Jul 9 24 Stunden in Bangkok

Der Airportbus setzte mich gegen 23:00 Ortszeit in der Phra Sumen Road aus.  Nun hiess es das Hostel finden, was garnicht so einfach war…  Ich war allerdings auch relativ schlecht vorbereitet und hatte nur die Wegbeschreibung des Hostels ausgedruckt:  ”Steigen Sie am Busstop aus und suchen Sie nach dem grossen Baum”. Klasse! Hier und da braust ein TukTuk vorbei, ein paar Strassenhaendler verkaufen immer noch Essen und Getraenke von ihren Mopeds oder Handwagen, ein paar Leute schlafen auf den Buergersteigen. Es wimmelt von Hunden und Katzen und TukTuks die mich zu PingPong-Shows fahren wollen….

Es gibt nichts schoeneres als mit 30 Kg Gepaeck und als Tourist geouted nachts durch Bangkok zu irren. Ich frage einen Securitybeamten nach dem Weg aber auch er hat keinen blassen Schimmer. Ich schaue auf sein Schild und muss lachen. Seine Securityfirma heisst TBS - lieber schnell weg!

Letztendlich fragt mich ein Thai ob ich Hilfe brauche und lotst mich korrekt durch die bunten Strassen. Nach dem einchecken geht es nochmal raus. Erste Eindruecke sammeln.

Ein echter Kulturschock. Eine fremde Welt.  Ueberall wimmelt es. Auf den Strassen kann man alles kaufen. Essen, trinken, neue Fueherscheine, die neuesten Raubkopien… Aus einem alten VW-Bus herraus werden die neuesten Spielfilme gezeigt, ein paar Backpacker sitzen davor und rauchen Wasserpfeife. Jede Seitenstrasse endet in einer weiteren Verschachtelung von Hinterhoefen und Nebenstrassen in denen wildes Treiben herscht. Um 1 Uhr ist es Zeit schlafen zu gehen. die Luftfeuchtigkeit und Hitze ist unertraeglich. Zum Glueck bin ich in einem 5 Sterne Hostel fuer umgerechnet 10 Euro die Nacht. Die Schlafraume haben Klimaanlage.

Der naechste Morgen: Ich mache mich auf zum Grand Palace, schlendere durch Tempelanlagen, bestaune Buddha-Statuen, Moenche, und den ehemaligen Regierungssitz des Koenigs.

Ich schlendere durch die Stadt. Die Stadt pulsiert. Der Koenig laechelt von Plakaten.  Ich wandere durch nicht enden wollende Strassenmaerkte, und hier und da kaufe ich etwas zu Essen. Hier umgerechnet 50 Cent fuer eine Portion Pommes, da 20 Cent fuer einen Chickenspiess, oder 25 Cent fuer ein Sandwich. Die Preise sind so unglaublich billig das ich den Wechselkurs gleich mehrfach ueberpruefen muss.

Ein Stand an dem gefaelschte Ausweise verkauft werden rueckt in den Mittelpunkt meines Interesses.  Ich koennte einen neuen Fuehrerschein gebrauchen, so dachte ich, mein Alter ist immer noch geklaut. Ich erkundige mich also nach dem Preis: 1000 Bhat, 25 Euro .Das ist allerdings Verhandlungsbasis.

Ein Studentenausweiss kostet nur 5 Euro. Dann dachte ich kurz ueber eine zweite Identitaet in Form eines neuen Personalausweises nach. Auf einer Liste erhaeltlicher Ausweise steht unter anderem “Lufthansa”. Ich wurde neugierig - das wollte ich genauer wissen. Ich blaettere durch eine ganze Mappe erhaeltlicher Ausweise, und dann fiel mir tatsaechlich die Kinnlade herrunter: Der Lufthansa-Mitarbeiterausweis. Ich bin mir sicher selbst Wolfgang Mayrhuber haette Original nicht von Faelschung unterscheiden koennen. Sogar die bitte die Ausweise bei auffinden direkt an die Zentrale nach Frankfurt zu schicken ist aufgrdruckt. Im Firmensystem ist der Ausweis natuerlich nicht erfasst und oeffnet so auch keine automatischen Sicherheitstueren. Trotzdem: Ich bin beeindruckt.

Am Abend tue ich mich mit einer Gruppe anderer Backpacker zusammen und wir fahren mit Taxis zum Nightmarket. Wir bezahlen fuer die 20 minuetige Taxifahrt umgerechnet 2 Euro und schlendern durch die Maerkte. An einem Stand werden Schwerter, Schlagstoecke und Elektroschocker verkauft. Eigentlich kann man in Bangkok alles kaufen, wenn man lange genug sucht. Letztendlich schlagen wir uns wieder die Bauche voll, und das Essen ist einfach zu billig um sich Gedanken darueber zu machen ob man nun gerade 2 Euro oder 40 Cent ausgegeben hat.

Wir unterhalten uns ueber den Koenig und darueber das in Bangkok eigentlich nichts mehr auf die blutigen Proteste der vergangenen Wochen hindeutet, nur hier und da weiss jemand ein paar boese Geschichten zu erzaehlen. Wir hatten das Thema gerade abgeschlossen als wir in eine Polizeisperre fuhren, in der grimmig dreinschaunde Polizisten den Leuten mit Taschenlampen in die Gesichter laeuchteten.

Ein Grossteil der Autos wird durchgewunken, aber unser Taxi bleibt stehen. Ich Spreche leider kein Thai, aber der Ton wird rauer. Der Fahrer wird aufgefordert auszusteigen, ein Polizist nimmt ihm seine Geldboerse ab, durchwuehlt die Papiere, ein anderer durchsucht das Handschuhfach. Haende hoch, wendet sich einer der Polizisten nun auch uns zu, hat allerdings ein laecheln auf den Lippen das signalisiert: Kein Problem fuer Euch.

Etwas mulmig wird uns allerdings schon. Hatte er das Taxi geklaut? Hat er keine Lizenz? Sind wir “in trouble”? Man gut das ich meinen Passport eingepackt hatte. Letztendlich duerfen wir aber weiterfahren. Vermutlich nur weil der Taxifahrer eine “Lebensversicherung” in vorm von vier Langnasen im Taxi sitzen hatte vor denen man keine Szene machen wollte.

Denn als wir anfahren erzaehlt er uns warum er angehalten wurde: Er hat 2 rote Streifen auf seinem T-Shirt, und wurde daher von den Polizisten als “Rothemd” eingestuft. Ob die roten Streifen nun zufaellig auf dem Tshirt gelandet waren oder ob er tatsaechlich den Widerstandskaempfern angehoerte, das verraet uns der Fahrer aufgrund seines schlechten Englishes nicht.

Was wir allerdings gelernt haben ist, das das Regime hinter den Kulissen einen enormen Druck auf die Wiederstaendler ausuebt um die aufkeimende Opposition zu unterdruecken.

Jul 8 Good Bye Australia…

Die letzten Tage kamen und gingen, blieben aber unspektakulaer.

Mehrmals haben wir bei zu geringer Bezahlung den Dienst quittiert und zur Zentrale telefoniert man koenne uns wieder abholen. Konnten keine neuen Leute fuer den genannten Arbeitslohn gefunden werden sprang dieser oft ueberraschend um 80-100% an, was uns doch wieder motivierte den darauffolgenden Tag arbeiten zu gehen und auch einigermassen lukrativ war. Wichtig war, dass alle am gleichen Strang zogen. Ich denke unsere “Gewerkschaft” war zum Schluss ganz gut etabliert.

Im Nachbarort haben die Bewohner eines anderen Arbeitshostels in einer naechtlichen Gemeinschaftsaktion mit Farbe “FUCK VICKY” aufs Hausdach geschrieben. Hier ist eine Frau die Managerin des Hostels und der gleiche Name - Vicky- ist rein zufaellig. Sie hatte den willigen Arbeitern deren Ansicht nach schlechte Jobs vermitelt und sie ebenfalls mit zu hohen Zusatzgebuehren ueber den Tisch gezogen. Ich finde die Protestaktion gut. Wenn es nach mir ginge, haette die Kritik ein bisschen konstruktiver sein koennen. Zum Beispiel “Faire Loehne fuer harte Arbeit” oder “Warum soll ich eine 30 Dollar Verwaltungsgebuehr zahlen wenn ich nur 25 verdiene?”. Aber Backpacker sind kronisch Pleite und Farbe ist teuer - so muss jeder Buchstabe gut ueberlegt sein. Die Nachricht verfehlte ihre Wirkung nicht.

Am 6 Juli mache ich mich mit dem Nachtbus auf den Weg zurueck nach Melbourne, von wo am 8 Juli mein Flug nach Bangkok, Thailand geht.

Vor 10 Tagen habe ich mir beim Arbeiten einen Ast ins Auge gehauen, und da die Schmerzen und der Druck auf dem Auge nach 10 Tagen immer noch nicht besser waren und die Schmerzen nun auch Richtung Ohr und Hals zogen entschied ich einen Arzt aufzusuchen. Besser in Australien als in Thailand. Da ich schwarz gearbeitet habe und der Arbeitsunfall nicht versichert ist ueberlegte ich mir eine plausible Geschichte damit meine Reiseversicherung dafuer aufkommt.

So einfach war eine plausible Geschichte garnicht zu generieren. Wie waers damit? “Wissen Sie Herr Doctor, ich weiss, hier gibts eigentlich nur Wuesste, aber da war dieser eine Baum, und der Ast ist einfach so, ganz einfach so, direkt in mein Auge. Und die anderen 25 Schrammen in meinem Gesicht? Ich habe keine Ahnung wo die herkommen.”

Klingt nicht ueberzeugend, ich hoffe mir faellt beim Arzt was besseres ein!

Ich suchte zuerst einen Optiker auf, und fragte dort an der Rezeption wo ich einen guten Augenarzt finde. “Das kann ich machen”, meldete sich eine nicht wenig akraktive Aerztin Anfang 30, die das Gespraech mitgehoert hatte, und direkt bei dem Optiker arbeitet. “Haste ne Medicard?”(eine Art australische Krankenversicherung). “Nee, hab ich nicht, bin nen Tourist” . “Na normalerweise muss ich dir das berechnen, aber komm einfach mal mit, das machen wir so. Hast dir nen guten Tag ausgesucht, ist sowieso nichts los.”

Mein Glueckstag! Gefunden wurden keine Fremdkoerper mehr, das Auge ist auch nicht verletzt, allerdings stellt sie eine durch den Fremdkoerper ausgeloeste allergische Reaktion fest die behandelt werden muss. Zurueck an der Rezeption muss sie mir nun noch ein Rezept ausstellen, aber der Boss ist da, und der hats bestimmt nicht gerne wenn Leute gratis behandelt werden. Clever greift sie zu einer “Ihr naechster Termin mit Frau…”-Karte, und schreibt statt Namen, Datum und Uhrzeit den Namen meines Medicaments in die Zeile. Ich bedanke mich mit einem netten laecheln, und eile davon.

Am 8 Juli verabschiede ich mich am Flughafen von meinem heissgeliebten Gaskocher bei dem ich leider vergessen hatte die Gaskartusche zu lehren, und fliege mit Jetstar, einem australischen Low-Cost-Carrier, nach Bangkok…