz wurde es mir zu ungemütlich und ich bin über Dresden nach Minden gefahren, wo ich mein Fahrrad und Anhänger bei Freunden unteregestellt habe.

Bei Emirates habe ich spontan für 460 Euro einen Flug von Düsseldorf über Dubai nach Johannesburg gebucht. Inklusive Zug zum Flug. Schnäppchen. An Board gab es ein 3-Gänge Menü vom feinsten.

Über dem Irak bestellte ich mir eine Coke “on the Rocks” und begann über den Sinn und Unsinn des Lebens zu philosophiere:. Ich kam zu keinem schlüssigen Ergebnis.

Das ICE – das Information, Communication and Entertainmentsystem an Board – war einfach zu verlockend. Nach einer Runde Pingpong am LCD-Bildschirm im Sitz entschied ich mich zwei neue Kinofilme, Ice Age und Pelham 123, anzusehen, und lauschte im CD-Archiv Liedern von Herbert Grönemeyer und Nena. Zwischendurch switchte ich immer wieder zwischen mehreren Außenkameras die am Flugzeug angebracht sind hin und her und versuchte nebenbei eine E-Mail an Freunde am Boden zu schreiben. Was heute nicht alles möglich ist.

Morgens um 6 Uhr Schlange stehen in Dubai. Beeindruckender Airport. Man denkt hier grundsätzlich in größeren Dimensionen.

Am Flughafen in Südafrika angekommen wurde ich vom Herbergsvater in einer alten babyblauen Schrottmühle abgeholt, die weder Blinker noch Anschnallgurte besass, aber trotzdem einen gewissen Charme ausstrahlte. ”Wer keine Anschnallgurte im Auto hat, der muss sie hier auch nicht anlegen.” versicherte mir Herbergsvater Bob.

Vom Flughafen fuhren wir zum Hostel das etwa 10 Minuten vom Flughafen, aber noch 25km von Johannesburg wegliegt. Wir blicken vom Highway aus auf die Skyline der Stadt und Bob meint “Das ist genau die richtige Entfernung aus der man die Stadt besichtigen sollte – traurig aber war”. Das GP in den Nummernschildern stehe auch nicht für die Provinz Gauteng, sondern für “Gangsters Paradise” meint er. Die Stadt solle ich nicht besuchen, und er rät mir auch ab geführte Touren zu buchen.

Einheimische nennen ihre Stadt hier übrigens liebevoll  “Shithole”.

Naja, den nächsten Morgen erwachte ich in meinem von Gitterstäben umgebenen Jugendherberge in einem weißen Vorort und wollte doch nun irgendwie ein “Feeling von der Stadt” mitbekommen. Die meisten Reiseführer waren dagegen. Irgendwie fand ich es aber komisch eine 3 Millionen Einwohnerstadt vor mir zu haben, und sie nicht besuchen zu können.

Die geführten Touren diverser Veranstalter fand ich ziemlich doof, und sie kosten ein Vermögen. Es gibt sogar Touren die in die Townships, sozusagen die Gettos von Johannesburg führen. Man darf dort mit armen schwarzen Kindern lustige Fotos fürs Fotoalbum machen und ein echtes Township-Haus von innen angucken. Noch krassere Touranbieter bieten “alternative Touren” zu “echten Gangstern” an. Das war mir alles etwas zu affig. Und ich hatte den Wunsch eine echte, authentische Stadt kennen zu lernen.

Trotz mehrerer Warnungen fuhr ich also mit einem total überladenen Minibus nach Johannesburg. Authentisch war mein Erlebnis dann allerdings. Nach einem wirklich eindrucksstarken Tag auf eigene Faust befand ich mich im Johannesburger Stadtpark und wollte gerade zurück zum Bus als es geschah: Eine Person sprang in meinen Nacken, ich fiel rückwärts zu Boden und mein Kopf wurde fixiert. Vier andere Gangmitglieder rissen alles an sich was sie für wertvoll erachteten. Bauch, Socken und Beine wurden nach Verstecken abgetastet. Digitalkamera, Handy und Geldbörse inkl. aller Papiere wanderten in deren Besitz. Bevor ich realisierte was passiert war waren sie auch schon wieder weg. Insgesamt vielleicht 15 Sekunen. Ich stand auf und ging Kommentarlos weiter, während ca. 50 Leute um mich herum auf mich starrten. Zurück blieb ein kleiner Kratzer am Hals und ein bisschen Kopfschmerzen am nächten Tag. Und eins kann ich Euch sagen: Es war total authentisch!

“Wow, how many did you pay for that experience” fragte ein britisches Mädel später amüsiert.

Südafrika ist eben kein Kinderspielplatz, und auch kein Ponyhof. Meine naive Einstellung “Sei immer nett zu den Leuten, dann sind sie auch nett zu dir” geht hier nicht auf. Und der Zwischenfall kostet mich eine Menge Zeit und Papierkram. Alleine heute habe ich 1,5 Stunden in Deutschen, Canadischen, und Südafrikanischen Callcenterwarteschleifen gehangen. Nur für die Kreditkarte. Das kann teuer werden…

Da ich glücklicherweise kaum Bargeld mit mir hatte (Für den Fall der Fälle) hatte ich erst einmal genug Bargeld und fuhr 4 Tage auf Safari in den Kruger Nationalpark.

Wir hatten einen unglaublich guten Guide der jedes Tier 500m gegen den Wind riechen konnte, und so haben wir alle Big 5, und viele andere beeindruckende Tiere gesehen. Elephanten, Leoparden, Löwen, Büffel, Giraffen, Zebras, Hippos, Krokodile, Schlange, Hyänen, Affen, Nashörner, Adler und andere beeindruckende Vögel. Es war wirklich toll.

Sogar einen Jagdversuch von einem Löwenweibchen auf ein Palla, und das verzehren einer Giraffe durch ein Löwenrudel konnten wir miterleben. (Die arme Giraffe!)

Übernachtet wurde in zwei unterschiedlichen Camps im Krugerpark. Um 5:30 ging es bei Sonnenaufgang los, und ein langer Tag lag vor uns.

Frauen in traditionellen Gewändern servierten am ersten Abend leckeres Essen, ein großes Feuer wurde angezündet, direkt vor uns der wilde Busch. Dann passierte etwas tolles: Bereits alle Besucher und Übernachtungsgäste waren schlafen gegangen, und ich saß mit einem polnischen und einem griechischen Mädchen am Lagerfeuer. Ein weißes zum Camp gehörendes Mädchen hatte Geburtstag und die schwarzen Hausangestellten brachten nun einen großen Kuchen und versuchten auf English Happy Birthday zu singen was relativ scheiterte. Nach zwei Strophen wurde auf Afrikaans umgestellt. Plötzlich kamen zwei junge Schwarze mit 2 großen Wassereimern und versuchten sie zu übergießen, wurden aber zuerst von anderen Angestellten abgehalten. Plötzlich geschah es, sie war klitschnass. Und dann startete ein total wirres Gerangel und die Lodge-Terrasse verwandelte sich in ein Schlachtfeld. Jeder versuchte jeden in den hauseigenen Pool zu befördern, die Frauen schnappten sich alles was sie finden konnten und trommelten auf Trommeln, Kochtöpfen, Tischen wilde Melodien und begannen traditionelle afrikanische Gesänge zu singen. Schuhe und Stühle flogen, und es herrschte ein heilloses Durcheinander. Dann kam der “Hospitality and General Manager “ und ich dachte “Schade, jetzt gibt’s bestimmt Ärger”

Er kam, hob 1-2 umgestürzte Stühle auf, guckte auf uns immer noch dasitzende Gäste, und wurde bevor er gucken konnte von einem Dutzend Leute in den Pool geworfen, worauf eine zweite “Wellte der Verwüstung” die Lodge erfasste. Servierten und mühsam ausgerichtete Gedecke auf den Tischen wichen einer Wasserschlacht. Wir fanden es beeindruckend.

Nun bin ich wieder in Johannesburg und werde hier ein paar Tage bleiben müssen bis der Papierkram erledigt ist und ich eine neue Kreditkarte habe. Dann geht es mit dem Baz-Bus, einem Bus der nur von Touristen für Überlandtransporte genutzt wird weiter in die Drakensberg Mountains.

Südafrika ist kein billiges Reiseland, da sind sich die meisten Backpacker hier einig. Grade der Transport, aber auch Touren und Unterkünfte sind teuer geworden. Der Transport vor allem deswegen, weil günstige alternativen fehlen und man oft gezwungen ist auf Touristentransportmittel umzusteigen. Viele Bahnstrecken sind in den letzten Jahren stillgelegt worden, das selbe gilt für Buslinien.

Minitaxis – das sind oft Toyotas, etwas kleiner als VW-Busse, mit denen die lokale Bevölkerung transportiert wird- sind zwar sehr billig, aber in dieser Region nicht sinnvoll. Die Kriminalität in und um Johannesburg explodiert derzeit, weil täglich tausende Leute aus Namibia, Simbabwe und Mosambik über die Grenzen gelangen, in der Hoffnung hier ein besseres Leben zu führen. Fast alle zieht es nach Johannesburg, und dort gibt es keine Arbeit.

Heute interessantes aus den Nachrichten:

Ein Mann ist verurteilt wurden weil er ein 13 Jahre altes Mädchen für ein paar Rand von der Mutter gekauft und dann vergewaltigt hat.

Ein Mann der seine Schwiegermutter umgebracht hat ist ein Tag nach Verurteilung Multimillionär durch spielen in der Lotterie geworden und weiß nun nicht was er die nächsten 20 Jahre im Knast damit anstellen soll….

Und: Wieder sind 2 Minibusse in Johannesburg von der Straße abgekommen. Jeweils 10 Tote. Wie können wir die Straßen endlich sicherer machen?

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Kreditkartenbeschaffung: Der Notfallservice der Mastercard ist der Horror. “Innerhalb 48 Stunden bringen wir Ihnen eine neue Karte in fast jede Ecke der Welt” heißt es auf der offiziellen Webseite. Johannesburg ist eine 3-Millionen-Stadt, aber man hat noch nicht einmal eine genaue Idee wie lange es dauern könnte eine neue Karte zu senden, hofft aber auf Mittwoch Abend.

Es gibt 2 Notfallnummern: Eine für Notfallbargeld, eine für eine “Emergencycreditcard”.

Ich hatte gehört das man mit der Notfallcreditkarte kein Bargeld an ATMs und nur in wenigen Banken abheben kann und das sie nur max. 3 Monate gültig ist, wollte also eine Menge Bargeld abholen und sie sofort in versicherte Travellerchecks umwandeln.

“Nein, kein Problem”, hieß es in der canadischen Telefonhotline die mir von einer amerikanichen Dolmetscherin nach Südafrika in einer Konferenzschaltung mit dem deuschen Mastercardservice übersetzt wurde, “einfach Ausweis mit Lichtbild vorzeigen dann bekommen Sie in jeder Bank Geld, und es ist kein Problem damit 1 Jahr zu reisen.”

Daraufhin reduzierte ich den Betrag des Notfallbargeldes was nur ein Mal kostenlos abgerufen werden kann auf 200 Euro und ging schlafen. Um 2 Uhr Nachts(!!!!!!!!!!) weckte ein gut gelaunter Operator die ganze Jugendherberge auf, weil er versuchte hier anzurufen. Als das Telefon 30 Minuten ununterbrochen klingelte ging die Herbergsmutter stocksauer ans Telefon und ich wurde aus dem Schlaf gerissen. “Herr Bullert, tut mir leid für die Störung, aber ich habe nur noch ein Zeitfenster von 15 Minuten, sie müssen sich schnell entscheiden, sonst verfällt der ganze Auftrag. Die Karte kann maximal 3 Monate gültig sein uns sie werden damit kein Bargeld abheben können. Wollen Sie sie trotzdem? Sie können auch eine richtige Karte bestellen aber das dauert länger. Außerdem können wir dann keine Notfallkarte mehr beantragen, und wir sind dann nicht zuständig, sondern ihre Bank.”  “Waaaaaaaaaaas?”

Total verschlafen wusste ich gar nicht mehr was ich sagen sollte. Ich wollte den Auftrag nicht verfallen lassen, den ich hatte 1,5 Stunden in teuren ausländischen Callcentern verbracht. Also sagte ich er soll sie trotzdem bestellen. Was das kostet, konnte er mir nicht sagen. Hoffentlich werde ich in den nächsten 3 Monaten irgendwo länger verweilen, so das es möglich ist die “Emergencycreditkarte” zu sperren und mir dort eine echte neue Kreditkarte zu bestellen. Und hoffentlich finde ich genug Banken die mir mit der Notfallkreditkarte Geld auszahlen. Was für ein absolut beschissener beschissener Service!

Immerhin konnte ich bereits heute mein Notfallbargeld von einer Bank in der Vorstadt Edenvale abholen. Klappte relativ gut. Etwas unsicher fühlte ich mich dann doch, aber Bob versicherte mir die 7km zur Bank wären “absolut safe”. Ein bisschen verstehe ich jetzt die “Angst vorm schwarzen Mann” und die allgemeine aufkeimende Xenophobie die hier in den Vororten grassiert. Ich bin heute heile wieder im Hostel angekommen und habe sogar eine neue Digitalkamera für umgerechnet 120 Euro erstanden. Eine billigere und einfachere war nirgends zu finden…