Fragen und Überlegungen über das Leben, die Träume und die virtuelle Wirklichkeit


"Der Weg ist das Ziel", das wusste schon Konfuzius. Aber was eigentlich steckt hinter diesem Satz? Unsere Gesellschaft legt es darauf an uns so zu formen, dass wir schon mit 15 wissen, wo wir uns mit 51 befinden wollen. In Bewerbungsgesprächen interessiert sich der Personalchef für einen kerzengraden Lebenslauf ohne Auswüchse. Aber ist es das was wir wollen? Ein Leben, durchgeplant von A-Z? Einen Baum pflanzen, ein Haus bauen, drei Kinder bekommen - Tod.

Zweifelsohne ist die Autobahn der schnellste Weg zum Ziel, aber hat die Landstrasse oder der Umweg durchs Grüne nicht auch seine Vorteile? Wo im Leben sammeln wir unsere Lebenserfahrung? Auf dem geraden Weg von A nach B, oder nicht doch viel eher auf Umwegen, Sackgassen oder Irrwegen die uns dazu bewegen, über unser Tun und Handeln nachzudenken?

Warum ist es heute so schwer etwas wirklich Verrücktes zu unternehmen, und warum macht es keiner? Richtig: "Wo ist der Sinn?" - Das ist das Erste was uns entgegengewettert wird. Aber wo bleibt der Spaß, die Aufregung, die Offenheit für neues und das Dazulernen?

Und warum schreibt sich jeder den Spruch "Träume nicht dein Leben, lebe deine Träume" auf die Fahne, kapituliert aber schon nach 10 Minuten an der Umsetzung und wendet sich entnervt dem abendlichen Fernsehprogramm zu?

Der Großteil unserer Gesellschaft scheint heute in einer so sicheren heilen Welt, in einem so festen Tagesrhythmus zu leben, dass schon das kleinste Abenteuer oder der kleinste Traum zur Gefahr wird. Überall scheinen Risiken zu lauern, und nichts ist berechenbar. Zuhause weis man halt das "Gute Zeiten - Schlechte Zeiten" um 19:40 Uhr anfängt! Aber macht das Ungewisse das Leben nicht erst spannend?

Und warum haben so viele Leute verlernt was es bedeutet ein wirkliches Abenteuer zu erleben? Wenn ich von Leuten höre "In ein paar Jahren, wenn ich Geld habe, und Zeit, und den Richtigen Partner.... dann, dann Reise ich um die Welt / fahre ich nach China / verwirkliche ich meine Traum", dann weis ich ganz genau, dass diese Personen nie zu ihren Träumen, die tief in ihnen schlummern kommen. Eingelullt in einer von übermäßigem Medienkonsum verzerrten Realität läuft das Leben an ihnen vorbei.

Die wenigen, die es wagen, sich außerhalb des üblichen Rahmens zu bewegen, werden sofort für abnormal erklärt. Leute die heute für ihre Träume Neuland betreten, denen ruft man beim Scheitern nach, sie hätten doch selber Schuld gehabt.

Dabei wird unser Handlungsspielraum immer weiter eingeschränkt. Bis die Individuen keine Individuen mehr sind. Wir Roboter bewegen wir uns von A nach B, führen unsere Arbeit und selbst unsere Freizeit nahezu mechanisch aus, und erschrecken dann bei dem kleinsten Zwischenfall. Dabei hat doch Doris Dörrie einmal ganz richtig erkannt: "Die Realität ist immer noch schräger als alle Fiktion."

Noch mal zurück zum übermäßigen, bzw. falschen Medienkonsum: Nachdem man Nachrichtenmoderatoren vom "Killer-Winter" sprechen hören hat, in der Tageszeitung erfahren hat, dass auch Deutschland "durch Vogelgrippe-Epidemie in akuter Gefahr" ist, und im Internet einen Bericht zum Thema "Wenn die Killer-Ente kommt" studiert hat, hat man dann noch Lust bei haarsträubenden -0,5 Grad ein putziges Entchen füttern zu gehen? Wohl kaum.

Stattdessen guckt man halt Tatort im Ersten, und nachdem dort der böse Staubsaugervertreter die Oma umgebracht hat, schrecken wir beim nächsten Klingeln auf, verschanzen uns hinter massiven Türketten, und jagen den verstörten Spendensammler einer Naturschutzorganisation davon. Jemanden, der Tatsächlich noch für seine Träume kämpft.

Ist das der Weg zum Ziel?


(c) Tobias Bullert, Januar 2006