Kategorie: 1 Vor der Abreise

Jun 2 Was zur Hölle mache ich hier eigentlich?


Berechtigte Frage oder ;-) ?
Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung. Ist es normal das man, wenn man das Ziel vor Augen hat beginnt erneut zu zweifeln? Ob das alles hier überhaupt richtig ist? Irgendetwas ändert? Irgendetwas bringt?

Da ist diese Sehnsucht, dieser Traum! Dabei bin ich derzeit ein relativ ängstlicher Träumer. Ängstliche Träumer sind doppelt bestraft. Sie stehen im sicheren Hafen des Lebens und suchen doch den ganzen Tag sehnsüchtig den Horizont nach Schiffen ab die das große Abenteuer versprechen. Man ist gierig auf jedes Schiff welches da auftaucht, bleibt dann aber doch zögernd im Hafen stehen bis auch dieses wieder abgelegt hat.

Manche Leute verbringen so ihr Leben. Träumen, und warten auf das was da nie eintreten wird. Das ist ein trauriges Leben! Für meine Tagträumerein die ich habe bin ich eigentlich viel zu realistisch, viel zu desilusioniert und viel zu wenig naiv. Jede noch so unwahrscheinliche Eventualität muss abgewogen werden, so als ob man zwischen völliger Sicherheit und völliger Unsicherheit entscheiden müsste – welch Illusion.

Die Evolution hat es uns so beigebracht, im Zweifelsfalle die sichere einer unsicheren Variante vorzuziehen. Ein innerer Kampf ist entbrannt.

Fest steht das wir, wenn unser Leben zu Ende geht, selten das bereuen was wir getan haben, sondern wir bereuen was wir nicht getan haben. Glauben Sie nicht? Fragen Sie einen alten zufriedenen Menschen:

Das Mädchen, dem man nie gesagt hat das man es liebt, der Tanz den man nie getanzt hat, das Telefonat was man nie geführt hat, eine Reise, die man nie ausgeführt hat oder einen Job den wir nicht angenomen haben weil uns der Mum fehlte – das alles sind Dinge die selbst einen glücklichen Menschen der ein erfülltes Leben gelebt hat zum nachdenken bringen.

“In unseren Sehnsüchten steckt eine Wahrheit, die größer ist als das, was wir mit unserem rationalen Verstand begreifen können” hat die renommierte Buchautorin Barbara Sher in einem ihrer Bücher gesagt.

Ich stimme ihr zu. Wir sollten aufhören uns vorzumachen wir könnten auch nur halb so rationell und objektiv urteilen wie wir das selbst gerne hätten.

Da ist z.B. ein guter Bekannter, der den Kauf seiner neuen Errungenschaft, einem Porsche Boxter, damit rechtfertigte, dass er nur 8,4 Liter auf 100 km verbraucht, die neueste Umweltplakette hat und mit gutem Ergebnis im Crashtest abgeschnitten hat.

Ich muss dann immer schmunzeln. Hätte Kumpel X. tatsächlich ein spritsparendes & umweltfreundliches Auto kaufen wollen, dann wäre er mit einem Nissan Micra wesentlich besser gefahren. Nun möchte ich ihm den schönen Porsche garnicht madig machen, ist ja ein wirklich schickes Auto. Manchmal hätte ich auch gerne einen.

Wir sollten nur anfangen die Dinge beim wahren Namen zu nennen. Nach was sehnen wir uns denn wenn wir einen Porsche Boxter kaufen? Anerkennung, Respekt, Macht, Prestige z.B., aber wir wollen doch bitte nicht die Welt retten.

Emotionen stehen immer noch an erster Stelle und beeiflussen uns maßgeblich. 30% Fakten, 70% Emotionen – das sagt Ihnen jeder gute Verkäufer.

Um zum Punkt zu kommen möchte ich nur feststellen, dass wir irren wenn wir uns zu oft auf unseren Verstand berufen. Unser Verstand ist eigentlich nichts, ohne das was wir unsere Seele nennen. Jeder der das leugnet belügt sich selbst oder hat etwas ganz entscheidendes verlernt…

Mai 27 Meckern – mit System!


Meckern können wir alle – vermutlich haben wir Spaß daran.
Wirtschaftskrise! Wirtschaftskrise!!! Die Banker! Verbrecher, alles Verbrecher! Das Arbeitsamt, der Arbeitgeber, die Behörde, das Finanzamt. Bafögamt, Kindergeld, Abwrackpremie. Privatinsolvenz, Konjunkturpaket. Alles ungerecht. Hört man, hier und da – aber vor allem hier!

Viele haben ja anscheinend ein Problem mit dem was wir “System” nennen. “Das System ist kaputt”, hört man öfters, gerade in diesen Tagen. Dabei sind wir ja alle Teil dieses Systems. Das System ist die kollektive Ausbildung des Handelns aller – sozusagen. Wenn man diese These für gültig erklärt, so hat zumindest jeder eine minimale, winzig kleine Chance das “System” zu beeinflussen.

Deswegen habe ich immer großen Spaß daran zu erzählen das ich auf Zeit aussteigen, und ab dem 1. August mit dem Rucksack und möglichst wenig Geld um die Welt will.

“Sei doch nicht naiv”
“Der ist schneller wieder da als wir gucken können”
“Glaubst du, dass es woanders besser ist?”
“Auch du kannst dich der Realität nicht verschließen”
“Wenn das so einfach wäre dann hätte das vor dir schonmal…”
“Was soll das bringen?”

Das Verhalten meiner Mitmenschen kommt mir dann immer recht paradox vor… Der Kabarettist Volker Pispers bescheinigte den Deutschen erst kürzlich einen gewissen Hang zur Schizophrenie.

“Wenn eine Partei in Deutschland dem Volk das sagt was es hören will glaubt man ihr nicht.”

Ein wenig kurrios ist das schon. Nicht alle, aber immerhin viele meckern. Und die die am meistne meckern, die laufen oft am schnellsten – im Hamsterrad, im Hamsterrad :-)