Dez 18 Fahren ohne Führerschein, und ein Toter im Appartment…

Vielleicht hat die nette Frau beim Straßenverkehrsamt schon Alpträume von mir bekommen weil ich sie so oft kontaktiert habe, oder es liegt daran das ich “Driverslicence” mit auf den Wunschzettel für den Weihnachtsmann geschrieben habe. Auf dem Wunschzettel stand: “A van, a driverslicence, a travelmate” Ich weiß, ich bin total bescheiden dieses Jahr :-)
Auf jeden Fall habe ich vorgestern Nacht um 0:30 eine Abschrift meiner Führerscheinkarte aus Deutschland bekommen die aussagt das ich in Deutschland einen Führerschein besitze, gleichzeitig jedoch auch betont das das Dokument selbst keine rechtliche Grundlage hat und keinerlei Fahrerlaubnis darstellt. Es steht zwar geschrieben das die Karteikarte an mich übersendet wurde um bei einer Verkehrskontrolle zu belegen das ich einen Führerschein habe, gleichzeitig sagt das Dokument aber das es keinen Nachweis darstellt. Es weiterspricht sich selbst.

Der Teamleiter der Teamleiterin hat das abgesegnet. Vermutlich das höchste der Gefühle was sie für mich tun konnten. Ich beschloss daraufhin nun doch mit dem Auto loszufahren und das Dokument von einem zertifizierten Übersetzer übersetzen zu lassen. (Bin mal gespannt wie die Übersetzung aussieht!) Im Falle einer Kontrolle heißt der Tatbestand erst einmal zwar immer noch “Fahren ohne Führerschein”, aber ich habe zumindest etwas in der Hand, das von einer deutschen Behörde ausgestellt und von einem staatlich anerkannten Übersetzer verifiziert wurde. Wenn das man gut geht…

Es war dann gar nicht so einfach einen Übersetzer zu finden der dieses Dokument übersetzt. Denn niemand wusste so richtig ob er das darf, und ob das dann eine Füherscheinübersetzung ist. Letztendlich habe ich ein Büro gefunden. Lucy, meine Übersetzerin wünschte mir viel Glück mit dem übersetzten Dokument, und meinte solange ich nicht rase und ordentlich fahre wird das vermutlich gut gehen. Obwohl Lucy derzeit vor Aufträgen erstickt nimmt sie sich Zeit um mit mir diverse für Neuseeland typische Verkehrseigenarten durchzugehen. Auf einem DINA4-Blatt werden verschiedene Abbiege- und Vorfahrtmanöver durchgespielt. “Im Zweifelsfall einfach Vorfahrt gewähren.” Na dann kann ja jetzt nichts mehr schief gehen.

Die nächste Herausforderung war eine Versicherung zu finden, die keinen Führerschein sehen möchte. Letztendlich habe ich einen Backpacker-Autohändler mit relativ schlechtem Ruf gefunden, der aber auch Versicherungen verkauft. Den interessiert ein Führerschein nicht. Und die Versicherung ist mit 90 Euro für ein halbes Jahr relativ billig.

Interessant anzumerken ist vielleicht das hier generell garkeine Versicherungspflicht besteht, das Autofahren bereits mit 15 erlaubt ist, und die Kiwis relative suizidal veranlagte Autofahrer sind die auch gerne mal einen über den Durst trinken und danach noch schnell nach Hause wollen. Motto “Wer schneller nach Hause rast minimiert die Chance angehalten zu werden”. Blechschäden klärt man oft mit Handschlag oder einem “Schwamm drüber”. Ich kenne zwei Backpacker ohne Versicherung die jeweils einen Oberklassewagen angefahren haben. Obwohl sie dem Unfallgegner alle Kontaktdaten mitgegeben haben, hat sich nie wieder jemand bei ihnen gemeldet.

Sonntag heißt es nun ein Auto kaufen, und dann kann es Montag nach fast 4 Wochen endlich losgehen. Muss hier auch raus.

Meine Pechsträhne reißt übrigens nicht ab. Heute war ich im Hostel und tauschte mit zwei anderen Reisenden Fotos aus. Ein betrunkener Neuseeländer und ein betrunkener Maori stehen in der Küche. Auf einmal ein Knall und der Mauri liegt am Boden. “Ihm gehts gut” meint der andere Neuseeländer. Der Typ atmet schwer und redet nicht mehr. “He is making Jokes”, meint der andere. Er legt ihm ein Kopfkissen unter den Kopf. Niemand sieht den Blutfleck auf den Fliesen. Zwei Minuten später, und der Mauri schließt seine weit geöffneten Augen nicht mehr. Kein Puls. Keine Atmung. Er ist tot.

Der Krankenwagen der nur zwei Minuten später mit der Kripo und der Polizei eintrifft kann nichts mehr tun. 20 Minuten werden Reanimationsversuche unternommen. Als ich realisiere was passiert ist wird mir schlecht und ich suche die nächste Toilette auf.

Als ich zurückkomme werde ich von der Kripo vernommen. Die anderen auch, man vernimmt uns getrennt. Reine Routinefragen. Gab es Streit, wurden Drogen konsumiert, etc. Die Polizisten sind nett. “Thats life”, sagt der dicke Streifenpolizist zum Schluss, gefolgt von einem “Ist Ihnen auch so heiß”…?

Wir können gehn. Der Polizist wünscht uns eine gute Reise und mir viel Spaß mit meinem Auto. Evtl. müssen wir am Wochenende nochmal auf der Wache erscheinen. Das Appartment wird geräumt und wir gehen etwas Essen um den Schock zu verdauen…

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