Sep 24 Gläserne Manufraktur Dresden

Heute gings durch die Altstadt Dresdens. Aber ich ging alles relativ ruhig an. Will mich ja etwas fürs Wandern ausruhen. Irgendwie hatte ich auch keine Lust auf all die kulturellen Highlights die da warteten.

Die Frauenkirche habe ich mir natürlich angeschaut. Habe aber irgendwie schon beeindruckendere und schönere Kirchen gesehen  (Psst, erzählt das bloß den Dresdnern nicht, die sind stolz wie Oskar!)

Nach einem Spaziergang durch den Zwinger ließ ich mich an einem Brunnen nieder um mein neugekauftes Buch “Denken Sie selbst!” von Vince Ebert zu lesen. Selten so gelacht. Genial geschrieben, ein wirklich tolles Buch.

Ich entdeckte auf einem Gratisplan der Stadt Dresden die “Gläserne Manufaktur” wo die Luxuslimosine Phaeton exklusiv für Kunden in aller Welt gefertigt wird. Das wollte ich mir ansehen und radelte hin.

Dort erfuhr ich das Führungen aber in der Regel leider nur nach telefonischer Voranmeldung und Reservierung durchgeführt werden. Durch Zufall sah ich dann, das ein Herr, der so aussah als könnte er den Phaeton aus der Portokasse zahlen, mit seiner Frau vor dem “Reservierungen nach telefonischer Absprache”-Schild stand und mit dem VW-Kundenservice telefonierte.

Als ich sah das er erfolgreich war klingte ich mich im richtigen Moment mit ein und der Mann sagte “Kommen Sie einfach mal mit “. Im Besucherbereich angekommen sagte er auf die Aussage des Empfanfspersonals es wären noch einige wenige Plätze frei “Dann nehmen wir drei”.  Tada. Da war ich also drin.

Um die Sache perfekt zu machen schlich ich mich als Student ein. 2 Euro! Es muss ja schließlich noch genug Geld übrig bleiben um später den Phaeton zu bezahlen.

Bis auf die Tatsache das auf meinem Takko-Pullover ein weißer Totenkopf aufgemalt war machte ich, wie ich fand, einen relativ seriösen Eindruck.

Die Manufaktur ist wirklich beeindruckend, die Fließbandarbeit in handarbeit perfektioniert, der Komplex eine architektonische Meisterleistung,  und wie in der Führung erwähnt wird möchte man hier nicht nur ein Auto verkaufen, sondern hat an dieses Oberklasseprodukt auch eine Menge Emotionen gekoppelt. Anders wären bis zu eine 1/4 Million Euro für ein Phaeton auch nicht gerechtfertigt. 24 Autos dieser Nobelkarossen stellt man hier zur Zeit pro Tag her.

Jeder Phaeton der weltweit verkauft wird wird in Dresden endmontiert. Wenn Sie ihren Phaeton dann selbst abholen möchten (das tun immerhin 80% aller deutschen Kunden) sieht das ganze wie folgt aus:

Sie kommen in Dresden an. Auf Wunsch bucht man Ihnen ein schönes Hotel, einen Besuch der Semperoper oder des Zwingers gleich dazu.  Dann werden Sie in die Manufaktur-Kundenlobby geführt. Sie nehmen auf einem bequemen Sessel Platz. Milchglasscheiben verhüllen vor Ihnen die Sicht. Ihr Phaeton, genau nach Ihren Vorgaben gefertigt (allein das Cockpit gibt es in 6.000 Optionen), wird aus dem Autoturm gehieft, schwebt durch das Werk und gleitet wie von Geisterhand hinter die Milchglasscheibe. Musik beginnt zu spielen und eine Lichterschow leitet den phaenomenalen Höhepunkt der Übergabe ein: Die Milchglasscheiben fahren zur Seite, und vor Ihnen steht Ihr Phaeton! Sie steigen ein. Die Werkstür öffnet sich, und für sie exklusiv werden die Stahlpoller im Bürgersteig vor dem Werk in den Boden gefahren. Sie haben freie Fahrt! Wahnsinn.

“Da kann ja jeder Hochzeitsplaner einpacken” bemerkte ein anderer Besucher trocken.

Sep 23 Neue Fotos von Görlitz bis Dresden

So, nach langem warten habe ich keine Kosten und Mühen gescheut (Vor allem Mühen – Internet gibts hier gratis) um Euch 43 neue Fotos zu präsentieren und Euch ein paar Zeilen zu schreiben:

Von Weißwasser, wo ich eine Nacht bei Robert (bei dem ich zuvor mein Fahrrad untergestellt hatte) im Garten übernachtete, ging es über Rothenburg nach Görlitz. Hier übernachtete ich in einer Jugendherberge. Es ging weiter nach Zittau, wo ich bei dem Couchsurfer Tim und seiner WG sehr nett aufgenommen wurde. Nach einer bequemen Nacht im Hochbett eines nicht anwesenden WG-Mitgliedes ging es weiter über das Drei-Länder-Eck Polen-Tschechien-Deutschland an der Neiße entlang nach Liberec(CZ). Ich folgte der Neiße weiter bis zur Quelle in Nova Ves Nad Nidsou tief im Isergebirge.

Spätestens da wurde mir klar: mein Radl ist Schrott, Schrott, Schrott! Und der Kinderanhänger im Gebirge eine ganz dämliche Idee.

Zurück nach Deutschland gings über den Olbendorfer See nach Zittau, und von dort durch die Oberlausitz nach Pirna. Bei Neukirch klingelte ich eines Abends beim 87 Jahre alten Johannes und seiner “Mutti”, um um Erlaubnis zu bitten, mein Zelt für eine Nacht im Garten aufzustellen.

Wie der Zufall es will – Johaness war gelernter Autoschlosser und ließ es sich nicht nehmen mir in wenigen Stunden aus ein paar DDR-Restbeständen ein perfektes neues Tretlager zu bauen. Denn: “Mit dem Ding kommste keine 10 Meter mehr”. Da hatte er wohl Recht. Auf die Aussage, ich hätte ja zufällig am richtigen Haus geklingelt meinte er nur: “Der Mensch denkt, der Herr Gott lenkt”.

Am nächsten Tag fuhr ich gestärkt, mit neuem Lager und Provianttütchen in den sonnigen Montagmorgen. Nach einer Nacht in Pirna radelte ich nach Dresden. Hier ruhe ich mich nun 3 Tage aus um mich aufs Wandern vorzubereiten….