Jan 14 Liebes Tagebuch…

Ich verliess die Werkstadt in Auckland mit einer Rechnung über 80 NZD = 40 Euro, oder besser gesagt ohne Rechnung – man arbeitet auch hier gerne mal „Mehrwertsteuerfrei“ – und machte mich auf gen Süden. Alles lief super. Das Wetter war gut, der Wagen marschierte und surrte wie ein Kätzchen. Sogar Mastercard hat mir die 1000 Euro aus dem Überfall in Johannesburg „vorläufig“ gutgeschrieben. Muss ja auch mal alles nach Plan laufen.

Die letzten zwei Nächte vor Aufbruch hatte ich gratis im Hafen von Auckland geschlafen, und ein paar echte „Dauercamper“ kennen gelernt die überall in der Welt zu Hause waren und irgendwie mit ihrem Auto und einem Job in Neuseeland gestrandet sind. Einige hatten am Abend ein paar Bierchen zu viel, und ihren Kopf in soweit versoffen das sie wohl eher keinen Job, aber immerhin noch ein Auto und damit eine Unterkunft hatten… Ein aus Thaiti stammender Neuseeländer der auf dem Weg nach Australien war und in seinem „früheren Leben“ mal sowas wie ein Zweiradmechaniker gewesen sein wollte, stellte erste Diagnosen über die Probleme meines Vans.

Duschen konnte ich ein letztes mal kostenlos bei Lei, einer Japanerin die ich wärend meines längeren Aucklandaufenthalts kennen gelernt hatte.

Von Auckland ging es zuerst auf die Coromandel Halbinsel, die ich über den Pacific Coast Highway erreichte. Das Wort Highway ist eigentlich etwas irreführend, da sich die Straße mit sehr engen Kurven direkt am Pacific entlangschlängelt, die manchmal mit nicht mehr als 25km „Safetyspeed“ genommen werden können.

Auf dem Weg zur Corromandelhalbinsel machte ich mehrmals halt, unter anderem an einer Vogelbeobachtungsstation. Die Regierung hat hier netterweise kostenlos einen weiblichen araktiven Guide sowie niegelnagelneue Teleskope zur Verfügung gestellt. So konnte sogar ich als Laie nach 5 Minuten den weltweit einzigen Vogel mit gekrümmtem Schnabel beim Futter suchen beobachten. Toll!

Von dort ging es weiter nach Thames wo ich beschloss am nächsten Tag die Pinacles zu bewandern. Die Pinnacles sind der höchste Punkt den man auf der Halbinsel auf normalem Wanderwege erreichen kann. Da es für den Aufstieg heute zu spät war suchte ich mir einen schönen Strand mit öffentlicher Toilette (Die Toilettendichte in Neuseeland ist ganz beeindruckend!) und schlief ein.

Am nächsten morgen gings auf die Pinnacles. Das Wetter war genau richtig. Bewölkt beim Aufstieg und als ich oben war klarte der Himmel auf. Oben war es so windig das ich mehrmals dachte ich würde jederzeit davongeblasen. Die Aussicht war super. Der Weg verlief teilweise auf alten Packeselrouten der frühen Europäer und an Resten von einer Eisenbahnstrecke die man hier mal aus dem Boden gestampft hat, die die Natur und ein paar über die Ufer getretene Flüsse aber wieder zerstört haben. Auf dem Weg dorthoch gab es ein paar einfache“ Campingplätze“ die aus nichts mehr als einer grünen Wiese bestanden und die „Pinnacles Hut“, die mit bis zu 80 Betten ausgestattet ist und in der sich viele Leute, denen ein Auf- und Abstieg pro Tag zu viel ist, oder Wanderer die auf längeren Touren unterwegs sind einquartieren. Die Pinnacles, wie auch ein paar Nachbarberge sind ehemalige Vulkane, bei denen aber die Erde um den ehemaligen Lavakegel wegerodiert ist, so das nur noch die steilen erstarten Lavamassen in den Himmel gucken. Hat fast etwas von Sächsischer Schweiz.

Wieder unten angekommen gabs ne Doppelpackung Instantnudeln und ich machte mich auf die Suche nach einer neuen Übernachtungsgelegenheit. Ich fuhr von Thames nach Coromandel Town. Auf der gesamten Corromandelhalbinsel hat man sich sehr viel Mühe gegeben an jedem noch so kleinen Parkplatz und jeder Parkbucht ein Schild „Campen und Overnightstop an öffentlichen Plätzen verboten“ anzukleben. An Stränden alternativ „„Campen und Overnightstop an Stränden verboten“ . Die Hoffnung nicht aufgebend fuhr ich von Coromandel Town aus weiter nördlich, bis die Straße in einer Schotterstraße endete. Dieser folgte ich über 30 km. Hier enddeckte ich plötzlich einen kleinen Pfad zum Strand. Kein Schild. Der Strand und die Bucht schwer einsehbar. Perfekt. Ich öffnete die Schiebetür, mummelte mich in den Schlafsack und blickte in den Sonnenuntergang.

Der Nächste Tag war Silvester. Ich machte mich morgens auf zum „Hot Water Beach“. Man kann sich hier ein kleines Loch in den Strand graben, und das einsickernde Grundwasser erwärmt sich durch thermale Aktivitäten auf bis zu heiße 68 Grad. Witzigerweise funktioniert das aber nur an ganz bestimmten Stellen. Und nachdem ich nun zwei mal ein Loch ins kalte Wasser gegraben hatte erbarmte sich die Eisverkäuferin und gab mir Insidertipps wo ich zu graben habe. Die warmen Stellen waren so überfüllt das ich Mühe hatte eine freie Stelle zu ergattern. Letztendlich hats funktioniert. Ich habe mir fast den Hintern verbrannt. Faszinierend!

Nicht weit entfernt und mein nächster Abstecher war Hahei, ein schöner breiter Sandstrand mit vielen kleinen Buchten und Inseln. Von hier auf einem kleinen einstündigen Wanderpfad zu erreichen lag Cathedral Cove, ein beeindruckender Strandabschnitt mit Felsen die vom Wasser so aus- und umspühlt wurden das sie kleine Höhlen, Druchgänge und interessante Felsformationen bilden.
Am späten Nachmittag machte ich mich auf nach Tairua um mich für Silvester in einem Hostel einzuquartieren. Silvester verlief weitgehend unspäktakulär. Ein kleines aber schönes Feuerwerk im Hafen der Stadt das ich mir zusammen mit einem Australier den ich im Hostel kennengelernt hatte angeschaut habe. Um 0:15 lag ich schon im Bett.

Am nächsten morgen (1.1.10) gings weiter und ich machte in mehreren kleinen Städten halt. Die Strände waren alle Überfüllt mit feiernden Neuseeländern die zwischen Weihnachten und Silvester ihren Sommerurlaub haben. In Wangamata wendete ich in einer Seitenstraße und wurde schließlich mit Sirene und Blaulicht von einer Streife gestoppt. Das Herz klopfte. Nun kam also der Moment das erste Mal meinen „Ersatzführerschein“ präsentieren zu dürfen. Was hatte ich getan?

Als der Polizist, der alleine im Auto saß ans Fenster kam und realisierte das ich ein Tourist bin entschuldigte er sich sogleich und merkte an das er sich mit seinem Polizeiauto hinter einem Busch versteckt hatte – vermutlich um am 1.1. betrunkene Neuseeländer aus dem Verkehr zu ziehen. Als ich 20 Meter vor ihm gewendet habe dachte er zuerst ich habe das Polizeiauto entdeckt und wollte fliehen. Erst als er auf dem Weg zu meinem Fenster war sei ihm in den Sinn gekommen das ich mich verfahren haben könnte. Er fragte noch ob ich den nun wisse wo ich hin will, wünschte mir einen schönen Tag und verschwandt ohne Ausweis oder Führerschein sehen zu wollen. Genau so lässig wie es mir zuvor von anderen Autofahrern prognostiziet worden war.

Nächster Stop war dann Waihi, eine alte Goldstadt die noch mehrere aktive Goldminen beherbergt. Das Loch das sich direkt hinter dem Stadtzentrum befindet ist gigantisch groß. Ich machte eine Wanderung durch alte stillgelegte Goldstollen an einem Flußbett und fuhr danach weiter vorbei an Taurangi nach Mt Maunganui. Hier versuchte ich bei unglaublich kaltem Wind Nudeln zu kochen, gab das Projekt aber nach 30 Minuten auf und aß die Nudeln halbroh. Ein älterer Herr mit Wohnmobil bat mir als er mein Unterfangen sah mitleidig einen warmen Kaffee oder Tee an, den ich aber dankend ablehnte. Ich schaute mir den Sonnenuntergang vom Strand aus an und verkroch mich ins Auto. In den letzten Sonnenstrahlen konnte ich sehen wie sich ein mächtiges Containerschiff direkt am Strand vorbei aufs Meer hinaus schob.

Am nächsten Morgen kam ich auf die Idee den Mt Maunganui zu bezwingen. Nicht gerade ein hoher Berg, aber nach dem Frühstück genau das richtige um Wach zu werden. Auf dem Weg zum Gipfel wimmelte es nur so von Joggern und Sportlern die hier vermutlich für den am ersten Wochenende im neuen Jahr anstehenden Half Iron Man trainierten. Wieder im Tal fuhr ich weiter nach Rotorua weches berüchtigt ist für seine vielen thermalen Quellen, und führ seinen Gestank nach faulen Eiern der von aufsteigendem Schwefel erzeugt wird. Die Erdkruste ist hier so dünn, das sich jederzeit über Nacht neue Quellen und „Mudpools“ , also heiße Matschbecken ausbilden können. Während ich damit keine größeren Probleme hatte machte einigen anderen Touristen der Gestank ganz schön zu schaffen. Einige Leute die in den falschen oder richtigen Stadtteilen wohnen, jenachdem wie man das sehen mag, haben ihre eigenen heißen Quellen im Vorgarten. Kann also passieren das man Sonntag morgens aufwacht, aus dem Fenter guckt und sagt: „Oh guck mal Schatz, wir haben ne neue heiße Quelle, doll!“ Während das ganze für einige eine Touristenatraktion, für andere ein Ärgernis ist, nutzen dritte clevere Leute die Quellen im Hinterhof zur Energie und Warmwassergewinnung.

An einer Quelle im Park stieß ich auf ein Mädel mit einem T-Shirt der deutschen Band „Wir sind Helden“ die ich daraufhin angesprochen habe. Sie kam aber garnicht aus Deutschland sondern aus Holland, war einfach nur ein großer Fan. Ein Gesprächsthema gefunden machten wir uns nun gemeinsam auf weitere heiße Quellen Rotruas unter die Lupe zu nehmen. Nach 20 Minuten war hier alles abgeklappert, und ich fragte sie spontan ob sie nicht Lust hätte mit mir den Rotrua-See zu erkunden bzw. Mit dem Auto zu erkunden. Gesagt getan.

Srände, meine ersten Schwarzen Schwäne (Ich wusste bisher noch garnicht das es die gibt!), ein Spaziergang zu einer Wasserquelle die unglaublich klares Wasser und ein unglaublich klares Flußbett erzeugt (Muss wohl sehr mineralstoffarm sein), und eine Fahrt zu einem abgelegenen kleinen Bergsee füllten den Tag. Da Cicilia den nächsten Tag nach Taupo musste und ich in die selbe Richtung wollte, verabredeten wir uns für den nächsten Morgen um zusammen weiterzureisen. Wärend ich Cicilia im Hosel absetzte suchte ich mir eine schöne Parkbucht an der Uferpromenade von Rotrua und bestaunte eine Gruppe schwarzer Schwäne beim Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen (3.1. )fuhren wir von Rotrua nach Taupo und machten unterwegs im „Thermal Wonderland“ halt. In der Hochsaison etwas überlaufen, aber auf jeden Fall einen besuch Wert. Man sieht einen Gaisier, und kan jede Art von thermalen Aktivitäten im Park beobachten. Mudpools, ein so genanntes „Champangerbecken“ was für seine unglaubliche Farbkombination bekannt ist, welche durch unterschiedliche mineralien in den Quellen erzeugt wird, Explosionskrater und überall kochende und dampfende Erde.

Wir machten Rast an einem Fluß und ich führte Cicilia in die Kunst der Instantnudelzubereitung ein. Heißes Wasser, Nudeln rein, zwei Minuten ziehn lassen, Pulver mit Geschmacksrichtung drüber, fertig.

Weiter Richtung Taupo steht ein thermales Kraftwerk. Für mich ganz beindruckend das 65 % Der Stromversorgung der Nordinsel durch Wasser- oder Thermalkraftwerke gewonnen werden. Neuseeland hat sich übrigens schon vor vielen Jahren zur atomkraftwerkfreien Zone erklärt. Cicilia schüttelte nur noch mit dem Kopf und konnte sich garnicht mehr einkriegen als ich mit dem Auto eine eingezeunte Straße durch das Kraftwerksgeände fuhr und jetzt auch noch anfing Fotos zu machen.Was denn jetzt an einem Kraftwerk so beeindruckend sein soll wollte sie wissen. Als jetzt auch noch ein offizielles Schild einen „Kraftwerks-Lookoutpoint“ bewarb, wurds ihr zu viel. Wir verließen das Gelände.

Ich setzte Cicilia in Taupo ab und besuchte alleine die Hukafalls, die Neuseelands meistbesuchtes Reservat sind, die ich aber einfach nur lächerlich fand – naja vielleicht hab ich schon zu viele Wasserfälle gesehen.Ich ging einkaufen, parkte an der Uferpromenade des Tauposees, und machte Reisepläne für die nächsten Tage. Ich fragte Cicilia per SMS ob sie nicht ein bisschen mit mir kommen wollte, und wir verabredeten uns für den nächsten Morgen. Ich schlief an der Uferpromenade im Van. Am nächsten Morgen (4.1) regnete es, und Cicilia antwortete mir das Abenteuer im Regen nicht ihr Ding sein.

Ich machte mich also alleine weiter auf den Weg. Bereits nah einer Stunde war ein strahlend blauer Himmel über Taupo, dem größten See Neuseelands, und ich beschloss ihn halb zu umrunden.

Während die Straße im Süden dicht am Ufer verläuft und von Picnicspots übersäht ist liegt der Norden des Sees weiter ab von der Straße und beherbergt diverse Reservate. Ich nahm mir also vor ihn nördlich zu umfahren und hoffte ein paar interessante Stellen zu entdecken. Einige Reservate die am Seeufer liegen sind laut Landkarte garnicht per Straße zu erreichen, aber ich wollte es genauer wissen. Ich fuhr eine lange Straße die als Sackgasse ausgeschrieben war immer weiter, bis sie letztendlich in eine typische Schotterstraße wechselte. Ein paar Farmen links und rechts. Am Ende der Straße ein geschlossenes Farmgate. Der einzige Hinweis auf das Reservat war ein Schild des Departments of Conservations mit dem Hinweis das das Reservat hinter dem privaten Farmgelände liegt und alle Tore so bleiben sollen wie sie sind.

Das Schild sagt nicht genau ob es nun verboten ist die Gates zu bewegen oder ob man sich über das private Farmgelände zum Reservat bewegen darf, wie es manchmal üblich ist, oder ob der Zugang hier nicht möglich ist. Ich lasse vorsichtshalber mein Auto stehen und springe über das Gate. Hunde bellen von einer Farm und ich bin mir nicht ganz sicher ob ich auf dem richtigen Weg bin. Nach einer Weile kommt ein Geländewagen gefolgt von einer Staubwolke an und fragt ob alles OK sei. Ich erkundige mich ob das der offizielle Weg zum Reservat ist und man antwortet „Klar, hätteste auch hinfahren können. Brauchste ne Mitfahrgelegenheit?“. Das ließ ich mir nicht zwei mal sagen und saß hinten im Mercedes Geländewagen, während wir noch eine ganze Viertelstunde über Schhotterpisten und Feldwege Richtung Bucht fortbewegten.

Am Ende des Parkplatzes steige ich aus, und ein Hinweisschild deutet auf einen Wanderweg in 30 Minuten hinunter zur Bucht führt. Ich bedanke mich und mache mich auf den Weg. Auf dem Weg der durch dichten Wald führt habe ich plötzlich den Blick frei auf die Bucht und: WOW! Da liegt ein Dorf. Ohne Zugang über eine Straße, nur vom Wasser zu erreichen. Einige einfache Holzhütten stehen dort.

Einige Bote liegen vor Ufer. Ich erinnere mich auf der Landkarte ein Dorf ohne Straßenanbindung entdeckt zu haben, über das ich mich damals schon gewundert hatte. Unten angekommen laufe ich über weißesten, feinsten Sandstrand. Der Strand auf dem ich stehe ist von dem Strand an dem das Dorf liegt durch einen ins Meer fließenden Fluss getrennt. Die Familie die mich mit dem Auto mitgenommen hatte kommt nun auch den Wanderweg hinunter und die Frau fragt. „Wirst du erwartet?“ Ich denke kurz „Vom wem erwartet, ich weiß ja nichtmal wo ich bin“ antworte dann aber nur mit „Nein, ich bin ganz zufällig hier“. Die Frau, etwas verwundert, erzählt das ein Boot für sie bereitgestellt am Ufer liegt und ich mitfahren könnte.

Ich willige einfach mal ein, und die Frau die mit ihren Kindern hier Urlaub macht erzählt mir nun erstmal was es mit dem Dorf auf sich hat. Das Dorf ist auch heute noch zu 100% im Besitz der Ureinwohner, der Maori. Ihr Vater hat den Maoris damals geholfen für ihr Land zu kämpfen, welches der Staat den Maoris abnehmen und verstaatlichen wollte. Die Maoris, noch heute dankbar, haben nun noch enge Kontakte zu ihrer Familie und sie kommt des öfteren zu Besuch hier her. „Nicht viele Leute wissen von diesem Platz hier“ meint sie. „Woher denn auch“, denke ich.

Ein winziger Ort der auf Landkarten zwar verzeichnet ist, aber zu dem es keine Straßen gibt. Die wenigsten machen sich die Mühe hier zu suchen. Am Eingang des Dorfes stehen Schilder das das durchschreiten des Dorfes zwar erlaubt, der Aufenthalt, Fischen, Picnic und Co aber unerwünscht seien. Ich möchte nicht stören, respektiere die Privatsphäre und mache mich schon nach einer halben Stunde am Strand und am Rande des Dorfes wieder auf den Weg zurück. Nach einem Langen Fußmarsch zurück durch den Wald, Farmengelände, Schafe und Kühe freue ich mich heute etwas gesehen zu haben, was nur die wenigsten bisher entdeckt haben, und was von den individuellen Massentouristen bisher verschont geblieben ist.

Ich fahre bis nach Taurangi und schlafe dort auf einem öffentlichen Parkplatz. Am nächsen Morgen dem 5.01 mache ich mich auf und fahre in den Tongoriro Nationalpark. Der Nationalpark liegt in der aktiven Vulkanozone und beherbergt gleich 3 große aktive Vulkane. Ich mache eine Tageswanderung zu einem Wasserfall und zwei Kraterseen, dem Lower und Upper Tamalake. Beeindruckend. Überwältigend.

Abends fahre ich mit meinem Auto von Wakapapa aus den Vulkan hinauf bis zu einem Skigebiet welches im Sommer etwas trostlos daher kommt. Der Wagen quält sich im zweiten Gang durch die dünne und kalte Bergluft nach oben. Nur in zwei Fenstern im Ort brennen Lichter als es dunkel wird. Das Dorf ist ausgestorben. Ich stelle mich an die Ecke eines in den Fels gemeiselten Parkplatzes und schaue 2000 Meter in die Tiefe. Wow! Wenn das kein geeigneter Stop für eine Übernachtung ist. Ein Vater der sich im Camper mit seiner Frau und Kindern den Berg hochquält antwortet seinem Sohn auf die Frage „Wo sind wir Papi?“ mit einem „Kuck doch, wir sind am Ende der Welt“. Und genauso fühlte es sich hier oben auch an. Nichts. Stille. So friedlich.

Die Familie verschwindet. Zwei deutsche Mädels und zwei Franzosen trauen sich in der Abenddämmerung noch hoch. Während die Franzosen mir über Nacht Gesellschaft leisten trauen sich die Mädels aus Angst vor einer Geldstrafe nicht hier Wild zu übernachten und fahren wieder ins Tal.

Am nächsten morgen dem 6.1. wache ich schon um 6 Uhr ohne Wecker auf. Die Luft die schon Abends eiskalt war hat sich über Nacht noch dichter dem Gefrierpunkt angenährt. Nicht weit über unserem Parkplatz liegt die Schneefallgrenze. Ich fahre ins Tal, denn ich habe mir heute das „Tongorriro Alpine Crossing“ vorgenommen und bereits am Tag zuvor ein Shuttle gebucht welches mich zum Startpunkt fährt und vom Endpunkt abholt.

Das Wetter war perfekt und das Tangoriro Crossing gigantisch. Jedes Mal wenn du das Gefühl hast eine Steigerung ist nicht möglich wirst du die Tage darauf erneut umgehauen. Vielleicht liegt es auch einfach daran das ich zuvor noch nicht über so viele Vulkankrater spaziert bin ;) Der Kraterrand ist noch warm. Schwefeldämpfe steigen auf und der Geruch von vergammelten Eiern ist wieder in der Nase.

Abends schlafe ich ausnahmsweise auf einem Campingplatz für 4 Dollar (2 Euro) weil ich eine Dusche nehmen möchte und dringend möglich habe. Nachdem ich mich selbst registriert und in eine Holzbox bezahlt habe bemerke ich das der Campingplatz garkeine Duschen hat. Naja. Für 4 Euro kann man ja auch nicht alles erwarten.

Ich bin K.O. Den hier absolut klaren und beeindruckenden Sternenhimmel nehme ich nur noch mit einem Auge war und schlafe ein.

Am 7.1 ist mir Schwindelig und auch beim Autofahren habe ich des öfteren das Gefühl das die Straße schneller fährt als das Auto. Da das auf die Dauer nicht wirklich angenehm und sicher ist mache ich schon nach 18 km im Ort „National Park“ halt und beschließe mich in einem Backpacker Hostel für einen Tag auszuruhen, zu duschen, und darauf zu hoffen das es am nächsten Tag besser wird. Die Nacht war mir schlecht, schwindelig, Magen-Darm-Beschwerden…

Am 8.1 brach ich trotzdem auf und fuhr nur wenig weiter bis nach Ohakune, immer noch am Rande des Tongariro Nationalparks gelegen, und verbrachte den Tag mit mehreren 1-2 Stunden-Wanderungen. Auf einer ehemaligen, für Touristen umgebauten Eisenbahnstrecke traf ich einen aus England eingewanderten Neuseeländer der hier seinen Lebensabend mit Jagen, Fischen und Spazierengehen verbrachte. Nach einer kurzen aber leidenschaftlichen Debatte in der er mir erzählt hatte wie viel Geld England den Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg in den Hintern gepumpt hat und wie gut es England heute gehen könnte wenn sie es nicht getan hätten, erzählte er mir interessantes über die örtliche Flora, die verschiedenen Coniferenarten, Aufbau und alter der Bäume, usw. Ich freute mich einen ortstkundigen Führer gefunden zu haben.

Danach gabs noch ein paar Wasserfälle zu entdecken. Mein Gott hat Neuseeland Wasserfälle! Aber schön sind sie trotzdem – meistens.

Ich schlief auf dem Parkplatz des Besucherzentrums. Am 9.1 fuhr weiter nach Perikeri in den Whanganui-Nationalpark. Von hier führt eine einfache enge, teils ungeteerte Straße am Whanganui-River entlang bis nach Whanganui-Stadt. Auf dem Weg an dem ich öfters für Fotos und um die Aussicht zu genießen anhielt, lernte ich ein Deutsches Pärchen mit Wohmobil kennen,und nachdem wir uns diverse Male auf der alten einfachen Schotterpiste gegenseitig überholt hatten, vertieften wir uns in einer Wartebucht so tief in die Gespräche bis auf 16:00 schließlich 20:00 geworden warund es zu spät war noch weiter zu fahren.Die beiden luden mich zum Abendessen ein welches ich, den Instantnudeln für einen Abend entfliehend, dankend annahm. Es wurde 11 bis wir entschieden schlafen zu gehen. Als ich den Wagen verließ rief ich erstmal die beiden nach draußen: Der Sternenhimmel war hier noch viel beeindruckender als die Tage zuvor. Im Radius von 50 km keinerlei Fremdlicht führten zu einem klaren Blick auf die südliche Hemisphäre. Selbst die Milchstraße war deutlich zu erkennen. Nachdem wir vom Sternenhimmel genug hatten parkte ich meinen Wagen um, hängte wie immer den Hinterteil meines Wagens mit einer Plastikfolie von der Fahrerkabine ab und ging schlafen.

Am 10 Januar kam ich erst spät los, weil wir uns irgendwie eine Menge zu erzählen hatten und wir vor 13:00 nicht vom Frühstückstisch den die beiden vorm Wohnmobil aufgebaut hatten wegkamen. Weiter runter an der Whanganui-River-Road machten wir eine kurze 1-2 stündige Wanderung zu einem Aussichtspunkt und unsere Wege trennten sich wieder.

In Whanganui machte ich eine kurze Pause. Mir war immer noch etwas schwindelig sobald ich mich bewegte oder im Auto fuhr. Ich fuhr wieder nur kleinere Etappen. Von Whanganui fuhr ich noch bis zu einem kleinen Dörfchen mit einer Steilküste. Ein Schiffswrack liegt in den mit schwarzem Sand gefüllten Dünen. Ich beschließe hier zu schlafen.

Die Nacht tobt ein Sturm begleitet mit heftigen Regenfällen. Ich beschließe in Mitten der Nacht den Wagen, der vom Sturm durchgeschauckelt wird mit der Fronseite in Windrichtung umzuparken um die Angriffsfläche zu verkleinern, und 20 Meter weiter von der Klippe entfernt zu parken. Wäre nicht das erste mal das bei heftigem Regen einfach mal eine Böschung abrutscht.

Am 11. Januar fuhr ich ersteinmal in die Werkstadt um den Schlitzer in meinem Hinterreifen, den ich mir vermutlich auf einer der ewigen Schotterpisten eingefangen habe, begutachten zu lassen. Wenn ich bei meinen vielen Werkstadtbesuchen einiges gemerkt habe ist es das Kiwis in der Regel keinen Geschäftssinn haben. Man will in der Regel garnichts verkaufen.

„Ich habe nen Schlitz in meinem Hinterreifen, aber er ist noch dicht. Kann ich damit weiterfahren oder brauch ich nen neuen?“

„Kannste schon noch fahren“

„Ja, aber ist es denn sicher, kann da was passieren?“

„Lass es mich so sagen, hab schon schlimmeres gesehen. Ist nicht so tief, ne ist eigentlich kein Problem“

„Ich kann also weiterfahren?“

„Ja fahr einfach vorsichtig. Good Luck!“

An diesem Tag fahre ich schließlich bis nach New Plymouth. Zuvor habe ich das Nationalpark-Center vom Vulkan Mt Etmont besucht. Leider ist das Wetter zu schlecht, die Temperatur zu kalt, der Regen unterwegs zu viel, und der Schneefall auf dem Gipfel zu stark. Ich machte nur einen einstündigen Spaziergang Richtung Gipfel, und drehte um. Ich hoffe auf besseres Wetter und schaue mir die Stadt New Plymouth an, laufe einen Wanderweg an der Küste, und besuche nach Sonnenuntergang dasTSB-Festival of Lights in dem die TSB-Bank von Dezember – Februar Sponsorengelderder locker macht um den halben Stadtpark im Licht erstrahlen zu lassen und jeden Abend Livefestivals veranstaltet. Die TSB-Bank muss es haben. TSB-Stadium, TSB-Tribüne, TSB-Festival, TSB-Park. Ich schlafe auf einem Parkplatz nähe der Küste.

Der Wetterbericht für den 12. Januar war mies. Als ich aufwachte war strahlender Sonnenschein. Verarscht! Ich besuchte das Visitorcenter, das Museum, die Innenstadt und erwartete gespannt den upgedateten Wetterbericht für den nächsten Tag. Nachdem es morgens noch hieß am 13. Januar würden sich Schneefall und Regenschauer abwechseln hieß es in dem Update das vom Wetterdienst immer um 1:00 Nachmittags veröffentlicht wird: „Fine, high winds from south 45km/h“.

Der Plan für den 13. lautete also von der Nordseite aus den Berg hoch. Aber der Tag fing schon wolkenverhangen an, und ich beschloss mich nochmal umzudrehen und schließlich eine kürzere Wanderung auf einem kleineren Nachbarberg am Fuße des Vulkans zu machen. Ab und zu gaben die Wolken einen teilweisen Blick auf Mt Egmont frei, bevor sie sich wieder zuzogen. Vor dem Abstieg machte ich auf einer Berghütte Rast und genoß die Aussicht.

Wenn man hier oben in den Bergen ist, hat man das Gefühl der Rest der Welt ist ganz weit weg. Auch wenn es nur ein paar Stunden zurück zum Handyempfang, Strom, fließend warmem Wasser und der Zivilisation sind, fühlt man sich doch eine Ewigkeit davon entfernt. Ein kleiner Kohleofen und eine Kochnische. Wasserversorgung die mit Regen- und Quellwasser gespeist wird. Ein paar einfache Matratzen im Hochbettgestell. Alles was man braucht ist da.

Wieder zurück auf der Straße: Bei km 3.100 blieb der Wagen erneut stehen um nach einer Minute wieder ohne Probleme weiterzufahren. Ich nehme es mit der KIWI-Mentalität „Wenn der Wagen wieder läuft kann ich auch nix reparieren“ und fahre weiter. Nach dem Abstieg beschließe ich nach einer Woche ohne Dusche das Schwimmbad aufzusuchen. Den TSB-Pool! Für umgerechnet 2 Euro faulenze ich für 2 Stunden im Wirpool bevor ich mich entschließe für den Sonnenuntergang einen kleinen See zu suchen den ich mal auf einem Foto in der Touristeninformation gesehen habe. Der See ansich ist schön, aber beeindruckend und einmalig wird die Kulisse mit dem mächtigen Mt Egmont Vulkan im Hintergrund der dem See eine ganz eigene Szenerie verleit. Obwohl der See direkt von der Hauptstraße ausgeschildert ist schwirrt der Touristenstrom glücklicherweise vorbei.

Ich laufe einen kleinen Weg zu einem Aussichtspunkt hinauf und stolpere mitten in das was ein hoffentlich gelungener Heiratsantrag gewesen ist. Nicht nur das der junge Neuseeländer ein Vermögen für Rosenblütenblätter ausgegeben haben muss die er einen halben Kilometer durch das Reservat gestreut hat. Eine Flasche Sekt, eine Picnicdecke, und der Mt Egmont und See bei Sonnenuntergan im Hintergrund. Ich würde sagen, die perfekte Location!

Ich entferne mich diskret und suche mir meinen eigenen Aussichtspunkt. Wärend die anderen schon gefahren sind (vielleicht wussten die mehr wie ich ;-) ) genieße ich die Stille, die letzte Abendröte, beobachte eine junge Schwanenfamilie beim Futter suchen. Ich fahre die Schotterstraße zurück Richtung Hauptstraße und stehe vor einem großen massiven Eisentor! Ups! Hätte man ja auch mal dran schreiben können, das die hier um 8:30 das Reservat verrammeln. Naja, hat man schon. Aber nur seeeehr klein. Eingesperrt. Clever übrigens das Ding abzuschließen, ohne vorher zu gucken ob noch wer drin ist ;-) !
Ich nehme es locker und schleiche mich zurück zum See, klebe ein dickes Schild mit der Botschaft „SORRY, WUSSTE NICHT DAS DIE SCHRANKE UM 8:30PM SCHLIESST!“ ans Fenster, und klettere ins Auto. Es ist zwar verboten hier zu übernachten, aber ich habe nicht so viele Optionen. Ich hätte höchstens die 111-Notrufnummer anrufen können (hätte ich den Handyempfang gehabt) , aber das hielt ich auch für unangebracht. Mir gehts ja gut.

Am 14. wache ich früh auf. Ich hatte mir extra einen Wecker gestellt. Scheint keinen gestört zu haben das ich hier geschlafen habe, hat noch nichtmal jemand gemerkt. Nichtmal die Holzfäller die um kurz nach 7 die Schotterpiste auf dem Weg zur arbeit nutzten haben mich bemerkt. Nach einem weiteren wunderschönen Blick auf Mt Egmont verabschiede ich mich aus New Plymouth und mache mich über Straford auf den „Forgotten World Highway zu erkunden. 150km grüne Hügel, weites Farmland, Neuseeländische Geschichte und wieder ein paar Kilometer feinste Schotterpiste.

In Straford hatte ich zuvor kurz Stop bei einem Arzt gemacht weil mein Schwindel immer noch nicht ganz in Ordnung war und ich mich nun ein paar Tage völlig aus der Zivilisation verabschieden wollte. Ich fand es Sinnvol vorher nochmal nen Fachmann zu konsultieren.

Puls, Blutdruck, Temperatur, Augen, Ohren wurden durchgecheckt. Das einzige was der aus Südafrika immigrierte Doctor letztendlich in meinen Befund schreiben konnte war „außergewöhnlich stark braungebrand, zuvor Besuch von Südafrika, Namibia, Zambia und Zimbabwe. Keine auffälligen Symptome“ . Diese Kurzzusammenfassung meines Reiseberichtes kostete mich dann aber auch nur 35 Dollar, 17,50 Euro! Schnäppchen! Dafür schüttelt der Doctor einem Privatpatienten zu Hause nichtmal die Hand. Ich bedankte mich und fuhr weiter…

Ich übernachtete am Whanganui-River, kurz vor der Stadt Taumarunui. Am 15. Januar plane ich eine viertaegige Kanutour durch den Whanganui-Nationalpark.

Kommentare zu diesem Artikel:

  • Jan

    schrieb am 15. Januar 2010 um 10:23 Uhr:

    Der ”Godmaster of instantnudeln” am Ende der Welt. Hast du etwa gar Chips & Cola abgeschworen?

    Da hast du ja richtig viel Erlebt in den ”Sommerferien”.

    Viel Spaß bei der Kanutour. :o )

    Jan

  • René

    schrieb am 16. Januar 2010 um 12:40 Uhr:

    NewZeeland scheint ein schönes und interessantes Land zu sein.

    Wieder schöne Fotos! Nur ein Bild der Nudeln fehlt. :)

  • Debbi

    schrieb am 17. Januar 2010 um 12:49 Uhr:

    Da bist du ja endlich wieder :)
    Wunderschöne Bilder hast du gemacht, ich bin immernoch voller neid, wenn ich hier aus dem Fenster gucke und dieses nie besser werdene Matschwetter sehe.
    Ich wünsch dir noch viel Spaß :)

  • René

    schrieb am 19. Januar 2010 um 14:04 Uhr:

    Wenn man schon mal in Neuseeland ist…
    Das hab ich zufällig gefunden. Vielleicht interessant: “Get ready for the World’s most exciting Jet Boat ride!”.

    http://www.shotoverjet.com

    “Shotover Jet is an easy 6km drive from central Queenstown. Drive up Shotover St (with lake Wakatipu behind you) and onto Gorge Rd. Travel along Gorge Rd towards Arthurs Point and Coronet Peak, after approximately 5kms you will come to a small one lane bridge at Arthurs Point. Carry on and after a short distance you will come to another larger one lane bridge, cross this and the Shotover Jet entry is immediately on your left.”

  • Tobi

    schrieb am 22. Januar 2010 um 00:22 Uhr:

    Also ich persoenlich mag die Jetboote nicht. Die zerstoeren immer die ganze Atmosphaere. Da paddelt man 3 Tage mit dem Kanu durch den Nationalpark. Freut sich ueber die unberuherte Natur, und dann kommt ein Jetboot mit Touristen um dei Ecke geknattert und verscheucht das komplette Wildlife.

    @Jan, zu den ” Cola und Chips”: Habe mir schon einige Kommentare dazu anhoeren muessen. Eine alte Herbergsmutti meinte einmal nur als ich mit ner 2,25 Literflasche Coke und ner 250G-Packung Chips das Hostel betrat: “Mhh, what a healthy meal”. Ich hab mir aber jeden Kommentar verkniffen =) Brauche schliesslich auch mal Fett und Zucker :)

    Tobi

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