Feb 3 Alles easy…

Am 15 Januar suchte ich einen Anbieter für Kanutouren durch den Wanganui-Nationalpark auf. Da der Wanganuifluss eine Menge Stromschnellen hat, die manchmal auch gefährlich werden können hat er mir gesagt ich solle nicht alleine rudern. Für den 16. hatten sich bereits drei andere Teilnehmer angemeldet und ich beschloss mich der Gruppe anzuschließen und tat am 15. Januar mal garnichts.

Ich fragte den Anbieter noch ob er eine tolle Location für einen Overnightstop für die Nacht wüsste, und er bat mir an kostenlos auf seinem Grundstück das direkt am Fluss liegt zu schlafen. Perfekt. Und mal wieder sehr gastfreundlich. Gegen Abend kam einer seiner Söhne(Josch, 16) runter an den Fluss und ging fischen. Da ich ihm erzählte ich habe noch nie gefischt, würde aber gerne mal, brachte er mir eine kleine Angel mit und brachte mir kurz die Wurftechniken bei .

Nach einer Stunde hatte ich zwei dicke Regenbogenforellen gefangen und er ging leer aus. Anfängerglück! Aber was soll ich nun damit anfangen? Ich bat ihn mir zu zeigen wie ich den Fisch zubereite und wir machten uns auf dem großen Grundstück mit dem Auto auf zum Haus wo er mir dann voller stolz zeigte was bereits er von seinem Vater gelernt hatte. Wärend er die größere Forelle mit gekonnten Handgriffen zerlegte und mir jeden Schritt genau erklärte machte ich ihm jeden Schnitt an der kleineren Forelle nach. Ein paar seiner noch jüngeren Geschwister, insgesamt hatte die Familie 6 Kinder, guckten ihm teils skeptisch, teils begeistert zu.

Am Ende standen wir 3,5 Stunden in der Küche und bereiteten den Fisch in allen nur möglichen Arten zu. Es gab Regenbogenforelle gebraten, gekocht, fritiert, paniert und dann fritiert und als Fish&Chips. Ich durfte anschließend entscheiden was am besten schmeckt. Es war nun schon 23:00 Uhr und wir beschlossen schlafen zu gehen. Die Küche sah aus wie ein Saustall und ich hatte ein bisschen schlechtes Gewissen. Josch aber stellte eine halbe lecker fritierte Regenbogenforelle auf den Tisch und sagte „Den Rest macht Mama, dafür kriegt sie ja auch was zu Essen. Das ist der Trick“. Ich widersprach nicht, fuhr mit meinem Van runter an den Fluss und schlief ein…

Am 16. Januar gings dann los. Als ich morgens das Haus betrat herschte wildes Treiben. Ein gesunder Famlienbetrieb, und jedes Familienmitglied wird mit eingespannt. Selbst die elfjährige Rosalie nimmt selbstständig und selbstbewust Anfragen und Buchungen entgegen. Es geht auf zur viertägigen Kanutour durch den Nationalpark.

Meine Gruppe bestand schließlich aus drei Deutschen. Ein Mediziner mit Testosteronüberschuss und zwei Mathematikstudentinnen: Keine gute Mischung! Das Hauptziel am ersten Tag (und auch an den folgenden Tagen)bestand darin zu testen wer der drei im sonst so stillen Nationapark am lautesten „Penis“ schreien konnte. Ich zog es also ab dem zweiten Tag vor alleine zu rudern und verabredete mich mit den dreien jeden Abend für eine Hütte entlang des Flusses. Sollte ich nicht auftauchen können sie immer noch einen Ranger aufsuchen oder über eine der wenigen Notrufstationen einen Hilferuf absetzen. Wenn hier etwas passiert dauert es sowieso Stunden bis ein Notruftelefon erreicht ist, geschweige denn der Hubschrauber jemanden gefunden hat.

Gesagt getan. Gute Idee. Toller Nationalpark. Wenn man da so hingleitet, die Natur rauscht links und rechts an einem vorbei, könnte man denken man sei der letzte Mensch auf Erden. So friedlich. So unberührt. Kleine Wasserfälle plätschern links und rechts in den Wanganuifluss, ein paar Ziegen stehn am Ufer. Einmal bin ich in einer Stromschnelle gekentert. Garnicht so einfach sich bei der Strömung um Boot, Paddel und sich selbst zu kümmern. Nach 5 Minuten erreichte ich eine Stelle an der die Strömung so schwach war das ich das Ufer erreichen konnte und mein Boot neu beladen.

Vom Whanganui Nationalpark gings am 19. nach Taurangi, einer kleinen Stadt die ich schon einmal kurz durchquert hatte. Taurangi ist die Hochburg der Regenbogenforellenfischer. Ich wanderte zwei kleinere Wanderwege ab und schaute ein paar Fischern beim fischen zu. Ich muss sagen das ich die letzten Tage das erste mal so etwas wie eine tiefe Zufriedenheit einstellt. Ich lasse mich einfach treiben…

Am 20. Fahre ich von Taurangi wo ich am Fluss übernachtet habe eine 150km lange Straße Richtung Napier. Ich ignoriere das Schild „Straße für Caravans nicht geeignet, keine Tankstellen, keine Werkstätten, nicht geteerte Teilstücke“ und fahre durch ein von Schaf- und Rinderherden geprägtes Stück Neuseeland. Nur ab und zu kommt eine kleine Farm. Und dann kommt eine Schotterpiste die es in sich hat. Aber der Van meistert schließlich alles Problemlos. Ich fahre bis zu einem großen Waldpark und finde durch Zufall einen kostenlosen DOC-Campingplatz. Niemand, außer zwei Holländern ist da, ich gehe am Fluss schwimmen, sonne mich, mache eine kleine Wanderung auf einen Berg, genieße die Aussicht, und machte Abends mit den beiden Holländern ein Feuer.

Am 21. fahre ich weiter nach Napier und lerne auf einem Parkplatz am Meer ein paar andere Leute kennen die auch mit dem Van unterwegs sind. Hier in Napier machen eine Menge Leute mit ihren Vans halt. Erstens weil es hier recht schön ist, und auch weil viele hier auf Arbeitssuche als Fruitpicker gehen. Es bildet sich eine Gruppe von 6 Leuten herraus und wir sitzen Abends an unseren Vans, kochen, tauschen Reiseerlebnisse aus, gehen zusammen bei einer deutschen Bäckerei einkaufen, wandern zum Cape Kidnappers und haben einfach nur Spaß. Ich bleibe drei Tage hier und genieße einfach den Tag und die Gesellschaft, bevor ich beschließe mich am 24. gegen Mittag auf den Weg in den Ruewera Nationalpark zu machen. Ich verabschiede mich von den anderen die heute teilweise auch weiterziehen, kaufe einen Großvorrat im Supermarkt ein, tanke voll und knattere los. (Mein Auto macht wieder neue Geräusche, aber es fährt!)

Ich mache Pause an einem kleinen See bevor ich gegen Abend im Urewera-Nationalpark ankomme. Herzstück des Nationalparks ist der See Waikaremoana. Ich suche mir ein nettes Plätzchen für die Nacht und beschließe am nächsten Tag auf eine viertägige Wanderung zu gehen.

Am 25. regnet es, aber ich mache mich trotzdem auf zum Visitorcenter um mich über den „Great Walk“ den ich um den See laufen möchte zu erkundigen und um den Wetterbericht einzuholen. Mir gegenüber steht iemand den ich für einen Maori halte, aber ich habe das Gefühl da stimmt was nicht. Die Wangenknochen sind viel zu kantig. Egal.

Er fragt zwar wie er mir helfen kann, ich habe aber das Gefühl er ist nicht besonders motiviert. „Wie ist denn das Wetter die nächsten Tage?“ „Niiiiikt guut“ meint er auf Deutsch, und ich sehe das mich mein Akzent mal wieder verraten hat. „Das heißt?“ „Regen.“ „Viel Regen? Den ganzen Tag oder nur Stundenweise?“ „Naja, es regnet halt, heißt ja schließlich auch Regenwald“ (Spassvogel…!) Nach einigem nachbohren meint er das es vor Donnerstag nicht aufklaren soll, und das wäre „niiiikt guut“, aber da sie hier ein Mikroklima haben kann es sich stündlich ändern.

Ich gehe nach draußen, überdenke meinen Plan, mein Proviant, meine Ausrüstund und stolpere zurück in das Visitorcenter um die Hütten auf dem Track zu buchen. „Alleine?“ „Ja, Alleine“.
Nun blickt er das erste mal auf und ich habe fast das Gefühl als hätte ich mir gerade seinen Respekt erarbeitet. Er wird zur richtigem Plaudertasche und erzählt mir sein Name sei „Richard Wagner“ was oft zu Problemen führt weil deutsche Besucher am Telefon immer denken er wolle sie auf den Arm nehmen. Seine Mutter sei Maori, sein Vater Engländer gewesen, und seine Oma stamme aus Österreich. Daher seine verblasten Deutschkentnisse. Die seien „niikt guut“.

Ich kann mir das lachen eigentlich kaum verkneifen. Da sitzt im tiefsten Busch irgendwo in Neuseeland ein Maori in einem Nationalpark, hebt den Telefonhörer ab und sagt „Richard Wagner speaking, how can I help you?“.

Wo er nun aber schon so am erzählen ist frage ich ihn noch ob er mir sagen kann wie sich ein Kiwi-Vogel anhört. Es steht nämlich des öfteren geschrieben das man die scheuen Vögel nachts von den Berg- oder Wanderhütten aus hören kann, aber da ich nicht weiß wie sich ein Kiwi anhört weiß ich auch nicht ob ich einen gehört habe.

Richard geht zur Wand und nimmt eine Uhr von der Wand. Sie spielt zu jeder vollen Stunde einen anderen Vogel ab und Richard nimmt sich jetzt die Zeit und spielt mir alle 12 Vögel vor und erklärt mir Name und Gesang. Er verabschiedet sich mit „Tschüüss“, und ich erwiedere den Gruß.

Ich parke das Auto auf einem Campingplatz in der Nähe des Visitorcenters, weil ich hoffe das es dort am sichersten steht und trampe zum Start des Tracks. Normalerweise bucht man ein Wassertaxi was einen zum Trackstart bringt und vom Endpunkt abholt, aber ich bin der festen überzeugung das es auch billiger bzw. gratis geht. Es gibt nämlich eine Schotterpiste die den See halb umrundet und an Anfangs- und Endpunkt vorbeikommt. Einzige Schwierigkeit ist nur zu warten bis das erste Auto kommt.

Der erste Geländewagen ist voll, im zweiten Auto sitzt ein Ehepaar das als es mich sieht wild zu gestikulieren anfängt, langsamer wird, wieder schneller wird, und in dem Mann und Frau bestimmt noch die nächsten zwei Stunden darüber diskutieren ob man mich nun hätte mitnehmen sollen / können / dürfen oder nicht. Das dritte Auto ist ein Firmenvan der von einem Japaner gesteuert wird. Er hält an und nimmt mich mit zum Startpunkt. Er ist auf dieser verlassenen Strecke auf dem Weg zu einem Wasserkraftwerk um dort Wartungsarbeiten durchzuführen. Während der Van von einem Schlagloch ins andere rast erzählt er mir, sein Chef habe ihm gesagt er solle sich auf dieser Strecke viel Zeit lassen. Wichtig sei nicht wie viel Stunden er braucht, wichtig sei der Van landet nicht im See. Beruhigend. Ich komme heile an.

Die vier Tage gehen schnell vorbei. Das Wetter bleibt durchwachsen. Am ersten Tag geht es von wenigen Höhenmetern auf eine 1.300 Meter hohe Felswand, auf der die erste Hütte steht. Ich sehe leider nur eine weiße Wand, unterhalte mich Abends aber mit einem Schweizer der auf der selben Strecke unterwegs ist. Ansonsten sind hauptsächlich Neuseeländer unterwegs, der Track ist touristisch nicht ausgetreten.

Am nächsten morgen werde ich wach und wir werden kurz für die Strapatzen des Vortages belohnt. Die Wolken bzw. der Nebel reißt kurz auf, und gibt den Blick auf den im Tal liegenden See und die umliegenden Berge frei. Es folgt der Abstieg, die Übernachtung in der zweiten Hütte, und zwei weitere Tage die bei mehr oder weniger gutem Wetter durchwandert werden.

Meine Füße bestehen nur noch aus Blasen, nachdem die letzten Wochen „Sandflies“, eine der fiesesten Einwohner Neuseelands, die aussehen wie harmlose Fruchtfliegen meine Füße total zerstochen haben. Die empfindliche Haut und die vielen Stunden im Wanderschuh haben sich nicht vertragen. Immerhin bekomme ich von einer Neuseeländerin die Mitleid hat ein Anti-Sandfly spray geschenkt und freue mich 18 Dollar gespart zu haben :-)

Am 28. Januar, angekommen am Endpunkt der Wanderung, mache ich mich auf den Weg zu meinem Auto.Es führt eine mirkrige Schotterstraße vorbei, die in der Mitte von Gras überwuchert wird. Das ist definitiv nicht die „Hauptstraße“ die um den See führt und auf der ich trampen wollte. Oder doch? Kein Auto weit und breit. Ich gucke nach links und rechts, entscheide mich für rechts, und verabschiede mich bei den anderen Wanderern die auf ihr Wassertaxi warten. Ich laufe und laufe, und dann hört die Straße einfach auf. Eine halbe Stunde später laufe ich winkend (und lächelnd!) an den immer noch wartenden Wanderern vorbei in die andere Richtung. Richtig! Nach 20 Minuten bin ich auf der Hauptschotterpiste. Da kein Auto weit und breit zu sehen ist laufe ich wieder ein paar Minuten, stelle mich dann in den Schatten und will gerade meine Wasserflasche auspacken als sich in der Ferne hinter den Kurven auf dem Schotter ein Autogeräusch abzeichnet. Daumen raus. Doch der Pickup ist bereits randvoll. 4 Erwachsene und ein Baby. 1 Minute später ein Geräusch aus der anderen Richtung:

Der Pickup kommt im Rückwärtsgang, die Kurven in der selben Geschwindkeit nehmend wie vorwärts. Sie haben leider kein Platz, aber wenn ich will kann ich ja auf die Ladefläche hüpfen. Gesagt getan. Ich knattere zwischen Kinderwagen und Ladeplane für 20 Kilometer über feinste Schotterpiste und genieße die atemberaubende Aussicht die der See von dieser Seite zu bieten hat. Das ist doch immer noch die schönste Art zu reisen. Am Visitorcenter werde ich abgeladen. Die Frau meint, als sie mich dort so stehen sehen hat und sich gefragt hat wann wohl der nächste Wagen vorbeikommt mussten sie einfach anhalten. Ihr Mann erzählt mir stolz er habe heute morgen ein Rotwild geschossen, das müsste ich doch von zu Hause kennen…Es hängt grade zum Ausbluten auf dem Campingplatz.

Ich bedanke mich fürs mitnehmen, laufe zurück zu meinem Wagen, verbringe noch eine Weile am See und fahre dann langsam Richtung Napier zurück. Ich übernachte auf einem kostenlosen Campingplatz an einem kleinen See.

Am 29. gibt es Haferflocken mit Honig. Die neugierigen schwarzen Schwäne, welche glatt in den Van flattern würden, würde man ihn nicht zuschließen, werden erfolgreich verscheucht. Zufrieden setze ich den Wagen zurück, überrolle meine zum auslüften nach draußen gestellten Wanderschuhe und mache mich ohne das Gepolter zu hinterfragen auf nach Napier von wo aus es nun nach Wellington, und von da Richtung Süden gehen soll… „Man is und bleibt haltn Schussel“ hat das ein Luxemburger mal treffend formuliert, nachdem ich ihn noch gerade rechtzeitig darauf aufmerksam machen konnte das er seine kompletten Dokumente auf dem Autodach liegen lassen hat und gerade davondüsen wollte…

Heute mache ich mal richtig Kilometer, und komme gegen Abend barfuss in Wellington an. Unterwegs habe ich nochmal kurz in Napier welches auf dem Weg lag halt gemacht, noch einmal für 1 Dollar geduscht, bei der deutschen Bäckerei ein belegtes Fladenbrot mit Chicken und Cambert gekauft, und ab gings….

In Wellington finde ich auf anhieb einen Stellplatz für nur 4 Dollar die Nacht auf dem sich schon diverse Wohnmobilisten einquartiert haben und komme noch gerade rechtzeitig um das Abendrot der gerade untergegangenen Sonne zu genießen. Wellington ist schön.

Am 30. suche ich zuerst das Visitorcenter auf um eine Fähre auf die Südinsel zu buchen. 165 Dollar ist das billigste Angebot, dafür fährt die Fähre am Dienstag schon um 3:00 Uhr morgens. Egal. Ich frage die gute Frau noch nach einem Shoppingcenter, mit dem Hinweis ich bräuchte wohl neue Schuhe, und bekomme in meinem Stadtplan jedes verdammte Schuhgeschäft der Stadt eingezeichnet. Frauen und Schuhe kaufen. Es gibt Dinge die sind und bleiben überall auf
der Welt gleich.

Ein vernünftiges Paar Wanderschuhe ist garnicht so einfach zu finden und ich habe die Wahl zwischen Outdoorschuhen aus einem Fachgeschäft für 600 Dollar die zu Hause bei Deichmann nicht über 40 Euro gehandelt werden, oder Schuhen für 30 Dollar, die in Deutschland von der EU aufgrund von gesundheitsgefährdender Ergonomie garnicht eingeführt werden dürften. Ich entscheide mich für die 30 Dollar Variante. Aber es gibt ja besseres als sich über Schuhe zu ärgern.

Ich wandere mit meinen neu erworbenen Schuhen auf in den Botanischen Garten, zur Cable Car-Station, zum Planetarium was leider gerade wegen Renovierung geschlossen hat, und komme, warum auch immer, auf die Idee mich für eine Führung durchs Parlament anzumelden. Kameras sind leider verboten.

Das Gebäude, der Lesesaal, die Bücherei, selbst der Ballsaal: Alles ist so perfekt angeordnet, man hat das Gefühl alles ist Teil einer einzigen Dekoration. Jedes Buch an seinem wohlbedachten Platz. Jedes Bild an der Wand mit Wasserwage vermessen. Der Teppich wie neu verlegt. Die Fliesen wie frisch gekachelt. Selbst die 300 Jahre alte Pendeluhr im Treppenhaus der Bücherei sieht aus wie ein gerade vom Band gelaufenes Replica. Sogar die Blumen scheinen der Geometrie zu gehorchen, ich kann mich aber gerade noch zurükhalten als Beweis der Echtheit eines der Efeublätter im Kamin(!) zwischen meinen Fingern zu zerreiben. Die Queen wäre sicher „not amused“.

Zufällig auch bei der Führung ist Melanie die in Deutschland Linguistik studiert hat und gerade mit einem Team an einem Buch schreibt. Da sie von „zu Hause“ aus arbeitet, kann sie sich die Arbei t auch mitnehmen und ist derzeit in Neuseeland untergekommen. Wir verstehen uns ganz gut, begeben uns zusammen noch etwas auf Sightseeing und fahren dann zuasammen auf einen Aussichtspunkt „Mt Victoria“ von dem man einen schönen Ausblick auf die Stadt hat.

Wir bekommen Hunger. Und da ihre WG die aus 8 Leuten besteht, in der aber immer 20 Leute zu Besuch sind, sich heute zum Pizza Essen verabredet hat werde ich kurzerhand mitgenommen. Melanie, die schon einige Minusstunden angesammelt hat muss noch was tun, und ich fahre wieder in die Innenstadt wo ich dieses mal nicht wirklich gut zwischen Supermarkt, Partymeile und Strandpromenade übernachte. Bin aber zu Faul nochmal umzuparken.

Ich lese noch etwas in meinem neuen Buch „The Geography of Bliss“ in dem ein Journalist mal wissenschaftlich aber größtenTeils mit viel Humor untersucht, wo auf der Welt Menschen am Glücklichsten sind, und vor allem warum. Steht Happyness vielleicht in korellation zu Geld, Religion, Freiheit, Demokratie, oder der Natur eines Landes? Wie lässt sich „Happyness“ messen? Lässt sich Glück überhaupt in jeder Sprache gleich übersetzen und lässt es sich dann noch vergleichen? Fragen über Fragen. Dann gehe ich schlafen…

Am 31. regnet es und es ist windig. Die Stadt hat also zurecht den Spitznamen „Windy Wellington“. Piloten die hier landen, brauchen aufrund der Wetterverhältnisse und der kurzen Landebahn ein spezielles Typrating.

Ich besuche das Museum of New Zealand „Te Papa“. Es ist wie das Museum in Auckland so groß, das es unmöglich ist alles zu erkunden. Immer wieder begeistert bin ich jedoch von Ausstellungen über Vulkane, Erdbeben und die Plattentechtonik. Unter Neuseeland stoßen zwei Platten aufeinander und man kann an einem Modell durch pressen diverser Hebel simulieren wie das Land in den nächsten zehntausend Jahren seine Gestalt verändern wird. Als ich gerade dabei bin Wellington von der Karte zu radieren beschließe ich das es Zeit wird zu gehn…

Am Nachmittag folge ich der Einladung Melanies, welche regelmäßig zur Bibelstunde geht und am Sonntag die Kirche besucht, und gehe mit ihr zum Gottesdienst in die „Arise Church“.

Ich muss ehrlichkeitshalber zugeben das mich mehr der Mangel an Alternativen, die Tatsache Melanie wieder zu sehen und unter Menschen zu sein, sowie die Neugierde an der Art von Kirche dazu bewegt hat mitzugehen als die Tatsache ein bibeltreuer Christ zu sein. Melanie hatte mir bereits am Tag zuvor erzählt das die „Arise Kirche“ eine lebendige Kirche ist, die sich mit dem was wir Gottesdienst nennen schwer vergleichen lässt.

Was ich dann mitverfolgte war tatsächlich ein Erlebnis. Der Beginn des Gottesdienst der in einem großen Eventcenter der Stadt stattfand erinnerte mich mehr an ein Rockkonzert als einen Gottesdienst. Inklusive Nebelmaschinen, Großbildleinwand und Lasershow. Da kann jeder Pastor einpacken! Es wurde getanzt, geklatscht, und natürlich gebetet. Ein passionierter Gastprediger aus Australien hielt den Großteil des Gottesdienstes. Ich hatte tatsächlich so etwas wie ein spirituelles Massenerlebnis, obwohl ich persönlich irgendwie keinen Draht nach oben habe. Vielleicht bin ich einfach zu aufgeklärt, oder rational, zu hinterfragend – ich habe keine Ahnung. Wann war ich das letzte Mal in der Kirche? Zur Konfirmation?

Anschließend stellte mir Melanie noch Lilly und Andrew vor die auch in der Kirche waren und wir besuchen zusammen ein Cafe in Wellington. Bevor wir gingen sagte mir Lilly dann noch, es klänge jetzt bestimmt komisch für mich, aber sie hätte während des Gottesdienstes wahrgenommen das auf meiner Reise bisher einige unschöne Dinge (der Überfall, der Unfall) passiert seien, und sie hätte dafür gebetet das ich in Zukunft von einer Gruppe von Schutzengeln begleitet würde und die Richtigen Leute treffe. Denn nichts passiert zufällig meint sie. Deswegen sei ich ja hier.

Gut. Vielleicht gibt es Dinge, die kann man nicht erklären, sondern man muss sie glauben. Oder auch nicht. Melanie schenkt mir eine Bibel und wir verabschieden uns.

Ich fahre in den New World Supermarkt und kaufe…Kartoffeln (Insider ;-) ). Meine Bratkartoffeln misslingen furchtbar und sind bis Zur unkenntlichkeit entstellt. Hätt ich mal nicht am Öl gesparrt.

1. Februar: Da ich heute wegen eines defekten Parkautomaten den ganzen Tag über frei im Hafen stehen kann habe ich mir vorgenommendas Geld anders zu verprassen: Ich besichtige die Artgallery! Dort stellt gerade eine international anerkannte Künslerin Yayoj Kusama aus, die seit ihrer Kindheit besessen von Punkten ist, was mehrere psychatrische Gutachten bestätigen. Ihre Inspiration schöpft Kusama aus Visionen und Haluzinationen die sie als junges Mädchen gehabt hat! Nachdem ich einige ihrer Werke begutachtet hatte war ich sicher: Was immer die damals geraucht haben, es muss gut gewesen sein!Ich schaute mir einen circa zwanzigminütigen Film an in dem sie ihren Punktwahn in zwei Sexorgien verarbeitet und bin nun überzeugt: Sowas kriegen nur chemische Drogen hin!

Die letzte Person die ich kannte, die annähernd das selbe Stadium erreicht hat, war ein Schulkamerad der bei einem großen deutschen Chemiekonzern arbeitend, nach Feierabend so tolle bunte Pillen kreiert hat das er schließlich in vollem Indianeroutfit einen Streifenwagen inklusive Polizisten atakierte bevor die Männer in den weißen Kitteln ihn einfangen konnte… Traurige Geschichte.

Ein paar Lichtpunktinstallationen fand ich künstlerisch jedoch sehr beeindruckend. Ein Highlight war ein dunkler komplett verspiegelter Saal, dessen Boden mit Wasser geflutet war, und in dem tausende LEDs von der Decke baumelten. Die bunten Punke spiegelten sich in Spiegeln, im Wasser und boten die Illusion in die Unendlichkeit zu schauen.

Am Abend bin ich bei Melanie und der WG zum Essen eingeladen, es gibt Lasagne und TipTop-Eis zum Nachtisch. Wir spielen Karten, und um 23:15 mache ich mich auf den Weg und fahre zum Fährterminal wo um 3 Uhr morgens meine Fähre auf die Südinsel geht. Ich checke ein, und stelle mich in die Autoschlange, gehe nach hinten und schlafe für zwei Stunden bis ich vom Einweiser geweckt werde. Auf gehts gen Süden.

Die Entscheidung Nachts zu fahren war, abgesehen vom billigeren Fährticket, ganz gut. Nach einer Fahrt in Dunkelheit durch die Cook-Straße wurden wir mit einem schönen Sonnenaufgang über dem „Marlborough-Sound“, belohnt.

Am 2. Februar kommen wir um 6:00 morgens an, ich bin hundemüde, und beschließe mich in Picton, wo die Fähre angelegt hat an die nächstbeste Straße zu stellen und ein Nickerchen zu halten. Dumm, wenn man das Licht angelassen hat. Man ist und bleibt halt nen Schussel. Zwei Neuseeländer helfen mir gegen 9:30 den Nissan anzuschieben, der auch sofort wieder anspringt.

Ich beschließe, noch müde, heute nur ein paar km Strecke zu machen und die Straße nähe des fünftägigen „Queen-Charlett-Sound“-Wanderweges abzufahren. Die paar km werden dann schnell ein paar mehr. 100 um genau zu sein, was daran liegt das sich die Straße mal wieder hoch und runter, links und rechts, anlang der hügligen Küstenlinie entlangschlängelt.

Nach einer Weile wird die Teerstraße zur Schotterpiste und irgendwo kurz vor Ende der Straße, vor einer tollen Küstenlandschaft, steht auf einmal ein Polizist vorm Streifenwagen und ließt Zeitung auf der Motorhaube. Damit ihm nicht zu Langweilig wird hat er sich einen Kumpel mitgenommen, der bereitwillig Fotos von mir vor netter Scenerie schießt. Was tut er hier? Geklaute Schafe zählen? Kuhschubser auf Frischer tat ertappen? Möwe ermahnen links zu fliegen?

Am Ende der Straße hat in einer traumhaft schönen Bucht jemand ein Toilettenhäuschen auf eine Schafswiese gestellt und somit einen tollen Campingplatz errichtet. Der Strand und die vielen kleinen Inseln im Wasser bilden zusammen mit Steilküste und Dünenlandschaft eine tolle Szenerie. Da ich mehrere Stunden gebraucht habe die Piste runterzudüsen und es schon 15:00 ist beschließe ich hier zu übernachten und lese in meinem Buch über Happyness.

Wie gesagt versucht der Author das glücklichste Land der Welt zu finden und stellt Glück in Bezug zu diversen Dingen. Das Geld nicht dauerhaft glücklich macht ist ja allgemein bekannt.Es macht zwar Glücklich, aber nur sehr kurzfristig. Bin ich heute Glücklich wenn ich eine Uhr für 5.000 Euro kaufe, brauche ich nächste Woche eine Uhr für 10.000, und in zwei Monaten eine Uhr für 30.000 Euro um das selbe Glück zu verspühren. Die Geld/Glück-Korellation wächst expotentiell. Soweit nichts neues.

Eine Tatsache fand ich allerdings interessant und will sie kurz erwähnen: Es gibt bisher nur eine bekannte Sache -und das ist wissenschaftlich und mit Hirnstrommessungen faktisch belegt – die nach Erwerb auf dauerhaftem Level glücklich macht. Und das ist…tadadada…eine Brustvergrößerung! Das gilt für die Frau, als auch für den Mann der die Silikonimplantate bezahlt hat. Gut,das erklärt einiges. Und die Moral von der Geschichte? Lass den Ferrari im Autohaus, besorg deiner Freundinn dicke Möpse. Mein Bedarf an Happyness ist für heute gestillt. Ich gehe schlafen, und die Natur schenkt mir einen beeindruckenden Sonnenuntergang.

3 Februar. Ich hatte am Abend zuvor unter einem großen Baum geparkt, und da dieser bei warmer Sonne angenehmen Schatten spendet habe ich Schafe vorm Auto, hinterm Auto, unterm Auto. Ich versuche meinen Van rückwärts von der Wiese zu manövrieren, in der Hoffnung die Schafe hinter mir würden weichen, bis ich nach einem kleinen Widerstand ein leidgeplagtes und trotziges„Mähhhh“ vernehme. Ich Schalte in den ersten Gang und beschließe die Wiese im Vorwärtsgang zu verlassen. Ich Hoffe das Schaf trägt es mit Fassung.

Ich fahre zurück nach Picton wo ich ein paar Kleinigkeiten erledige und meine Webseite update.

Jan 14 Liebes Tagebuch…

Ich verliess die Werkstadt in Auckland mit einer Rechnung über 80 NZD = 40 Euro, oder besser gesagt ohne Rechnung – man arbeitet auch hier gerne mal „Mehrwertsteuerfrei“ – und machte mich auf gen Süden. Alles lief super. Das Wetter war gut, der Wagen marschierte und surrte wie ein Kätzchen. Sogar Mastercard hat mir die 1000 Euro aus dem Überfall in Johannesburg „vorläufig“ gutgeschrieben. Muss ja auch mal alles nach Plan laufen.

Die letzten zwei Nächte vor Aufbruch hatte ich gratis im Hafen von Auckland geschlafen, und ein paar echte „Dauercamper“ kennen gelernt die überall in der Welt zu Hause waren und irgendwie mit ihrem Auto und einem Job in Neuseeland gestrandet sind. Einige hatten am Abend ein paar Bierchen zu viel, und ihren Kopf in soweit versoffen das sie wohl eher keinen Job, aber immerhin noch ein Auto und damit eine Unterkunft hatten… Ein aus Thaiti stammender Neuseeländer der auf dem Weg nach Australien war und in seinem „früheren Leben“ mal sowas wie ein Zweiradmechaniker gewesen sein wollte, stellte erste Diagnosen über die Probleme meines Vans.

Duschen konnte ich ein letztes mal kostenlos bei Lei, einer Japanerin die ich wärend meines längeren Aucklandaufenthalts kennen gelernt hatte.

Von Auckland ging es zuerst auf die Coromandel Halbinsel, die ich über den Pacific Coast Highway erreichte. Das Wort Highway ist eigentlich etwas irreführend, da sich die Straße mit sehr engen Kurven direkt am Pacific entlangschlängelt, die manchmal mit nicht mehr als 25km „Safetyspeed“ genommen werden können.

Auf dem Weg zur Corromandelhalbinsel machte ich mehrmals halt, unter anderem an einer Vogelbeobachtungsstation. Die Regierung hat hier netterweise kostenlos einen weiblichen araktiven Guide sowie niegelnagelneue Teleskope zur Verfügung gestellt. So konnte sogar ich als Laie nach 5 Minuten den weltweit einzigen Vogel mit gekrümmtem Schnabel beim Futter suchen beobachten. Toll!

Von dort ging es weiter nach Thames wo ich beschloss am nächsten Tag die Pinacles zu bewandern. Die Pinnacles sind der höchste Punkt den man auf der Halbinsel auf normalem Wanderwege erreichen kann. Da es für den Aufstieg heute zu spät war suchte ich mir einen schönen Strand mit öffentlicher Toilette (Die Toilettendichte in Neuseeland ist ganz beeindruckend!) und schlief ein.

Am nächsten morgen gings auf die Pinnacles. Das Wetter war genau richtig. Bewölkt beim Aufstieg und als ich oben war klarte der Himmel auf. Oben war es so windig das ich mehrmals dachte ich würde jederzeit davongeblasen. Die Aussicht war super. Der Weg verlief teilweise auf alten Packeselrouten der frühen Europäer und an Resten von einer Eisenbahnstrecke die man hier mal aus dem Boden gestampft hat, die die Natur und ein paar über die Ufer getretene Flüsse aber wieder zerstört haben. Auf dem Weg dorthoch gab es ein paar einfache“ Campingplätze“ die aus nichts mehr als einer grünen Wiese bestanden und die „Pinnacles Hut“, die mit bis zu 80 Betten ausgestattet ist und in der sich viele Leute, denen ein Auf- und Abstieg pro Tag zu viel ist, oder Wanderer die auf längeren Touren unterwegs sind einquartieren. Die Pinnacles, wie auch ein paar Nachbarberge sind ehemalige Vulkane, bei denen aber die Erde um den ehemaligen Lavakegel wegerodiert ist, so das nur noch die steilen erstarten Lavamassen in den Himmel gucken. Hat fast etwas von Sächsischer Schweiz.

Wieder unten angekommen gabs ne Doppelpackung Instantnudeln und ich machte mich auf die Suche nach einer neuen Übernachtungsgelegenheit. Ich fuhr von Thames nach Coromandel Town. Auf der gesamten Corromandelhalbinsel hat man sich sehr viel Mühe gegeben an jedem noch so kleinen Parkplatz und jeder Parkbucht ein Schild „Campen und Overnightstop an öffentlichen Plätzen verboten“ anzukleben. An Stränden alternativ „„Campen und Overnightstop an Stränden verboten“ . Die Hoffnung nicht aufgebend fuhr ich von Coromandel Town aus weiter nördlich, bis die Straße in einer Schotterstraße endete. Dieser folgte ich über 30 km. Hier enddeckte ich plötzlich einen kleinen Pfad zum Strand. Kein Schild. Der Strand und die Bucht schwer einsehbar. Perfekt. Ich öffnete die Schiebetür, mummelte mich in den Schlafsack und blickte in den Sonnenuntergang.

Der Nächste Tag war Silvester. Ich machte mich morgens auf zum „Hot Water Beach“. Man kann sich hier ein kleines Loch in den Strand graben, und das einsickernde Grundwasser erwärmt sich durch thermale Aktivitäten auf bis zu heiße 68 Grad. Witzigerweise funktioniert das aber nur an ganz bestimmten Stellen. Und nachdem ich nun zwei mal ein Loch ins kalte Wasser gegraben hatte erbarmte sich die Eisverkäuferin und gab mir Insidertipps wo ich zu graben habe. Die warmen Stellen waren so überfüllt das ich Mühe hatte eine freie Stelle zu ergattern. Letztendlich hats funktioniert. Ich habe mir fast den Hintern verbrannt. Faszinierend!

Nicht weit entfernt und mein nächster Abstecher war Hahei, ein schöner breiter Sandstrand mit vielen kleinen Buchten und Inseln. Von hier auf einem kleinen einstündigen Wanderpfad zu erreichen lag Cathedral Cove, ein beeindruckender Strandabschnitt mit Felsen die vom Wasser so aus- und umspühlt wurden das sie kleine Höhlen, Druchgänge und interessante Felsformationen bilden.
Am späten Nachmittag machte ich mich auf nach Tairua um mich für Silvester in einem Hostel einzuquartieren. Silvester verlief weitgehend unspäktakulär. Ein kleines aber schönes Feuerwerk im Hafen der Stadt das ich mir zusammen mit einem Australier den ich im Hostel kennengelernt hatte angeschaut habe. Um 0:15 lag ich schon im Bett.

Am nächsten morgen (1.1.10) gings weiter und ich machte in mehreren kleinen Städten halt. Die Strände waren alle Überfüllt mit feiernden Neuseeländern die zwischen Weihnachten und Silvester ihren Sommerurlaub haben. In Wangamata wendete ich in einer Seitenstraße und wurde schließlich mit Sirene und Blaulicht von einer Streife gestoppt. Das Herz klopfte. Nun kam also der Moment das erste Mal meinen „Ersatzführerschein“ präsentieren zu dürfen. Was hatte ich getan?

Als der Polizist, der alleine im Auto saß ans Fenster kam und realisierte das ich ein Tourist bin entschuldigte er sich sogleich und merkte an das er sich mit seinem Polizeiauto hinter einem Busch versteckt hatte – vermutlich um am 1.1. betrunkene Neuseeländer aus dem Verkehr zu ziehen. Als ich 20 Meter vor ihm gewendet habe dachte er zuerst ich habe das Polizeiauto entdeckt und wollte fliehen. Erst als er auf dem Weg zu meinem Fenster war sei ihm in den Sinn gekommen das ich mich verfahren haben könnte. Er fragte noch ob ich den nun wisse wo ich hin will, wünschte mir einen schönen Tag und verschwandt ohne Ausweis oder Führerschein sehen zu wollen. Genau so lässig wie es mir zuvor von anderen Autofahrern prognostiziet worden war.

Nächster Stop war dann Waihi, eine alte Goldstadt die noch mehrere aktive Goldminen beherbergt. Das Loch das sich direkt hinter dem Stadtzentrum befindet ist gigantisch groß. Ich machte eine Wanderung durch alte stillgelegte Goldstollen an einem Flußbett und fuhr danach weiter vorbei an Taurangi nach Mt Maunganui. Hier versuchte ich bei unglaublich kaltem Wind Nudeln zu kochen, gab das Projekt aber nach 30 Minuten auf und aß die Nudeln halbroh. Ein älterer Herr mit Wohnmobil bat mir als er mein Unterfangen sah mitleidig einen warmen Kaffee oder Tee an, den ich aber dankend ablehnte. Ich schaute mir den Sonnenuntergang vom Strand aus an und verkroch mich ins Auto. In den letzten Sonnenstrahlen konnte ich sehen wie sich ein mächtiges Containerschiff direkt am Strand vorbei aufs Meer hinaus schob.

Am nächsten Morgen kam ich auf die Idee den Mt Maunganui zu bezwingen. Nicht gerade ein hoher Berg, aber nach dem Frühstück genau das richtige um Wach zu werden. Auf dem Weg zum Gipfel wimmelte es nur so von Joggern und Sportlern die hier vermutlich für den am ersten Wochenende im neuen Jahr anstehenden Half Iron Man trainierten. Wieder im Tal fuhr ich weiter nach Rotorua weches berüchtigt ist für seine vielen thermalen Quellen, und führ seinen Gestank nach faulen Eiern der von aufsteigendem Schwefel erzeugt wird. Die Erdkruste ist hier so dünn, das sich jederzeit über Nacht neue Quellen und „Mudpools“ , also heiße Matschbecken ausbilden können. Während ich damit keine größeren Probleme hatte machte einigen anderen Touristen der Gestank ganz schön zu schaffen. Einige Leute die in den falschen oder richtigen Stadtteilen wohnen, jenachdem wie man das sehen mag, haben ihre eigenen heißen Quellen im Vorgarten. Kann also passieren das man Sonntag morgens aufwacht, aus dem Fenter guckt und sagt: „Oh guck mal Schatz, wir haben ne neue heiße Quelle, doll!“ Während das ganze für einige eine Touristenatraktion, für andere ein Ärgernis ist, nutzen dritte clevere Leute die Quellen im Hinterhof zur Energie und Warmwassergewinnung.

An einer Quelle im Park stieß ich auf ein Mädel mit einem T-Shirt der deutschen Band „Wir sind Helden“ die ich daraufhin angesprochen habe. Sie kam aber garnicht aus Deutschland sondern aus Holland, war einfach nur ein großer Fan. Ein Gesprächsthema gefunden machten wir uns nun gemeinsam auf weitere heiße Quellen Rotruas unter die Lupe zu nehmen. Nach 20 Minuten war hier alles abgeklappert, und ich fragte sie spontan ob sie nicht Lust hätte mit mir den Rotrua-See zu erkunden bzw. Mit dem Auto zu erkunden. Gesagt getan.

Srände, meine ersten Schwarzen Schwäne (Ich wusste bisher noch garnicht das es die gibt!), ein Spaziergang zu einer Wasserquelle die unglaublich klares Wasser und ein unglaublich klares Flußbett erzeugt (Muss wohl sehr mineralstoffarm sein), und eine Fahrt zu einem abgelegenen kleinen Bergsee füllten den Tag. Da Cicilia den nächsten Tag nach Taupo musste und ich in die selbe Richtung wollte, verabredeten wir uns für den nächsten Morgen um zusammen weiterzureisen. Wärend ich Cicilia im Hosel absetzte suchte ich mir eine schöne Parkbucht an der Uferpromenade von Rotrua und bestaunte eine Gruppe schwarzer Schwäne beim Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen (3.1. )fuhren wir von Rotrua nach Taupo und machten unterwegs im „Thermal Wonderland“ halt. In der Hochsaison etwas überlaufen, aber auf jeden Fall einen besuch Wert. Man sieht einen Gaisier, und kan jede Art von thermalen Aktivitäten im Park beobachten. Mudpools, ein so genanntes „Champangerbecken“ was für seine unglaubliche Farbkombination bekannt ist, welche durch unterschiedliche mineralien in den Quellen erzeugt wird, Explosionskrater und überall kochende und dampfende Erde.

Wir machten Rast an einem Fluß und ich führte Cicilia in die Kunst der Instantnudelzubereitung ein. Heißes Wasser, Nudeln rein, zwei Minuten ziehn lassen, Pulver mit Geschmacksrichtung drüber, fertig.

Weiter Richtung Taupo steht ein thermales Kraftwerk. Für mich ganz beindruckend das 65 % Der Stromversorgung der Nordinsel durch Wasser- oder Thermalkraftwerke gewonnen werden. Neuseeland hat sich übrigens schon vor vielen Jahren zur atomkraftwerkfreien Zone erklärt. Cicilia schüttelte nur noch mit dem Kopf und konnte sich garnicht mehr einkriegen als ich mit dem Auto eine eingezeunte Straße durch das Kraftwerksgeände fuhr und jetzt auch noch anfing Fotos zu machen.Was denn jetzt an einem Kraftwerk so beeindruckend sein soll wollte sie wissen. Als jetzt auch noch ein offizielles Schild einen „Kraftwerks-Lookoutpoint“ bewarb, wurds ihr zu viel. Wir verließen das Gelände.

Ich setzte Cicilia in Taupo ab und besuchte alleine die Hukafalls, die Neuseelands meistbesuchtes Reservat sind, die ich aber einfach nur lächerlich fand – naja vielleicht hab ich schon zu viele Wasserfälle gesehen.Ich ging einkaufen, parkte an der Uferpromenade des Tauposees, und machte Reisepläne für die nächsten Tage. Ich fragte Cicilia per SMS ob sie nicht ein bisschen mit mir kommen wollte, und wir verabredeten uns für den nächsten Morgen. Ich schlief an der Uferpromenade im Van. Am nächsten Morgen (4.1) regnete es, und Cicilia antwortete mir das Abenteuer im Regen nicht ihr Ding sein.

Ich machte mich also alleine weiter auf den Weg. Bereits nah einer Stunde war ein strahlend blauer Himmel über Taupo, dem größten See Neuseelands, und ich beschloss ihn halb zu umrunden.

Während die Straße im Süden dicht am Ufer verläuft und von Picnicspots übersäht ist liegt der Norden des Sees weiter ab von der Straße und beherbergt diverse Reservate. Ich nahm mir also vor ihn nördlich zu umfahren und hoffte ein paar interessante Stellen zu entdecken. Einige Reservate die am Seeufer liegen sind laut Landkarte garnicht per Straße zu erreichen, aber ich wollte es genauer wissen. Ich fuhr eine lange Straße die als Sackgasse ausgeschrieben war immer weiter, bis sie letztendlich in eine typische Schotterstraße wechselte. Ein paar Farmen links und rechts. Am Ende der Straße ein geschlossenes Farmgate. Der einzige Hinweis auf das Reservat war ein Schild des Departments of Conservations mit dem Hinweis das das Reservat hinter dem privaten Farmgelände liegt und alle Tore so bleiben sollen wie sie sind.

Das Schild sagt nicht genau ob es nun verboten ist die Gates zu bewegen oder ob man sich über das private Farmgelände zum Reservat bewegen darf, wie es manchmal üblich ist, oder ob der Zugang hier nicht möglich ist. Ich lasse vorsichtshalber mein Auto stehen und springe über das Gate. Hunde bellen von einer Farm und ich bin mir nicht ganz sicher ob ich auf dem richtigen Weg bin. Nach einer Weile kommt ein Geländewagen gefolgt von einer Staubwolke an und fragt ob alles OK sei. Ich erkundige mich ob das der offizielle Weg zum Reservat ist und man antwortet „Klar, hätteste auch hinfahren können. Brauchste ne Mitfahrgelegenheit?“. Das ließ ich mir nicht zwei mal sagen und saß hinten im Mercedes Geländewagen, während wir noch eine ganze Viertelstunde über Schhotterpisten und Feldwege Richtung Bucht fortbewegten.

Am Ende des Parkplatzes steige ich aus, und ein Hinweisschild deutet auf einen Wanderweg in 30 Minuten hinunter zur Bucht führt. Ich bedanke mich und mache mich auf den Weg. Auf dem Weg der durch dichten Wald führt habe ich plötzlich den Blick frei auf die Bucht und: WOW! Da liegt ein Dorf. Ohne Zugang über eine Straße, nur vom Wasser zu erreichen. Einige einfache Holzhütten stehen dort.

Einige Bote liegen vor Ufer. Ich erinnere mich auf der Landkarte ein Dorf ohne Straßenanbindung entdeckt zu haben, über das ich mich damals schon gewundert hatte. Unten angekommen laufe ich über weißesten, feinsten Sandstrand. Der Strand auf dem ich stehe ist von dem Strand an dem das Dorf liegt durch einen ins Meer fließenden Fluss getrennt. Die Familie die mich mit dem Auto mitgenommen hatte kommt nun auch den Wanderweg hinunter und die Frau fragt. „Wirst du erwartet?“ Ich denke kurz „Vom wem erwartet, ich weiß ja nichtmal wo ich bin“ antworte dann aber nur mit „Nein, ich bin ganz zufällig hier“. Die Frau, etwas verwundert, erzählt das ein Boot für sie bereitgestellt am Ufer liegt und ich mitfahren könnte.

Ich willige einfach mal ein, und die Frau die mit ihren Kindern hier Urlaub macht erzählt mir nun erstmal was es mit dem Dorf auf sich hat. Das Dorf ist auch heute noch zu 100% im Besitz der Ureinwohner, der Maori. Ihr Vater hat den Maoris damals geholfen für ihr Land zu kämpfen, welches der Staat den Maoris abnehmen und verstaatlichen wollte. Die Maoris, noch heute dankbar, haben nun noch enge Kontakte zu ihrer Familie und sie kommt des öfteren zu Besuch hier her. „Nicht viele Leute wissen von diesem Platz hier“ meint sie. „Woher denn auch“, denke ich.

Ein winziger Ort der auf Landkarten zwar verzeichnet ist, aber zu dem es keine Straßen gibt. Die wenigsten machen sich die Mühe hier zu suchen. Am Eingang des Dorfes stehen Schilder das das durchschreiten des Dorfes zwar erlaubt, der Aufenthalt, Fischen, Picnic und Co aber unerwünscht seien. Ich möchte nicht stören, respektiere die Privatsphäre und mache mich schon nach einer halben Stunde am Strand und am Rande des Dorfes wieder auf den Weg zurück. Nach einem Langen Fußmarsch zurück durch den Wald, Farmengelände, Schafe und Kühe freue ich mich heute etwas gesehen zu haben, was nur die wenigsten bisher entdeckt haben, und was von den individuellen Massentouristen bisher verschont geblieben ist.

Ich fahre bis nach Taurangi und schlafe dort auf einem öffentlichen Parkplatz. Am nächsen Morgen dem 5.01 mache ich mich auf und fahre in den Tongoriro Nationalpark. Der Nationalpark liegt in der aktiven Vulkanozone und beherbergt gleich 3 große aktive Vulkane. Ich mache eine Tageswanderung zu einem Wasserfall und zwei Kraterseen, dem Lower und Upper Tamalake. Beeindruckend. Überwältigend.

Abends fahre ich mit meinem Auto von Wakapapa aus den Vulkan hinauf bis zu einem Skigebiet welches im Sommer etwas trostlos daher kommt. Der Wagen quält sich im zweiten Gang durch die dünne und kalte Bergluft nach oben. Nur in zwei Fenstern im Ort brennen Lichter als es dunkel wird. Das Dorf ist ausgestorben. Ich stelle mich an die Ecke eines in den Fels gemeiselten Parkplatzes und schaue 2000 Meter in die Tiefe. Wow! Wenn das kein geeigneter Stop für eine Übernachtung ist. Ein Vater der sich im Camper mit seiner Frau und Kindern den Berg hochquält antwortet seinem Sohn auf die Frage „Wo sind wir Papi?“ mit einem „Kuck doch, wir sind am Ende der Welt“. Und genauso fühlte es sich hier oben auch an. Nichts. Stille. So friedlich.

Die Familie verschwindet. Zwei deutsche Mädels und zwei Franzosen trauen sich in der Abenddämmerung noch hoch. Während die Franzosen mir über Nacht Gesellschaft leisten trauen sich die Mädels aus Angst vor einer Geldstrafe nicht hier Wild zu übernachten und fahren wieder ins Tal.

Am nächsten morgen dem 6.1. wache ich schon um 6 Uhr ohne Wecker auf. Die Luft die schon Abends eiskalt war hat sich über Nacht noch dichter dem Gefrierpunkt angenährt. Nicht weit über unserem Parkplatz liegt die Schneefallgrenze. Ich fahre ins Tal, denn ich habe mir heute das „Tongorriro Alpine Crossing“ vorgenommen und bereits am Tag zuvor ein Shuttle gebucht welches mich zum Startpunkt fährt und vom Endpunkt abholt.

Das Wetter war perfekt und das Tangoriro Crossing gigantisch. Jedes Mal wenn du das Gefühl hast eine Steigerung ist nicht möglich wirst du die Tage darauf erneut umgehauen. Vielleicht liegt es auch einfach daran das ich zuvor noch nicht über so viele Vulkankrater spaziert bin ;) Der Kraterrand ist noch warm. Schwefeldämpfe steigen auf und der Geruch von vergammelten Eiern ist wieder in der Nase.

Abends schlafe ich ausnahmsweise auf einem Campingplatz für 4 Dollar (2 Euro) weil ich eine Dusche nehmen möchte und dringend möglich habe. Nachdem ich mich selbst registriert und in eine Holzbox bezahlt habe bemerke ich das der Campingplatz garkeine Duschen hat. Naja. Für 4 Euro kann man ja auch nicht alles erwarten.

Ich bin K.O. Den hier absolut klaren und beeindruckenden Sternenhimmel nehme ich nur noch mit einem Auge war und schlafe ein.

Am 7.1 ist mir Schwindelig und auch beim Autofahren habe ich des öfteren das Gefühl das die Straße schneller fährt als das Auto. Da das auf die Dauer nicht wirklich angenehm und sicher ist mache ich schon nach 18 km im Ort „National Park“ halt und beschließe mich in einem Backpacker Hostel für einen Tag auszuruhen, zu duschen, und darauf zu hoffen das es am nächsten Tag besser wird. Die Nacht war mir schlecht, schwindelig, Magen-Darm-Beschwerden…

Am 8.1 brach ich trotzdem auf und fuhr nur wenig weiter bis nach Ohakune, immer noch am Rande des Tongariro Nationalparks gelegen, und verbrachte den Tag mit mehreren 1-2 Stunden-Wanderungen. Auf einer ehemaligen, für Touristen umgebauten Eisenbahnstrecke traf ich einen aus England eingewanderten Neuseeländer der hier seinen Lebensabend mit Jagen, Fischen und Spazierengehen verbrachte. Nach einer kurzen aber leidenschaftlichen Debatte in der er mir erzählt hatte wie viel Geld England den Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg in den Hintern gepumpt hat und wie gut es England heute gehen könnte wenn sie es nicht getan hätten, erzählte er mir interessantes über die örtliche Flora, die verschiedenen Coniferenarten, Aufbau und alter der Bäume, usw. Ich freute mich einen ortstkundigen Führer gefunden zu haben.

Danach gabs noch ein paar Wasserfälle zu entdecken. Mein Gott hat Neuseeland Wasserfälle! Aber schön sind sie trotzdem – meistens.

Ich schlief auf dem Parkplatz des Besucherzentrums. Am 9.1 fuhr weiter nach Perikeri in den Whanganui-Nationalpark. Von hier führt eine einfache enge, teils ungeteerte Straße am Whanganui-River entlang bis nach Whanganui-Stadt. Auf dem Weg an dem ich öfters für Fotos und um die Aussicht zu genießen anhielt, lernte ich ein Deutsches Pärchen mit Wohmobil kennen,und nachdem wir uns diverse Male auf der alten einfachen Schotterpiste gegenseitig überholt hatten, vertieften wir uns in einer Wartebucht so tief in die Gespräche bis auf 16:00 schließlich 20:00 geworden warund es zu spät war noch weiter zu fahren.Die beiden luden mich zum Abendessen ein welches ich, den Instantnudeln für einen Abend entfliehend, dankend annahm. Es wurde 11 bis wir entschieden schlafen zu gehen. Als ich den Wagen verließ rief ich erstmal die beiden nach draußen: Der Sternenhimmel war hier noch viel beeindruckender als die Tage zuvor. Im Radius von 50 km keinerlei Fremdlicht führten zu einem klaren Blick auf die südliche Hemisphäre. Selbst die Milchstraße war deutlich zu erkennen. Nachdem wir vom Sternenhimmel genug hatten parkte ich meinen Wagen um, hängte wie immer den Hinterteil meines Wagens mit einer Plastikfolie von der Fahrerkabine ab und ging schlafen.

Am 10 Januar kam ich erst spät los, weil wir uns irgendwie eine Menge zu erzählen hatten und wir vor 13:00 nicht vom Frühstückstisch den die beiden vorm Wohnmobil aufgebaut hatten wegkamen. Weiter runter an der Whanganui-River-Road machten wir eine kurze 1-2 stündige Wanderung zu einem Aussichtspunkt und unsere Wege trennten sich wieder.

In Whanganui machte ich eine kurze Pause. Mir war immer noch etwas schwindelig sobald ich mich bewegte oder im Auto fuhr. Ich fuhr wieder nur kleinere Etappen. Von Whanganui fuhr ich noch bis zu einem kleinen Dörfchen mit einer Steilküste. Ein Schiffswrack liegt in den mit schwarzem Sand gefüllten Dünen. Ich beschließe hier zu schlafen.

Die Nacht tobt ein Sturm begleitet mit heftigen Regenfällen. Ich beschließe in Mitten der Nacht den Wagen, der vom Sturm durchgeschauckelt wird mit der Fronseite in Windrichtung umzuparken um die Angriffsfläche zu verkleinern, und 20 Meter weiter von der Klippe entfernt zu parken. Wäre nicht das erste mal das bei heftigem Regen einfach mal eine Böschung abrutscht.

Am 11. Januar fuhr ich ersteinmal in die Werkstadt um den Schlitzer in meinem Hinterreifen, den ich mir vermutlich auf einer der ewigen Schotterpisten eingefangen habe, begutachten zu lassen. Wenn ich bei meinen vielen Werkstadtbesuchen einiges gemerkt habe ist es das Kiwis in der Regel keinen Geschäftssinn haben. Man will in der Regel garnichts verkaufen.

„Ich habe nen Schlitz in meinem Hinterreifen, aber er ist noch dicht. Kann ich damit weiterfahren oder brauch ich nen neuen?“

„Kannste schon noch fahren“

„Ja, aber ist es denn sicher, kann da was passieren?“

„Lass es mich so sagen, hab schon schlimmeres gesehen. Ist nicht so tief, ne ist eigentlich kein Problem“

„Ich kann also weiterfahren?“

„Ja fahr einfach vorsichtig. Good Luck!“

An diesem Tag fahre ich schließlich bis nach New Plymouth. Zuvor habe ich das Nationalpark-Center vom Vulkan Mt Etmont besucht. Leider ist das Wetter zu schlecht, die Temperatur zu kalt, der Regen unterwegs zu viel, und der Schneefall auf dem Gipfel zu stark. Ich machte nur einen einstündigen Spaziergang Richtung Gipfel, und drehte um. Ich hoffe auf besseres Wetter und schaue mir die Stadt New Plymouth an, laufe einen Wanderweg an der Küste, und besuche nach Sonnenuntergang dasTSB-Festival of Lights in dem die TSB-Bank von Dezember – Februar Sponsorengelderder locker macht um den halben Stadtpark im Licht erstrahlen zu lassen und jeden Abend Livefestivals veranstaltet. Die TSB-Bank muss es haben. TSB-Stadium, TSB-Tribüne, TSB-Festival, TSB-Park. Ich schlafe auf einem Parkplatz nähe der Küste.

Der Wetterbericht für den 12. Januar war mies. Als ich aufwachte war strahlender Sonnenschein. Verarscht! Ich besuchte das Visitorcenter, das Museum, die Innenstadt und erwartete gespannt den upgedateten Wetterbericht für den nächsten Tag. Nachdem es morgens noch hieß am 13. Januar würden sich Schneefall und Regenschauer abwechseln hieß es in dem Update das vom Wetterdienst immer um 1:00 Nachmittags veröffentlicht wird: „Fine, high winds from south 45km/h“.

Der Plan für den 13. lautete also von der Nordseite aus den Berg hoch. Aber der Tag fing schon wolkenverhangen an, und ich beschloss mich nochmal umzudrehen und schließlich eine kürzere Wanderung auf einem kleineren Nachbarberg am Fuße des Vulkans zu machen. Ab und zu gaben die Wolken einen teilweisen Blick auf Mt Egmont frei, bevor sie sich wieder zuzogen. Vor dem Abstieg machte ich auf einer Berghütte Rast und genoß die Aussicht.

Wenn man hier oben in den Bergen ist, hat man das Gefühl der Rest der Welt ist ganz weit weg. Auch wenn es nur ein paar Stunden zurück zum Handyempfang, Strom, fließend warmem Wasser und der Zivilisation sind, fühlt man sich doch eine Ewigkeit davon entfernt. Ein kleiner Kohleofen und eine Kochnische. Wasserversorgung die mit Regen- und Quellwasser gespeist wird. Ein paar einfache Matratzen im Hochbettgestell. Alles was man braucht ist da.

Wieder zurück auf der Straße: Bei km 3.100 blieb der Wagen erneut stehen um nach einer Minute wieder ohne Probleme weiterzufahren. Ich nehme es mit der KIWI-Mentalität „Wenn der Wagen wieder läuft kann ich auch nix reparieren“ und fahre weiter. Nach dem Abstieg beschließe ich nach einer Woche ohne Dusche das Schwimmbad aufzusuchen. Den TSB-Pool! Für umgerechnet 2 Euro faulenze ich für 2 Stunden im Wirpool bevor ich mich entschließe für den Sonnenuntergang einen kleinen See zu suchen den ich mal auf einem Foto in der Touristeninformation gesehen habe. Der See ansich ist schön, aber beeindruckend und einmalig wird die Kulisse mit dem mächtigen Mt Egmont Vulkan im Hintergrund der dem See eine ganz eigene Szenerie verleit. Obwohl der See direkt von der Hauptstraße ausgeschildert ist schwirrt der Touristenstrom glücklicherweise vorbei.

Ich laufe einen kleinen Weg zu einem Aussichtspunkt hinauf und stolpere mitten in das was ein hoffentlich gelungener Heiratsantrag gewesen ist. Nicht nur das der junge Neuseeländer ein Vermögen für Rosenblütenblätter ausgegeben haben muss die er einen halben Kilometer durch das Reservat gestreut hat. Eine Flasche Sekt, eine Picnicdecke, und der Mt Egmont und See bei Sonnenuntergan im Hintergrund. Ich würde sagen, die perfekte Location!

Ich entferne mich diskret und suche mir meinen eigenen Aussichtspunkt. Wärend die anderen schon gefahren sind (vielleicht wussten die mehr wie ich ;-) ) genieße ich die Stille, die letzte Abendröte, beobachte eine junge Schwanenfamilie beim Futter suchen. Ich fahre die Schotterstraße zurück Richtung Hauptstraße und stehe vor einem großen massiven Eisentor! Ups! Hätte man ja auch mal dran schreiben können, das die hier um 8:30 das Reservat verrammeln. Naja, hat man schon. Aber nur seeeehr klein. Eingesperrt. Clever übrigens das Ding abzuschließen, ohne vorher zu gucken ob noch wer drin ist ;-) !
Ich nehme es locker und schleiche mich zurück zum See, klebe ein dickes Schild mit der Botschaft „SORRY, WUSSTE NICHT DAS DIE SCHRANKE UM 8:30PM SCHLIESST!“ ans Fenster, und klettere ins Auto. Es ist zwar verboten hier zu übernachten, aber ich habe nicht so viele Optionen. Ich hätte höchstens die 111-Notrufnummer anrufen können (hätte ich den Handyempfang gehabt) , aber das hielt ich auch für unangebracht. Mir gehts ja gut.

Am 14. wache ich früh auf. Ich hatte mir extra einen Wecker gestellt. Scheint keinen gestört zu haben das ich hier geschlafen habe, hat noch nichtmal jemand gemerkt. Nichtmal die Holzfäller die um kurz nach 7 die Schotterpiste auf dem Weg zur arbeit nutzten haben mich bemerkt. Nach einem weiteren wunderschönen Blick auf Mt Egmont verabschiede ich mich aus New Plymouth und mache mich über Straford auf den „Forgotten World Highway zu erkunden. 150km grüne Hügel, weites Farmland, Neuseeländische Geschichte und wieder ein paar Kilometer feinste Schotterpiste.

In Straford hatte ich zuvor kurz Stop bei einem Arzt gemacht weil mein Schwindel immer noch nicht ganz in Ordnung war und ich mich nun ein paar Tage völlig aus der Zivilisation verabschieden wollte. Ich fand es Sinnvol vorher nochmal nen Fachmann zu konsultieren.

Puls, Blutdruck, Temperatur, Augen, Ohren wurden durchgecheckt. Das einzige was der aus Südafrika immigrierte Doctor letztendlich in meinen Befund schreiben konnte war „außergewöhnlich stark braungebrand, zuvor Besuch von Südafrika, Namibia, Zambia und Zimbabwe. Keine auffälligen Symptome“ . Diese Kurzzusammenfassung meines Reiseberichtes kostete mich dann aber auch nur 35 Dollar, 17,50 Euro! Schnäppchen! Dafür schüttelt der Doctor einem Privatpatienten zu Hause nichtmal die Hand. Ich bedankte mich und fuhr weiter…

Ich übernachtete am Whanganui-River, kurz vor der Stadt Taumarunui. Am 15. Januar plane ich eine viertaegige Kanutour durch den Whanganui-Nationalpark.