Jul 21 Bangkok vs. Inselleben

Bangkok bleibt spannend und ereignisreich.

Des oefteren sieht man ein huebsches Thai-Maedchen mit einem alten Sack umherlaufen oder mit einem abgefuellten Backpacker in einem schaebigen Hauseingang verschwinden. Natuerlich weiss man immer sofort was dort abgeht oder gleich abgehen wird…Man freut sich ja wenn sich Klischees und Vorurteile bestaetigen.

In meinem Hostel lerne ich unter anderem Chriss kennen der in Bangkok eine Thai ueber einen Bekannten aus einem Schueleraustausch kennt und sich fuer den Nachmittag mit ihr auf einen Cafe verabredet hat. Er erzaehlt wie nervig es sein kann immer gleich abgestempelt zu werden. “Die zeigen mit dem Finger auf dich und jeder weiss, du hast sie gekauft”.

Am Abend unternehmen wir zu dritt etwas und verbringen die Nacht in einem Restaurant und einer Bar. Natuerlich ist sich auch hier jeder sicher wo die beiden Deutschen mit der huebschen Thai gleich hinwollen.

Der letzte Tag in Bangkok: Wir treffen Chriss’ Bekannte wieder und lernen eine Freundin von ihr kennen. Sie ist TukTuk-Fahrerin und damit nach eigenen Angaben die einzigste Frau in diesem Buisness. TukTuks sind bunt, haben 3 Raeder, kennen keine Verkehrsregeln, und sind meist teurer als die regulaeren Taxis, weil sie keine Taximeter haben und die Fahrer die Fahrpreise beliebig festlegen koennen. Oft fungieren TukTuk-Fahrer auch als Schlepper in dem sie Touristen fuer wenig Geld Stadtrundfahrten versprechen aber sie dann tatsaechlich in ueberteuerte Reisebueros, Restaurants und Geschaefte jeglicher Art fahren. So bekommen sie fuer jede TukTuk-Ladung ahnungsloser Touristen 200 Baht, was stolze 5 Euro sind. Die Shopbesitzer verdienen immer noch genug, denn die Preise sind bei ueber 300% des ueblichen Preises angesetzt.

Chriss und ich sind natuerlich durch unsere TukTuk-Fahrerin und die Freundin eingeweiht und bekommen einen Dael angeboten: Wir erhalten eine kostenlose Stadtrundfahrt im TukTuk und besuchen dafuer ein paar Laeden in denen wir Interesse fuer ihre Produkte vorgaugkeln. In der Zeit in der wir um den besten Preis feilschen ueberreicht draussen jemand 200 Bhat an den Schlepper, also die Fahrerin. Ist das Geld in trockenen Tuechern verlieren wir das Interesse und verlassen den Laden. Somit verhelfen wir der TukTuk-Fahrerin zu einem Traumgehalt und haben gleichzeitig noch ein wenig Spass. Chriss ist von der “Fachberatung” eines laecherlich ueberteuerten Anzuggeschaefts so begeistert, dass er garnicht mehr aufhoeren will  zu verhandeln…Da stellt sich irgendwann auch hier die Frage: Wer verarscht hier eigentlich wen?

Zwischen den Schops ging es zu weiteren Tempeln Bangkoks von denen einer einen herrlichen Ausblick ueber die Stadt bot. Ich betete zu Buddha, zuende Raeucherstaebchen und Kerzen an und ermttelte meine Glueckszahl: 15. Buddha profezeit mir ein Glueckliches Leben, ich werde Tag und Nacht bis an mein Lebensende vom Glueck verfolgt, und sollte gerade eine Baby von mir unterwegs sein – ich hoffe nicht! – dann wird es zu 100% ein Sohn. Ich bin begeistert von so viel guten Nachrichten.

Ich fuhr im Nachtbus nach Chumporn und von dort aus mit der Faehre auf die Insel Koh Tao im Golf von Thailand.

Auf dem Weg lerne ich Milena, Annika und Marian kennen und wir begeben uns gemeinsam auf Unterkunftssuche. Eine alte Frau vermietet Bungalows fuer 300 Baht, und wir mieten uns zwei. Das sind 3,75 Euro pro Nacht. Es gibt billigere Unterkuenfte, aber fuer unser Geld bekommen wir etwas ordentliches, und die alte “Mama”, wie wir sie schnell nennen, ist nett und hilfsbereit.

Die Insel ist ein Tauch und ein Schnorchelparadies und wir buchen eine Schnorcheltour um die Insel. Korallenriffe, Seeanemonen, Seeigel, Cliffhaie, Baracudas, Springfische… Fuer Schnorchelneulinge wie mich eine zauberhafte Maerchenwelt. Ansonsten ist die Insel gemacht fuer den Strandurlaub, hat aber ihren thailaendischen Charme nicht verloren. Nur vor den Kokosnussbaeumen hatte ich zunehmend Respekt, nachdem Annika mir eine weltweite Studie ueber Kokosnusstote durch herrabfallende Kokosnuesse im Laendervergleich eroertert hatte.

Die Preise sind auch hier zu billig um den Strandbars und Restaurants zu wiederstehen. Leider habe ich mir irgendwo den Magen verdorben und muss ein thailaendisches Krankenhaus aufsuchen. Ich haette vorher wissen muessen das dies eine schlechte Idee ist. Statt der umgerechneten 25 Euro die der Besuch gekostet hat haette ich lieber 2 Dosen Pepsi an die Goetter opfern, und mir die Medikamentenliste von einem Hellseher zusammenstellen lassen sollen. Aber was wenn die Goetter lieber Coca Cola Light oder SpriteZero moegen? Man kann da ja so viel falsch machen…

Nach 3 Tagen gehen die Beschwerden zurueck und ich beschliesse mit den beiden Maedels nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias, aufzubrechen. Marian war bereits am Vortag auf eine Nachbarinsel abgereist, und so waren wir nur noch zu dritt. Vor uns liegt eine 30 Stundige Odysee mit dem Pickup, Nachtbot, Van und Bus…

Jul 9 24 Stunden in Bangkok

Der Airportbus setzte mich gegen 23:00 Ortszeit in der Phra Sumen Road aus.  Nun hiess es das Hostel finden, was garnicht so einfach war…  Ich war allerdings auch relativ schlecht vorbereitet und hatte nur die Wegbeschreibung des Hostels ausgedruckt:  ”Steigen Sie am Busstop aus und suchen Sie nach dem grossen Baum”. Klasse! Hier und da braust ein TukTuk vorbei, ein paar Strassenhaendler verkaufen immer noch Essen und Getraenke von ihren Mopeds oder Handwagen, ein paar Leute schlafen auf den Buergersteigen. Es wimmelt von Hunden und Katzen und TukTuks die mich zu PingPong-Shows fahren wollen….

Es gibt nichts schoeneres als mit 30 Kg Gepaeck und als Tourist geouted nachts durch Bangkok zu irren. Ich frage einen Securitybeamten nach dem Weg aber auch er hat keinen blassen Schimmer. Ich schaue auf sein Schild und muss lachen. Seine Securityfirma heisst TBS – lieber schnell weg!

Letztendlich fragt mich ein Thai ob ich Hilfe brauche und lotst mich korrekt durch die bunten Strassen. Nach dem einchecken geht es nochmal raus. Erste Eindruecke sammeln.

Ein echter Kulturschock. Eine fremde Welt.  Ueberall wimmelt es. Auf den Strassen kann man alles kaufen. Essen, trinken, neue Fueherscheine, die neuesten Raubkopien… Aus einem alten VW-Bus herraus werden die neuesten Spielfilme gezeigt, ein paar Backpacker sitzen davor und rauchen Wasserpfeife. Jede Seitenstrasse endet in einer weiteren Verschachtelung von Hinterhoefen und Nebenstrassen in denen wildes Treiben herscht. Um 1 Uhr ist es Zeit schlafen zu gehen. die Luftfeuchtigkeit und Hitze ist unertraeglich. Zum Glueck bin ich in einem 5 Sterne Hostel fuer umgerechnet 10 Euro die Nacht. Die Schlafraume haben Klimaanlage.

Der naechste Morgen: Ich mache mich auf zum Grand Palace, schlendere durch Tempelanlagen, bestaune Buddha-Statuen, Moenche, und den ehemaligen Regierungssitz des Koenigs.

Ich schlendere durch die Stadt. Die Stadt pulsiert. Der Koenig laechelt von Plakaten.  Ich wandere durch nicht enden wollende Strassenmaerkte, und hier und da kaufe ich etwas zu Essen. Hier umgerechnet 50 Cent fuer eine Portion Pommes, da 20 Cent fuer einen Chickenspiess, oder 25 Cent fuer ein Sandwich. Die Preise sind so unglaublich billig das ich den Wechselkurs gleich mehrfach ueberpruefen muss.

Ein Stand an dem gefaelschte Ausweise verkauft werden rueckt in den Mittelpunkt meines Interesses.  Ich koennte einen neuen Fuehrerschein gebrauchen, so dachte ich, mein Alter ist immer noch geklaut. Ich erkundige mich also nach dem Preis: 1000 Bhat, 25 Euro .Das ist allerdings Verhandlungsbasis.

Ein Studentenausweiss kostet nur 5 Euro. Dann dachte ich kurz ueber eine zweite Identitaet in Form eines neuen Personalausweises nach. Auf einer Liste erhaeltlicher Ausweise steht unter anderem “Lufthansa”. Ich wurde neugierig – das wollte ich genauer wissen. Ich blaettere durch eine ganze Mappe erhaeltlicher Ausweise, und dann fiel mir tatsaechlich die Kinnlade herrunter: Der Lufthansa-Mitarbeiterausweis. Ich bin mir sicher selbst Wolfgang Mayrhuber haette Original nicht von Faelschung unterscheiden koennen. Sogar die bitte die Ausweise bei auffinden direkt an die Zentrale nach Frankfurt zu schicken ist aufgrdruckt. Im Firmensystem ist der Ausweis natuerlich nicht erfasst und oeffnet so auch keine automatischen Sicherheitstueren. Trotzdem: Ich bin beeindruckt.

Am Abend tue ich mich mit einer Gruppe anderer Backpacker zusammen und wir fahren mit Taxis zum Nightmarket. Wir bezahlen fuer die 20 minuetige Taxifahrt umgerechnet 2 Euro und schlendern durch die Maerkte. An einem Stand werden Schwerter, Schlagstoecke und Elektroschocker verkauft. Eigentlich kann man in Bangkok alles kaufen, wenn man lange genug sucht. Letztendlich schlagen wir uns wieder die Bauche voll, und das Essen ist einfach zu billig um sich Gedanken darueber zu machen ob man nun gerade 2 Euro oder 40 Cent ausgegeben hat.

Wir unterhalten uns ueber den Koenig und darueber das in Bangkok eigentlich nichts mehr auf die blutigen Proteste der vergangenen Wochen hindeutet, nur hier und da weiss jemand ein paar boese Geschichten zu erzaehlen. Wir hatten das Thema gerade abgeschlossen als wir in eine Polizeisperre fuhren, in der grimmig dreinschaunde Polizisten den Leuten mit Taschenlampen in die Gesichter laeuchteten.

Ein Grossteil der Autos wird durchgewunken, aber unser Taxi bleibt stehen. Ich Spreche leider kein Thai, aber der Ton wird rauer. Der Fahrer wird aufgefordert auszusteigen, ein Polizist nimmt ihm seine Geldboerse ab, durchwuehlt die Papiere, ein anderer durchsucht das Handschuhfach. Haende hoch, wendet sich einer der Polizisten nun auch uns zu, hat allerdings ein laecheln auf den Lippen das signalisiert: Kein Problem fuer Euch.

Etwas mulmig wird uns allerdings schon. Hatte er das Taxi geklaut? Hat er keine Lizenz? Sind wir “in trouble”? Man gut das ich meinen Passport eingepackt hatte. Letztendlich duerfen wir aber weiterfahren. Vermutlich nur weil der Taxifahrer eine “Lebensversicherung” in vorm von vier Langnasen im Taxi sitzen hatte vor denen man keine Szene machen wollte.

Denn als wir anfahren erzaehlt er uns warum er angehalten wurde: Er hat 2 rote Streifen auf seinem T-Shirt, und wurde daher von den Polizisten als “Rothemd” eingestuft. Ob die roten Streifen nun zufaellig auf dem Tshirt gelandet waren oder ob er tatsaechlich den Widerstandskaempfern angehoerte, das verraet uns der Fahrer aufgrund seines schlechten Englishes nicht.

Was wir allerdings gelernt haben ist, das das Regime hinter den Kulissen einen enormen Druck auf die Wiederstaendler ausuebt um die aufkeimende Opposition zu unterdruecken.