Jul 1 Und es geht schon wieder los…

Die letzten 9 Monate nach der Rückkehr waren spannend. Jobs als Produktionshelfer, Schnapsflaschenbefüller, Kommissionierer, Vertreter für Solaranlagen, Fachinformatiker, Barkeeper und Spargelverkäufer gaben einen spannenden Einblick in die deutsche Arbeitslandschaft.

Durch eine unkonventionelle WG mit einer Werbeagentur hatte ich ein unglaublich günstiges Zimmer und habe gespart was das Zeug hält -Instantnudeln blieben ein ständiger Begleiter – um mir ein ordentliches Finanzpolster anzulegen mit dem ich eine Ausbildung oder ein Studium mitfinanzieren kann.

Fürs Studium hat es nicht gereicht und würde es auch beim weitersparen nicht so schnell reichen. Aber  nun habe ich etwas sehr interessantes gefunden. Es zieht mich nach Köln. Mein Zimmer ist gekündigt. Es ist Ende Juni. Mitte August geht es los. Was liegt also näher als noch einmal auf Tour zu gehen?

Ohne Geld durch Deutschland 2011. Was werde ich erleben? In wie weit habe ich mich selbst verändert? Werde ich die Dinge nach den krassen positiven Erlebnissen im letzten Jahr zu selbstverständlich erwarten? Hat sich das Land in den letzten 9 Monaten verändert? Haben sich die Menschen verändert?

Bestimmt. Es wird also spannend. Das folgende “Stellenangebot” schien wie für mich gemacht, natürlich habe ich für die kommenden Sommerwochen angenommen ;) .

Stellenangebot Tramper/in
Stellenangebot Tramper/in
Mrz 14 Die Zeit danach: Rastlos

Für mich sind die Abwechslung und das Neue immer noch einfacher als jede Gewohnheit. „Wer rastet, der rostet“, heißt das bekannte Sprichwort. Bei mir ist das besonders ausgeprägt. Vermutlich fehlt mir einfach die Grundierung.

Hannes aus Berlin hatte mir zu meiner Webseite eine Nachricht auf Facebook geschrieben und mich eingeladen ein Wochenende vorbei zu kommen und ein wenig über meine Reise zu erzählen. Das kam wie gerufen.  Das letzte Mal war ich mit dem Fahrrad während meiner Deutschlandtour in Berlin. Gesagt, getan.

Ein Arbeitskollege nahm mich am Freitag direkt aus dem Büro mit bis zur nächsten Autobahnraststätte. Eine bessere Startposition zum trampen konnte ich nicht haben. Eine Baustelle trübte die Stimmung etwas. Ich stehe etwas gequetscht in einer Einbahnstraßenausfahrt, als nach 10 Minuten schon Günter anhält. Er ist 58 und hat gerade die Liebe seines Lebens gefunden. Er hat dafür 28  Jahre Ehe hinter sich gelassen und ist auf dem Weg nach Berlin um seine neue Liebe zu überraschen.  Für mich optimal, ich kann komplett mit durchfahren. Wiederholt bimmelt das Telefon und wir müssen zum SMS schreiben mehrfach Rastplätze anfahren.

„Kannste Auto fahren?“
„Jo.“
„Haste nen Führerschein?“
„Jo.“
„Willste Auto fahren?“
„ Jo“.
„OK, Fahrerwechsel, aber mach kein Scheiß!“.

Mit einem neuen Ford Galaxy mit 2.3 Liter Automatikgetriebe heize ich nun mit bis zu 190 Sachen Berlin entgegen während ich mit Günter  über Stunden tiefsinnige Gespräche über das Leben, die Liebe und Gott und die Welt führe.

Schon um 17 Uhr stehen wir in Berlin und ich habe in weniger als 3 Stunden ca. 350km zurück gelegt. Nachdem ich Günter noch meine Webseite aufgeschrieben und den Autoschlüssel zurückgegeben habe, hetze ich zum Treffpunkt mit Hannes. Er ist gerade mit Freunden in einem Entertainmentcenter und zusammen mit ihnen kämpfe ich mit einem Laserschwert unter dem Decknamen „Herkules“ gegen das Böse….

Gleich danach eine Runde Segway fahren ohne sich auf die Nase zu legen. Gemüsedöner essen, durch die Stadt irren, Eindrücke sammeln. Vor einem „Kaisers“ legt ein DJ in einem Rental-Truck auf.

Später geht’s weiter zu Hannes, noch etwas feiern. Ich bin leider erkältet, heiser, und so schlafe ich schon relativ schnell auf dem Gästesofa ein. Samstag mit Hannes über Reisepläne und Erfahrungen austauschen, Pizza essen, selbst wieder Fernweh bekommen, und Abends steht schon wieder ein Party an. Diese erreichte für mich ihren Höhepunkt, als ich gegen 03:30 im Wohnzimmer der WG einen Jonglierkurs mit Äpfeln und Birnen veranstaltete…

Sonntag ging es noch kurz auf einen Flohmarkt und dann schon wieder zurück nach Minden. Da ich Montag pünktlich wieder im Büro sitzen muss und keine Zeit habe Stunden mit dem herraustrampen aus Berlin zu verbringen nutze ich das erste Mal die Webseite hitchwiki.org.  Dort sind für alle wichtigen Städte ideale Startpositionen angegeben.

Wer Berlin gen Westen verlassen möchte der startet am besten von dem Rasthof Grunewald. Das wussten allerdings auch ein halbes Dutzend anderer Tramper die bei einer völlig überfüllten Tankstelle, einem Bikertreffen, und viel zu vielen Menschen wie aufgescheucht zwischen den Autos umherirrten. In weniger als 15 Minuten hatte jeder Tramper einen Autofahrer gefunden und auch bei mir sollte es nur noch wenige Minuten dauern.

Am Ende fahre ich mit einer 60 Jährigen Frau von Berlin bis nach Hause mit.  Auch diese Autofahrerin entpuppt sich als reiner Glücksgriff und wir verlieren uns auch hier in tiefgründige Gespräche. Am Ziel verabschieden wir uns und wünschen uns für die Zukunft alles Gute.

So viel Spaß für wenig Geld! Nach Bremen und Berlin steht für den nächsten Tramperausflug unter anderem noch Remagen am Rhein auf dem Plan. Dort hat mich ein Restaurantbesitzer auf Kosten des Hauses zum Essen eingeladen…